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Porträt lächelnd
Der Billa-Vorstandsvorsitzende spricht über das neue Preisprogramm, Inflation und die Strategie von Billa.
Der Billa-Vorstandsvorsitzende spricht über das neue Preisprogramm, Inflation und die Strategie von Billa.
Alex Felten

Billa: Bis zu 3.000 Artikel zum Diskontpreis

23.09.2026 um 12:03, Andrea Schröder
min read
Billa senkt ab 24. September 2026 die Preise von bis zu 3.000 Artikel auf Diskontniveau. Vorstand Erich Szuchy über Preise, Inflation und die Billa-Strategie.

Mit dem „Immer clever Preis“ startet Billa ein neues Preismodell. In großen Billa-Plus-Märkten umfasst es bis zu 3.000 Artikel. Vorstandschef Erich Szuchy erklärt, wie das Modell funktioniert und welche Strategie dahintersteht.

Wie sich das Einkaufsverhalten verändert

Die Konsumstimmung hat sich zuletzt etwas aufgehellt, bleibt aber zurückhaltend. Wie merken Sie das beim Einkauf?
Szuchy: Wenn man sehr kurzfristig auf die Entwicklung schaut, sieht man vielleicht eine leichte Erhellung. Längerfristig sind wir aber auf einem niedrigen Niveau. Die Menschen achten stärker auf den Preis und greifen häufiger zu Eigenmarken. Das ist keine Entwicklung, die wir strategisch vorgeben oder steuern: Unsere Kundinnen und Kunden stimmen tagtäglich mit ihrem Einkauf darüber ab. Gleichzeitig sind wir nach wie vor Österreichs größter Anbieter von Herstellermarken. Wir wollen beides anbieten.

Porträt
Billa-Vorstandsvorsitzender Erich Szuchy: Handel ist nicht der Inflationstreiber

Der Lebensmittelhandel stand zuletzt wegen der Teuerung stark in der Kritik. Wie viel vom Preis im Regal kann Billa tatsächlich beeinflussen?
Szuchy: Der Preis beginnt sehr viel früher in der Wertschöpfungskette: bei den Rohstoffen, bei Energie, Dünger, Pflanzenschutz und Transport. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind die Energiekosten explodiert. Wir waren von der Inflation betroffen, aber nicht ihre Verursacher. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat sich den Markt sehr genau angesehen. Sie fand keine Hinweise darauf, dass der Lebensmittelhandel seine Handelsspannen während der hohen Inflation systematisch ausgeweitet hätte. Aktuell ist die Lebensmittelinflation de facto bei null, nicht zuletzt durch die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel. Schon davor lag die Inflationsrate bei uns heuer unter einem Prozent.

Der Immer clever Preis

Nun startet Billa ein neues Preisprogramm. Was genau steckt hinter dem „Immer clever Preis“?
Szuchy: Wir bauen gewissermaßen einen Diskonter in Billa und Billa Plus ein. Ab 24. September senken wir in Billa-Plus-Märkten die Preise von bis zu 3.000 Artikeln auf Diskontniveau, in kleineren Filialen entsprechend weniger. Und zwar nicht für eine Woche oder zwei, sondern dauerhaft. Das betrifft Eigenmarken ebenso wie große Marken und zieht sich quer durch das Sortiment – von Obst und Gemüse über Brot und Backwaren bis zu Fleisch und Getränken. Diese Größenordnung hat es in Österreich bisher nicht gegeben.

3.000
Immer clever Preis
Bis zu 3.000 Artikel auf Diskontniveau
Ab 24. September senken wir in Billa-Plus-Märkten die Preise von bis zu 3.000 Artikeln auf Diskontniveau, in kleineren Filialen entsprechend weniger.

Braucht man dafür eine Kundenkarte oder muss man bestimmte Mengen kaufen?
Szuchy: Nein. Der Preis gilt ab dem ersten Stück und ohne Kundenkarte. Die Produkte werden im Geschäft sehr deutlich mit einem gelben Pfeil gekennzeichnet. Wir wissen, dass Preisaktionen für Kundinnen und Kunden oft kompliziert wirken. Genau das wollen wir einfacher machen. Die Preise werden regelmäßig kontrolliert und bei Veränderungen im Diskont entsprechend angepasst.

Das gilt beim „Immer clever Preis“

START
24. September
BILLA PLUS
Bis zu 3.000 Artikel
DAUER
Dauerhaft
KUNDENKARTE
Nicht erforderlich
MENGE
Ab dem ersten Stück
KENNZEICHNUNG
Gelber Pfeil

So spart Billa

Wie lassen sich diese Preissenkungen finanzieren?
Szuchy: Wir haben uns intern stärker als je zuvor gefragt: Welche internen Kosten können wir unseren Kundinnen und Kunden noch ersparen? Das beginnt bei Firmenwagen und Meetings und geht durch die gesamte Organisation. Wir hatten fünf Vorstände, jetzt sind wir drei. Wir müssen schlank sein, um Preisvorteile weitergeben zu können. Aber wir sparen nicht bei der Qualität, nicht bei unseren Leistungen in den Märkten und nicht bei der Beziehung zu unseren Partnern in der Landwirtschaft.

Diskontpreis heißt nicht Diskontqualität. Billa bleibt Billa – mit Feinkost, Markenartikeln und Vielfalt.

Erich Szuchy

Wie stark waren die Kundinnen und Kunden in die Planung eingebunden?
Szuchy: Wir haben sehr viel Marktforschung gemacht. Einen Markt haben wir nach Geschäftsschluss umgebaut, Kundinnen und Kunden eingeladen und sind mit ihnen durch die Filiale gegangen. So ein Konzept entsteht nicht über Nacht. Wir haben zugehört und sehr viel Feedback eingeholt.

Niedrige Preise, Tierwohl und Regionalität

Gerade niedrige Preise stehen oft im Spannungsfeld zu Tierwohl, Regionalität und fairer Bezahlung. Kann das zusammengehen?
Szuchy: Wir werden an diesen Stärken keine Abstriche machen. Gerade in schwierigen Situationen unterstützen wir unsere landwirtschaftlichen Partner auch aktiv. In der Dürreperiode haben wir etwa freiwillig mehr Fleisch abgenommen und Aktionen auf unsere Kosten finanziert, um zusätzliche Mengen abzusetzen. Wir sind natürlich ein Wirtschaftsunternehmen, aber im Lebensmittelhandel wird sehr knapp kalkuliert.

Porträt
Der Billa-Chef im Gespräch mit Richard Mauerlechner, Geschäftsführender Gesellschafter Weekend Magazin Wien

Alltag vereinfachen 

Was soll sich für die Kundinnen und Kunden damit im Alltag ändern?
Szuchy: Viele Menschen sind Wechselkäufer: Sie kommen wegen Marken, Feinkost oder bestimmter Produkte zu Billa und fahren für andere Produkte zusätzlich zum Diskonter. Genau diesen zusätzlichen Weg wollen wir ihnen ersparen.

Viele Menschen kaufen heute in mehreren Geschäften ein. Wir wollen ihnen den Weg zum Diskonter ersparen.

Erich Szuchy

Erich Szuchy ist Vorstandsvorsitzender von Billa. Seine Laufbahn in der heutigen REWE Group begann 1991 bei Merkur in der damaligen BML-Gruppe. Zwischendurch war er selbstständig und zehn Jahre international für die Gruppe tätig. Mit seiner Familie lebte er unter anderem in Bulgarien.

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