Das gab es noch nie: Super-Cup-Premiere in Salzburg
- Historische Premiere beim Super Cup in Salzburg
- Artans außergewöhnlicher Weg an die Spitze
- Bitterer Rückschlag vor der WM 2026
- Erstes Spiel in Europa wartet in Salzburg
- So bereitet sich Artan auf den Super Cup vor
- „Hört niemals auf zu träumen“
Beim UEFA Super Cup 2026 in Salzburg wird nicht nur auf dem Rasen Fußballgeschichte geschrieben. Auch der Schiedsrichter des prestigeträchtigen Duells sorgt für eine Premiere: Omar Artan aus Somalia wird als erster nicht-europäischer Referee überhaupt einen UEFA Super Cup leiten.
Für den erst 34-Jährigen ist der Einsatz in Salzburg der nächste Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere. Innerhalb weniger Jahre arbeitete sich Artan von Spielen in seiner Heimat bis auf die große internationale Bühne vor. Dabei musste er auf seinem Weg immer wieder Widerstände und persönliche Rückschläge überwinden.
Historische Premiere beim Super Cup in Salzburg
Wenn Artan beim UEFA Super Cup die Mannschaften auf den Rasen führt, betritt er gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland. Noch nie zuvor wurde das Spiel von einem Schiedsrichter außerhalb Europas geleitet.
Gleichzeitig wird es für den Somalier sein erster Einsatz als Referee auf europäischem Boden. „Das wird mein erstes Spiel in Europa. Abenteuer zu erleben, Erinnerungen zu sammeln und neue Dinge zu lernen, ist immer großartig“, erklärte Artan gegenüber der UEFA.
Hinter seiner Nominierung steht auch die intensivierte Zusammenarbeit zwischen der UEFA und dem afrikanischen Fußballverband CAF. Ende April hatten beide Verbände eine erweiterte Kooperation vereinbart, die unter anderem den Schiedsrichterbereich umfasst.
Artans außergewöhnlicher Weg an die Spitze
Dass Artan einmal auf einer derart großen europäischen Fußballbühne stehen würde, war keineswegs selbstverständlich. Sein Vater starb früh, zudem wuchs der heutige Spitzenreferee getrennt von seiner Mutter auf.
Seine Leidenschaft für die Schiedsrichterei entdeckte er bereits in jungen Jahren. Eine kleinere Verletzung als Fußballspieler bestärkte ihn darin, selbst zur Pfeife zu greifen. Von informellen Spielen in der Nachbarschaft ging es über Schulspiele schließlich bis in die somalische Liga.
„Ich hatte Glück, aber ich habe sehr hart gearbeitet, um hier zu sein, und ich bin wirklich stolz“, blickt Artan auf seinen Weg zurück. Obwohl er unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen sei, habe ihn das nicht davon abgehalten, seine Träume zu verfolgen.
2018 wurde Artan in die internationale FIFA-Liste der Schiedsrichter aufgenommen. 2024 schrieb er erstmals große Fußballgeschichte, als er als erster Somalier beim Afrika-Cup als Schiedsrichter zum Einsatz kam.
Weitere Meilensteine folgten. Artan leitete als erster Somalier ein Finale der CAF Champions League und wurde anschließend als CAF-Schiedsrichter des Jahres 2025 ausgezeichnet.
Bitterer Rückschlag vor der WM 2026
Einer seiner bislang größten Träume sollte sich allerdings nicht erfüllen. Artan wurde für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausgewählt, durfte jedoch nicht in die USA einreisen.
Die Enttäuschung darüber war enorm. „Es war eine sehr schwierige Zeit“, erklärte der 34-Jährige. Wenn jemand viele Jahre auf etwas hingearbeitet habe und es dann nicht machen könne, sei das eine große Herausforderung.
Gleichzeitig zeigte sich Artan dankbar für die weltweite Unterstützung, die er nach diesem Rückschlag erhielt. Seine Karriere ließ er davon nicht bremsen und schon kurze Zeit später erreichte ihn die nächste außergewöhnliche Nachricht.
Erstes Spiel in Europa wartet in Salzburg
Anfang Juni erfuhr Artan von seiner Nominierung für den UEFA Super Cup. Für ihn und seine Familie sei dies ein „sehr, sehr glücklicher Moment“ gewesen.
Besonders freut ihn, dass sein historischer Einsatz ausgerechnet in Österreich stattfindet. Artan verweist auf die große somalische Community in Europa und Österreich, die seine Nominierung begeistert aufgenommen habe.
Auch CAF-Präsident Patrice Motsepe bezeichnete die Berufung als große Ehre für Artan und die afrikanischen Schiedsrichter. Sie sei zugleich ein Beispiel dafür, wie Fußball Menschen zusammenbringen könne.
So bereitet sich Artan auf den Super Cup vor
Überlassen will Artan bei seiner Europa-Premiere nichts dem Zufall. Um im Rhythmus zu bleiben, leitete er zuletzt Ligaspiele in Somalia. Ende Juni pfiff er zudem das entscheidende Spiel um den Meistertitel in Kuwait, ebenfalls eine Premiere.
Vor dem Super Cup beschäftigt sich Artan intensiv mit den beteiligten Mannschaften. Er analysiert Spiele, taktische Abläufe und Verhaltensweisen der Spieler.
„Wir Schiedsrichter bereiten uns sehr intensiv darauf vor, die Mannschaften kennenzulernen“, erklärt Artan. Europäischen Fußball sehe er ohnehin gerne, für ein Spiel dieser Größenordnung werde aber zusätzlich umfangreich recherchiert.
Die Zusammenarbeit zwischen UEFA und CAF betrachtet der 34-Jährige als große Chance für beide Seiten. Afrikanische Schiedsrichter könnten viel von ihren europäischen Kollegen lernen, gleichzeitig gelte das auch in die andere Richtung.
„Hört niemals auf zu träumen“
Seine Geschichte möchte Artan auch nutzen, um junge Schiedsrichter zu ermutigen. Seine zentrale Botschaft: „Wenn ich es schaffen kann, kann es jeder schaffen.“
Nachwuchsreferees sollten sich von Widerständen nicht von ihrem Weg abbringen lassen. „Hört niemals auf zu träumen“, appelliert Artan. Entscheidend sei, täglich Neues zu lernen, die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und vor allem fair und konsequent zu bleiben.
Beim Super Cup in Salzburg wird Artan von Liban Abdoulrazack Ahmed aus Dschibuti und Stephen Eleazar Onyango Yiembe aus Kenia assistiert. Vierter Offizieller ist der Slowene Rade Obrenovič. Als VAR kommt Marco Di Bello aus Italien zum Einsatz, unterstützt vom Spanier Guillermo Cuadra Fernandez.