Exklusiv: Jetzt spricht der "Crazy Cheese"-Gründer
Inhalt
- Crazy Cheese-Insolvenz: "Es war ein Befreiungsschlag"
- Crazy Cheese geriet durch Corona in die Krise
- Für Crazy Cheese verkaufte Roland Ludomirska seinen Besitz
- Crazy Cheese wurde zu seinem ganzen Leben
- Schon bei „Forsthaus Rampensau“ kämpfte Crazy Cheese ums Überleben
- Crazy Cheese-Gründer wehrt sich gegen den „Käsemillionär“-Ruf
- 500-Euro-Servietten: „Vielleicht hätte ich sparen sollen“
- „Ich will nicht nach Geld beurteilt werden“
- Crazy Cheese-Gründer richtet emotionale Botschaft an seine Hater
- Wie es für den Crazy Cheese-Gründer jetzt weitergeht
- Crazy Cheese-Gründer macht Menschen in Krisen Mut
Die Crazy Cheese-Insolvenz hat ganz Österreich erschüttert. Jetzt spricht Crazy Cheese-Gründer Roland Ludomirska erstmals offen im exklusiven Interview mit weekend.at über die wohl schwerste Zeit seines Lebens. Fünf Jahre lang kämpfte der Unternehmer um seinen Traum, verlor sein Privatvermögen, schlief kaum noch und brachte sich an seine körperlichen und seelischen Grenzen. Im Interview erzählt er, warum sich die Insolvenz am Ende trotzdem wie eine Erlösung angefühlt hat.
Crazy Cheese-Insolvenz: "Es war ein Befreiungsschlag"
Fünf Jahre lang gab Roland Ludomirska seinen Traum nicht auf. Er kämpfte gegen Rückschläge, hoffte bis zuletzt auf eine Wende und wollte Crazy Cheese unbedingt retten. Als schließlich die Insolvenz unausweichlich wurde, fühlte sich das für ihn überraschenderweise nicht wie eine Niederlage an. „Es war ein Befreiungsschlag, die Insolvenz anzumelden.“
Dabei habe er bis zuletzt an sein Unternehmen geglaubt: „Ich bin sehr positiv ins Jahr gestartet und bin niemand, der aufgibt. Aber in diesem Fall habe ich fünf Jahre gekämpft. Es war sehr schön, aber auch sehr schwer. Weil ich konstant unter Druck war.“
Crazy Cheese geriet durch Corona in die Krise
Den Ursprung der Krise sieht Ludomirska im Jahr 2020. Nach der Eröffnung des ersten Stores in der Shopping City Süd expandierte er rasch. Was wie der Start einer Erfolgsgeschichte aussah, entwickelte sich jedoch innerhalb weniger Wochen zum Albtraum.
„Ich habe 2020 in der SCS den ersten Store eröffnet. Ich habe dann gleich sieben Stores eröffnet, weil ich keine Ahnung hatte, dass Covid kommt. Ich hätte da eigentlich die Reißleine ziehen sollen. Habe ich aber nicht.“
Mit Corona änderte sich plötzlich alles. Die Kosten blieben, die Kunden blieben aus und der Druck wurde von Monat zu Monat größer.
„Ich musste für alle Stores Miete zahlen, aber die Geschäfte liefen nicht. Man darf nicht vergessen, dass Covid auch das Kaufverhalten verändert hat. Und wo spart man zuerst? An Luxusprodukten wie meinem Käse.“
Heute weiß er, dass er früher hätte loslassen müssen. Damals wollte er seinen Traum jedoch um jeden Preis retten.
Für Crazy Cheese verkaufte Roland Ludomirska seinen Besitz
Aufgeben war für Roland Ludomirska keine Option. Also kämpfte er weiter und setzte alles auf eine Karte. Stück für Stück trennte er sich von seinem Privatvermögen, immer in der Hoffnung, Crazy Cheese doch noch retten zu können.
„Ich habe fünf Jahre gekämpft, mein Privatvermögen verkauft, Autos, meine Haushälfte. Meine Frau hat auch ein Grundstück verkauft. Irgendwann habe ich gesagt: Es ist genug.“
Heute blickt er mit gemischten Gefühlen auf diese Zeit zurück.
„Ich habe durch das Weiterkämpfen nach Covid viel verloren, doch ich wusste es nicht besser.“
Crazy Cheese wurde zu seinem ganzen Leben
Mit jedem Monat wurde der Druck größer. Gedanken an Rechnungen, Mitarbeiter und die Zukunft ließen ihn nicht mehr los. Aus Roland Ludomirska wurde irgendwann nur noch der Mann hinter Crazy Cheese.
„Meine Frau war mein Motivator loszulassen. Weil ich 24 Stunden am Tag Crazy Cheese war und nicht Roland. Ich musste loslassen, denn ich war kurz vor dem Burnout.“
Die Existenzängste bestimmten schließlich seinen gesamten Alltag: „Man hat schlaflose Nächte, wenn man Rechnungen nicht zahlen kann. Es geht vielen so, doch kaum jemand traut sich das zu sagen.“
Erst Sport und Yoga hätten ihm geholfen, wieder Kraft zu schöpfen und langsam zu sich selbst zurückzufinden.
Schon bei „Forsthaus Rampensau“ kämpfte Crazy Cheese ums Überleben
Für die Zuschauer war Roland Ludomirska der selbstbewusste Unternehmer mit Champagner, Luxus und großen Auftritten. Kaum jemand ahnte, was hinter den Kulissen wirklich geschah. Während die Kameras liefen, kämpfte er längst um seine Existenz.
„Schon im Forsthaus habe ich Probleme gehabt, da waren schon drei Stores zu und ich hatte zu kämpfen.“
Dass er sich seine Sorgen nicht anmerken ließ, hatte einen einfachen Grund: „Du musst aus jeder Situation das Beste machen.“
Crazy Cheese-Gründer wehrt sich gegen den „Käsemillionär“-Ruf
Privatjet, Helikopter und Champagner machten Roland Ludomirska österreichweit bekannt. Viele sahen in ihm den schillernden „Käsemillionär“. Dieses Bild will er jedoch richtigstellen.
„Ich habe nie behauptet, dass ich Käsemillionär bin. Ich finde das lustig, dass das alle Medien schreiben.“
Auch sein extravagantes Auftreten sei niemals gespielt gewesen: „Es war alles echt. Mein Idol war immer Falco und der war ja auch dekadent.“
500-Euro-Servietten: „Vielleicht hätte ich sparen sollen“
Eine Szene aus „Forsthaus Rampensau“ sorgte besonders für Aufsehen. Als Ludomirska Servietten in Form von 500-Euro-Scheinen durch die Luft warf, wurde prompt zum Gesprächsthema österreichweit. Heute blickt er mit einem Lächeln, aber auch mit Selbstkritik darauf zurück.
„Ich habe die 500-Euro-Servietten geworfen als Metapher. Ich sehe Geld als etwas, was ausgegeben gehört. Aber jetzt denke ich: Vielleicht hätte ich sparen sollen.“
Gleichzeitig stellt er klar: „Ich bin verschuldet wegen den Stores, nicht wegen dem Lebensstil, den ich pflege.“
„Ich will nicht nach Geld beurteilt werden“
Für Roland Ludomirska stand Geld nach eigenen Worten nie an erster Stelle. Viel wichtiger sei ihm gewesen, seine Leidenschaft zu leben und Menschen mit Crazy Cheese zu begeistern.
„Geld kommt, wenn man etwas tut, was man liebt. Ich habe meinen Job geliebt, aber ich will nicht nach Geld beurteilt werden.“
Crazy Cheese-Gründer richtet emotionale Botschaft an seine Hater
Nach der Crazy Cheese-Insolvenz bekam Roland Ludomirska nicht nur Zuspruch. Im Internet wurde gespottet, gelacht und kommentiert. Doch statt mit Wut zu reagieren, überrascht er mit einer Botschaft, die wohl kaum jemand erwartet hätte.
„Die Hater freuen sich natürlich. Die machen jetzt einen Freudentanz.“
Seine Antwort ist überraschend versöhnlich. „I love you all. Ich liebe besonders die Hater, weil sie es am meisten brauchen.“
Wie es für den Crazy Cheese-Gründer jetzt weitergeht
Nach Jahren voller Sorgen und Existenzängste möchte Roland Ludomirska nun vor allem eines: Er will wieder der Mensch sein, der er vor Crazy Cheese war: „Am liebsten würde ich gar nichts mehr machen. Ich mache Yoga und würde gerne Yogalehrer werden. Oder anderen Menschen helfen.“
Ganz verabschieden möchte er sich aus der Öffentlichkeit aber nicht. „Ich bin im Juli wahrscheinlich im deutschen TV zu sehen. Es ist ein tolles Format, doch ich darf nicht verraten, wo.“
Auch einen großen Traum verrät er: „Mein Traum ist es, ins Dschungelcamp zu gehen.“
Crazy Cheese-Gründer macht Menschen in Krisen Mut
Fünf Jahre lang kämpfte Roland Ludomirska um seinen Traum. Am Ende verlor er sein Unternehmen, aber nicht seinen Optimismus. Heute möchte er anderen Menschen Mut machen, die selbst gerade durch eine schwere Zeit gehen: „Konzentriere dich auf das Positive. Du bist gesund.“
Mit einem Satz, der ihm selbst in den vergangenen Jahren Kraft gegeben hat, beendet er das Gespräch: „Es ist keine Schande hinzufallen.“