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Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY, Wien
Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY, Wien
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Axel Preiss: "Alle stehen unter Druck"

27.05.2024 um 13:24, Klaus Schobesberger
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Experte Axel Preiss über die Gründe für den schleppenden Absatz bei E-Autos und wie chinesische Hersteller den Markt in Europa verändern werden.

Warum hat sich das Wachstum beim Absatz von E-Autos so stark eingebremst?
Technikaffine First Mover haben inzwischen zugegriffen, die große Masse der Autofahrer bleibt aber zurückhaltend und überlegt sich genau, ob ein Elektroauto zu ihren Bedürfnissen passt. Und da spielen Themen wie Preis – der deutlich höher ist als bei Verbrennern –, unzureichende öffentliche Ladeinfrastruktur, anhaltender technologischer Fortschritt gerade bei den Batterien – lieber auf die nächste, bessere Generation warten – und in der Praxis oft zu niedrige Reichweite eine große Rolle. Das allgemeine wirtschaftliche Gesamtumfeld – Stichworte Rezession, Inflation – führt auch zu Zurückhaltung beim Autokauf.

Welche Maßnahmen bräuchte es, um mehr E-Autos auf die Straße zu bekommen?
Dem Preisnachteil kann man mit staatlichen Förderprogrammen begegnen, was auch in vielen europäischen Ländern gemacht wird. Wenn diese Förderprogramme allerdings auslaufen, bricht der Absatz an E-Autos ein, das sieht man gerade am deutschen Markt eindeutig. Will man die E-Mobilität ankurbeln, muss in Leistbarkeit auch durch staatliche Subventionen, Ausbau der Ladeinfrastruktur und Steigerung der Reichweite investiert werden.

Wenn Förderprogramme für E-Autos auslaufen, bricht der Absatz ein, das sieht man gerade am deutschen Markt eindeutig.

Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY, Wien

China und USA drängen mit Rabatten und günstigen E-Autos nach Europa. Wie wird das den europäischen Automarkt verändern?
Der Marktanteil chinesischer Hersteller ist derzeit noch sehr gering, die Wachstumsraten sind aber hoch. Allerdings stellt sich bei vielen dieser jungen Hersteller die Frage nach der finanziellen Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, mit Pleiten ist zu rechnen. Insgesamt wird der Wettbewerb aber in jedem Fall zunehmen, der Kostendruck bei den etablierten Herstellern steigt.

Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Hersteller ein?
Alle stehen unter Druck, zum einen die Kosten besser in den Griff zu bekommen, zum anderen den Hochlauf der Elektromobilität voranzutreiben – auch um Strafzahlungen zu vermeiden.

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