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Ein Fußballer hält sich im Gespräch mit dem Gegner die Hand vor den Mund
Schluss mit dem Tuscheln: Bei der WM 2026 droht für das Verdecken des Mundes bei Streitigkeiten die Rote Karte.
Schluss mit dem Tuscheln: Bei der WM 2026 droht für das Verdecken des Mundes bei Streitigkeiten die Rote Karte.
APA-Images / AFP / PATRICIA DE MELO MOREIRA

Regel-Hammer zur Fußball-WM: Dafür fliegt man jetzt vom Platz

29.04.2026 um 15:10, Marcel Toifl
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Fußball: Radikale neue Regeln wurden für die WM 2026 beschlossen. Rote Karte für Hand vor dem Mund und Protest-Abgänge gelten im Turnier.

Der Fußball steht vor einem drastischen Wandel. Das International Football Association Board (IFAB) hat auf einer Sondersitzung in Vancouver weitreichende neue Regeln für die Fußball-WM 2026 beschlossen. Ziel der Reformen ist es, diskriminierendes Verhalten auf dem Platz zu unterbinden und die Autorität der Schiedsrichter zu stärken. Wer sich bei der Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko nicht an die neue Etikette hält, fliegt künftig direkt vom Platz.

Hand vor dem Mund: Rot bei verbalen Attacken

Eine der aufsehenerregendsten Änderungen betrifft die Kommunikation auf dem Spielfeld. Spieler, die sich während einer Konfrontation mit dem Gegner die Hand oder das Trikot vor den Mund halten, riskieren ab der WM 2026 die Rote Karte. Die Regelhüter wollen damit verhindern, dass Beleidigungen oder rassistische Äußerungen für Lippenleser und Kameras verschleiert werden. Laut IFAB kann dieses Verhalten künftig als unsportliches Verschleiern diskriminierender Handlungen gewertet werden. Bereits Andreas Herzog hat sich im Interview mit weekend.at über diese "Unart" im Fußball beschwert.

Protest-Abgang: Platzverweis für Spieler und Trainer

Die FIFA verschärft zudem die Sanktionen bei Ungehorsam gegenüber dem Schiedsrichter. Spieler, die aus Protest gegen eine Entscheidung eigenmächtig das Spielfeld verlassen, werden konsequent mit Rot bestraft. Diese Regelung erstreckt sich auch auf die Trainerbank: Offizielle, die ihre Mannschaft zum Verlassen des Fußballfeldes auffordern, sehen ebenfalls die Rote Karte. Sollte ein Team dadurch einen Spielabbruch provozieren, wird die Partie automatisch für den Gegner gewertet.

Der Auslöser: Vorfall Prestianni gegen Vinicius Jr.

Hintergrund der Verschärfung ist unter anderem ein Vorfall aus der Champions League zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon. Der Argentinier Gianluca Prestianni zog sich im Wortgefecht mit Vinicius Junior das Trikot über den Mund, um seine Äußerungen zu verbergen. Trotz der Verschleierung wurde er später wegen einer homophoben Beleidigung gesperrt. „Wenn man nichts zu verbergen hat, hält man sich beim Sprechen nicht den Mund zu“, begründete FIFA-Präsident Gianni Infantino den Vorstoß.

Infantino: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht die Hand nicht“

Gianni Infantino hatte die Änderung bereits vor Monaten forciert. Er kritisierte die Unart der Spieler scharf: „Das ist etwas, das ich ohnehin nicht verstehe: Warum muss ein Spieler seinen Mund zudecken, wenn er etwas zu einem anderen Spieler sagt? So einfach ist das.“

Ob diese Regelung nach der WM auch in nationalen Ligen wie der Bundesliga oder in der Champions League verpflichtend wird, steht den jeweiligen Organisatoren derzeit noch frei.

 

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