Billa: Bis zu 3.000 Artikel zum Diskontpreis
- Preisdruck und Inflation
- Bis zu 3.000 Artikel auf Diskontniveau
- So finanziert Billa die Preissenkungen
- Niedrige Preise, Tierwohl und Regionalität
- Was sich für Billa-Kunden ändern soll
Mit dem „Immer clever Preis“ startet Billa ein neues Preismodell. In großen Billa-Plus-Märkten umfasst es bis zu 3.000 Artikel. Vorstandschef Erich Szuchy erklärt, wie das Modell funktioniert und welche Strategie dahintersteht.
Wie sich das Einkaufsverhalten verändert
Die Konsumstimmung hat sich zuletzt etwas aufgehellt, bleibt aber zurückhaltend. Wie merken Sie das beim Einkauf?
Szuchy: Wenn man sehr kurzfristig auf die Entwicklung schaut, sieht man vielleicht eine leichte Erhellung. Längerfristig sind wir aber auf einem niedrigen Niveau. Die Menschen achten stärker auf den Preis und greifen häufiger zu Eigenmarken. Das ist keine Entwicklung, die wir strategisch vorgeben oder steuern: Unsere Kundinnen und Kunden stimmen tagtäglich mit ihrem Einkauf darüber ab. Gleichzeitig sind wir nach wie vor Österreichs größter Anbieter von Herstellermarken. Wir wollen beides anbieten.
Der Lebensmittelhandel stand zuletzt wegen der Teuerung stark in der Kritik. Wie viel vom Preis im Regal kann Billa tatsächlich beeinflussen?
Szuchy: Der Preis beginnt sehr viel früher in der Wertschöpfungskette: bei den Rohstoffen, bei Energie, Dünger, Pflanzenschutz und Transport. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind die Energiekosten explodiert. Wir waren von der Inflation betroffen, aber nicht ihre Verursacher. Die Bundeswettbewerbsbehörde hat sich den Markt sehr genau angesehen. Sie fand keine Hinweise darauf, dass der Lebensmittelhandel seine Handelsspannen während der hohen Inflation systematisch ausgeweitet hätte. Aktuell ist die Lebensmittelinflation de facto bei null, nicht zuletzt durch die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel. Schon davor lag die Inflationsrate bei uns heuer unter einem Prozent.
Der Immer clever Preis
Nun startet Billa ein neues Preisprogramm. Was genau steckt hinter dem „Immer clever Preis“?
Szuchy: Wir bauen gewissermaßen einen Diskonter in Billa und Billa Plus ein. Ab 24. September senken wir in Billa-Plus-Märkten die Preise von bis zu 3.000 Artikeln auf Diskontniveau, in kleineren Filialen entsprechend weniger. Und zwar nicht für eine Woche oder zwei, sondern dauerhaft. Das betrifft Eigenmarken ebenso wie große Marken und zieht sich quer durch das Sortiment – von Obst und Gemüse über Brot und Backwaren bis zu Fleisch und Getränken. Diese Größenordnung hat es in Österreich bisher nicht gegeben.
Braucht man dafür eine Kundenkarte oder muss man bestimmte Mengen kaufen?
Szuchy: Nein. Der Preis gilt ab dem ersten Stück und ohne Kundenkarte. Die Produkte werden im Geschäft sehr deutlich mit einem gelben Pfeil gekennzeichnet. Wir wissen, dass Preisaktionen für Kundinnen und Kunden oft kompliziert wirken. Genau das wollen wir einfacher machen. Die Preise werden regelmäßig kontrolliert und bei Veränderungen im Diskont entsprechend angepasst.
Das gilt beim „Immer clever Preis“
24. September
Bis zu 3.000 Artikel
Dauerhaft
Nicht erforderlich
Ab dem ersten Stück
Gelber Pfeil
So spart Billa
Wie lassen sich diese Preissenkungen finanzieren?
Szuchy: Wir haben uns intern stärker als je zuvor gefragt: Welche internen Kosten können wir unseren Kundinnen und Kunden noch ersparen? Das beginnt bei Firmenwagen und Meetings und geht durch die gesamte Organisation. Wir hatten fünf Vorstände, jetzt sind wir drei. Wir müssen schlank sein, um Preisvorteile weitergeben zu können. Aber wir sparen nicht bei der Qualität, nicht bei unseren Leistungen in den Märkten und nicht bei der Beziehung zu unseren Partnern in der Landwirtschaft.
Diskontpreis heißt nicht Diskontqualität. Billa bleibt Billa – mit Feinkost, Markenartikeln und Vielfalt.
Wie stark waren die Kundinnen und Kunden in die Planung eingebunden?
Szuchy: Wir haben sehr viel Marktforschung gemacht. Einen Markt haben wir nach Geschäftsschluss umgebaut, Kundinnen und Kunden eingeladen und sind mit ihnen durch die Filiale gegangen. So ein Konzept entsteht nicht über Nacht. Wir haben zugehört und sehr viel Feedback eingeholt.
Niedrige Preise, Tierwohl und Regionalität
Gerade niedrige Preise stehen oft im Spannungsfeld zu Tierwohl, Regionalität und fairer Bezahlung. Kann das zusammengehen?
Szuchy: Wir werden an diesen Stärken keine Abstriche machen. Gerade in schwierigen Situationen unterstützen wir unsere landwirtschaftlichen Partner auch aktiv. In der Dürreperiode haben wir etwa freiwillig mehr Fleisch abgenommen und Aktionen auf unsere Kosten finanziert, um zusätzliche Mengen abzusetzen. Wir sind natürlich ein Wirtschaftsunternehmen, aber im Lebensmittelhandel wird sehr knapp kalkuliert.
Alltag vereinfachen
Was soll sich für die Kundinnen und Kunden damit im Alltag ändern?
Szuchy: Viele Menschen sind Wechselkäufer: Sie kommen wegen Marken, Feinkost oder bestimmter Produkte zu Billa und fahren für andere Produkte zusätzlich zum Diskonter. Genau diesen zusätzlichen Weg wollen wir ihnen ersparen.
Viele Menschen kaufen heute in mehreren Geschäften ein. Wir wollen ihnen den Weg zum Diskonter ersparen.
Erich Szuchy ist Vorstandsvorsitzender von Billa. Seine Laufbahn in der heutigen REWE Group begann 1991 bei Merkur in der damaligen BML-Gruppe. Zwischendurch war er selbstständig und zehn Jahre international für die Gruppe tätig. Mit seiner Familie lebte er unter anderem in Bulgarien.