Andi Herzog: "Das hasse ich wie die Pest"
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In vergangenen Tagen stand das Duo Polster/Herzog für Tore, Tore, Tore. Ob im Nationalteam oder der Deutschen Bundesliga, das dynamische Duo sorgt für furore. An die gemeinsamen Zeiten blicken die "Spezeln" gerne zurück. In ihrem ersten gemeinsamen Buch "Wir lachen bis heute", welches im edition:a-Verlag erschienen ist, lassen sie Fußball-Liebhaber an den alten Geschichten teilhaben. Für weekend.at haben sich Polster und Herzog Zeit für ein Gespräch genommen.
Freundschaft mit Schmäh
Wer von euch ist der „Schmähtandler“?
Andi Herzog: Er hat seine Sichtweise, ich habe meine. Unser Anliegen war, den Leuten mit diesem Buch ein paar Minuten oder ein Stunderl zu geben, in denen sie lachen können.
Toni Polster: Die Erinnerungen spielen ihm öfter einen Streich. Er erzählt eine Geschichte manchmal mehrmals – und irgendwann glaubt er, jetzt hat er’s richtig. Da muss ich natürlich kontern und das Ganze wieder in die richtigen Bahnen lenken. Ich glaube, es menschelt. Da sind Geschichten über Menschen drin, die für eine Mannschaft unheimlich wichtig waren.
Beim Menscheln: Ist eine Freundschaft wie eure im heutigen Fußball noch möglich?
Andi Herzog: Ich glaube schon. Für aktive Spieler ist das noch einmal etwas anderes: Du hast ständig Spiele, Öffentlichkeit und Druck. Wir können über alte Zeiten lachen. Die heutige Generation muss da mehr aufpassen, weil sonst wird das nicht gut aufgenommen und dann ist das für sie alles andere als cool. Mir ist das lieber, sie hüpfen aufeinander und busseln sich ab, als dieses Reden nach dem Match mit der Hand vor dem Mund, damit ja kein Lippenleser was mitkriegt. Das hasse ich wie die Pest.
Toni Polster: Das Zwischenmenschliche macht‘s aus. Mit dem Handy wirst du nicht befreundet sein, und mit dem Handy kannst du dich nicht unterhalten. Das Schönste ist, wenn du mit Freunden zusammensitzt, vielleicht gut isst, Schmäh führst und dich austauschst. Das ist das Leben.
Bussis in der Bundesliga
Könnten sich solche Szenen wie bei euch, als Toni dich bei einem Deutschen Bundesligaspiel als Gegner abgebusselt hat, heute auch abspielen?
Andi Herzog: Da musst du ein spezieller Typ sein. Ich hätte das nicht gemacht. Ich habe auch gegen Kollegen und Freunde gespielt, aber Toni ist extrem freundschaftlich.
Toni Polster: Ich habe ihm gesagt: „Du schaust aber schlecht aus. Lass dich in der Halbzeit austauschen.“
Andi Herzog: So war es. Rehhagel hat gesehen, wie er mich links und rechts abgeschmust hat, wir haben ein Foto gemacht und ich war bei ihm schon rot markiert. Wenn ich keine Überleistung bringe, tauscht er mich aus.
Toni Polster: Du hättest zum Rehhagel gehen müssen und sagen: „Warum soll ich meinen Freund nicht grüßen? Was soll das, Otto?“ So ist er halt auch in der Zeitung drin. Da habe ich ihn wieder hineingepresst. „Herzog gratuliert unserem Doppelpack-Toni zum Sieg. Otto schäumt.“
Wie war das Leben im Ausland generell?
Andi Herzog: Ich war in Bremen. Von Österreich nach Deutschland ist der Mentalitätsunterschied nicht riesig. Da war der „Friesennerz“ wichtig, dieses gelbe Regencape. In Norddeutschland gabs aber Situationen, in denen mich die Leute mit dem Wiener Dialekt nicht verstanden haben.
Toni Polster (unterbricht): In zwei Tagen hat er Deutsch gelernt.
Andi Herzog: Du musst dich anpassen, aber wenn du akzeptiert wirst und einen Freundeskreis hast, warum sollen die „Piefkes“ nicht auch ein bissl Wiener Schmäh lernen? Die Kollegen konnten nach einiger Zeit „Du entschuldige i kenn di“ auswendig.
Toni Polster: Ich habe vier Jahre kein Fernsehen gehabt. In Italien habe ich anfangs fast nichts verstanden. In Sevilla habe ich auch nichts geschaut. Ich habe Karten gespielt oder Kassetten gehört – den „Mundl“ zum 45. Mal.
Schicksalsschlag
Zur Freundschaft gehört nicht nur Schmäh dazu: Wie hast du die Zeit von Tonis Magendurchbruch erlebt?
Andi Herzog: Das war ein Schock. Kurz davor waren wir noch gemeinsam unterwegs. Da merkst du: Du kannst noch so lustig sein, es gibt Situationen, da brauchst du auch Glück. Und wenn es ernst war, ist es umso schöner, wenn du danach wieder lachen kannst.
Was hat dir geholfen, dich von dieser schweren Zeit zu erholen?
Toni Polster: Irgendwann müssen wir alle gehen. Keiner wünscht sich, dass das früh passiert. Du brauchst Selbstbewusstsein und positive Energie. Du kannst dich regelmäßig durchchecken lassen. Mehr kannst du nicht tun. Wenn der liebe Gott dich ruft, dann musst du gehen. Aber ein bisschen würde ich schon noch gern dableiben.
Tipps an die Jugend
Was hat sich im Vergleich zu damals im Fußball geändert?
Andi Herzog: Die Zeiten sind schwer vergleichbar. Heute gibt es viel mehr Öffentlichkeit, Handys, Social Media. Da fällt fast alles auf. Bei uns war das einfacher. Gleichzeitig ist es eine gute Entwicklung, dass Spieler heute besser geschützt werden, auch durch den Videoschiedsrichter. Bei uns gab es Situationen, da war der Ball weit weg, und du hast einen Ellenbogen am Nasenbein gehabt.
Was können sich Fußballer heute von euch abschauen?
Toni Polster: Generationen ändern sich – klar. Aber was sich nicht ändern darf, ist Respekt. Und dass manche die Hymne nicht singen, geht mir tierisch auf die Nerven. Wenn wir Patrioten sind, dann singen wir die Hymne. Das gehört zum Respekt dazu. Und beim Grüßen merk ich es auch: Viele Jugendliche grüßen nicht mehr. Das stinkt mir.
Das gesamte Gespräch finden Sie auf unserem YouTube-Kanal: