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LASK-Präsident Siegmund Gruber
LASK-Präsident Siegmund Gruber
LASK-Präsident Siegmund Gruber
APA-Images / EXPA / Reinhard Eisenbauer

„Beliebt zu sein, ist nicht mein Job“

09.06.2026 um 14:16, David Pesendorfer
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Siegmund Gruber, streitbarer CEO des neuen Fußballmeisters LASK, spricht über seinen offensiven Führungsstil und weshalb er Konflikten nicht ausweicht.

CHEFINFO: Was hat Sie, als einer der Männer der ersten Stunde, veranlasst, mit den „Freunden des LASK“ aktiv zu werden?

Siegmund Gruber: Als wir am 24.12.2013 eingestiegen sind, haben wir einen Verein vorgefunden, der weit unter seinen Möglichkeiten agierte. Der LASK ist einer der traditionsreichsten Klubs Österreichs, war aber über Jahrzehnte hinweg von einem wiederkehrenden Muster geprägt: Seit dem Meistertitel 1965 kämpfte der Verein – unabhängig von den jeweils handelnden Personen – immer wieder mit finanziellen Problemen und strukturellen Defiziten. Die Konsequenz war, dass der LASK seit 1965 fünfmal aus der höchsten Spielklasse abstieg und sich fünfmal als Meister der zweiten Liga wieder zurückkämpfen musste. Genau diesen Kreislauf wollten wir durchbrechen. Unser Ansatz war daher nie, kurzfristig eine erfolgreiche Mannschaft aufzubauen. Unser Ziel war es, die wirtschaftlichen und strukturellen Ursachen zu beseitigen, die den Verein über Jahrzehnte begleitet hatten. Deshalb haben wir von Beginn an auf nachhaltige Finanzierungen, professionelle Strukturen, Infrastruktur, Nachwuchsarbeit und starke Partnerschaften gesetzt. Wir wollten einen Klub schaffen, dessen Erfolg auf einem stabilen Fundament steht. Denn nur wirtschaftliche Stärke schafft langfristig sportliche Stärke.

Was ist es im Kern, das Sie antrieb und noch immer antreibt?

Im Kern wollten wir den Kreislauf durchbrechen, der den LASK jahrzehntelang begleitet hat: sportliche Erfolge, gefolgt von wirtschaftlichen Problemen, gefolgt von Rückschlägen. Wir wollten einen Verein schaffen, der unabhängig von einzelnen Personen funktioniert und der auch in 50 oder 100 Jahren noch erfolgreich sein kann. Dafür brauchte es weit mehr als Fußball. Besonders dankbar bin ich dem Land Oberösterreich, unseren zahlreichen Sponsoren und Partnern sowie insbesondere der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die den Weg des LASK nicht nur als Sponsor, sondern auch als langfristiger Finanzierungs- und Entwicklungspartner begleitet hat. Ohne dieses Vertrauen und diese Unterstützung wären Projekte wie die Raiffeisen Arena, das LASK voestalpine Performance Center und die gesamte Entwicklung des Klubs nicht möglich gewesen.

Was ich nie verstanden habe, ist die Vorstellung, man könne Spitzenfußball betreiben, ohne professionell zu wirtschaften.

LASK-Präsident Siegmund Gruber

 

Ihr Spannungsfeld: Hier die große, breite Vision eines florierenden Betriebs mit gesellschaftlichem Impact, dort die sogenannten "Kommerzialisierungsgegner" aus der Kurve, die strukturelle Veränderungen und breitere Wirkung generell ablehnen - aber trotzdem Erfolge sehen wollen. Wie schwierig ist da die Diplomatie?

Fußball lebt von Emotionen, deshalb werden Veränderungen oft kritisch gesehen. Das ist legitim. Was ich aber nie verstanden habe, ist die Vorstellung, man könne Spitzenfußball betreiben, ohne professionell zu wirtschaften. Niemand erwartet von einem Industriebetrieb, dass er auf Investitionen, Innovationen oder professionelles Management verzichtet. Im Fußball wird genau das manchmal gefordert. Dabei ist das Gegenteil richtig: Erst wirtschaftliche Stärke ermöglicht Nachwuchsarbeit, Frauenfußball, gesellschaftliche Projekte, moderne Infrastruktur und sportlichen Erfolg. Die Frage ist nicht Kommerz oder Tradition. Die Frage ist, wie man wirtschaftlichen Erfolg nutzt. Wir haben ihn immer genutzt, um den Verein stärker zu machen. Führung bedeutet dabei nicht, jedem Konflikt auszuweichen. Führung bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die langfristig richtig sind – auch wenn sie kurzfristig nicht jedem gefallen.

Der Meistertitel ist formal der größte Ihrer Erfolge, weil er konkret messbar ist. Worin besteht für Sie persönlich das wichtigste Erfolgsmomentum in der Success-Story LASK?

Der Meistertitel ist zweifellos der sportliche Höhepunkt. Persönlich sehe ich den größten Erfolg jedoch darin, dass wir den LASK von einem Verein mit wiederkehrenden Abstiegen und finanziellen Krisen zu einer stabilen Organisation entwickelt haben. 2013 spielte der Klub in der Regionalliga. Es gab kein eigenes Stadion, keine modernen Trainingsbedingungen und keine nachhaltige wirtschaftliche Basis. Heute ist der LASK nicht nur sportlich erfolgreich, sondern zusätzlich ein professionell geführtes Unternehmen mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung für Oberösterreich. Mit unseren Partnern und Sponsoren sowie tausenden Menschen, die direkt oder indirekt mit dem Klub verbunden sind, ist ein Ökosystem entstanden, das weit über den Fußball hinaus Wirkung entfaltet. Genau diese nachhaltige Entwicklung macht mich besonders stolz.

Führung bedeutet nicht, jedem Konflikt auszuweichen. Führung bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die langfristig richtig sind – auch wenn sie kurzfristig nicht jedem gefallen.

LASK-Präsident Siegmund Gruber

 

Von "Gruber raus!" zu "Gemeinsam sind wir LASK!" – inwiefern beeinflusst Sie diese emotionale Bandbreite?

Natürlich freut sich jeder Mensch über Anerkennung. Aber wenn man Verantwortung für einen Klub wie den LASK übernimmt, darf die öffentliche Stimmung nicht der Maßstab für Entscheidungen sein. Meine Aufgabe ist nicht, beliebt zu sein. Meine Aufgabe ist es, die richtigen Entscheidungen für den LASK zu treffen. In diesem Geschäft wird man oft an den letzten 90 Minuten gemessen. Die eigentliche Arbeit besteht jedoch darin, Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen man oft erst Jahre später sieht. Das größte Missverständnis ist, dass viele glauben, nachhaltiger Erfolg entstehe durch einzelne Transfers, Trainer oder kurzfristige Entscheidungen. Wenn wir uns in den vergangenen zwölf Jahren von Stimmungen hätten treiben lassen, gäbe es heute keine Raiffeisen Arena, kein LASK voestalpine Performance Center, keine wirtschaftliche Stabilität und vermutlich auch keinen Meistertitel. Führung bedeutet manchmal, Kritik auszuhalten, weil man überzeugt ist, dass eine Entscheidung richtig ist. Popularität ist kurzfristig. Verantwortung ist langfristig.

Dennoch - warum tut man sich das überhaupt an?

Weil man die Chance hat, etwas Bleibendes zu schaffen. Nicht nur für den LASK, sondern für Oberösterreich, für die Stadt Linz, für unsere Kinder und für die nächsten Generationen. Wenn wir in einigen Jahrzehnten zurückblicken können und sagen dürfen, dass wir einen kleinen Beitrag dazu geleistet haben, den LASK dauerhaft stark und erfolgreich aufzustellen, dann hat sich jede Herausforderung gelohnt. Darauf bin ich deutlich stolzer als auf jede Schlagzeile – positiv oder negativ. 

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