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Jürgen Klinsmann spricht während eines Events im Haus der deutschen Nationalmannschaft
Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht den deutschen Fußball nach dem Ausscheiden gegen Paraguay in einem tiefen Loch.
Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht den deutschen Fußball nach dem Ausscheiden gegen Paraguay in einem tiefen Loch.
APA-Images / dpa / Christoph Lother

Nach WM-Blamage: Klinsmann zerlegt DFB

30.06.2026 um 13:01, Marcel Toifl
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Nach dem blamablen Sechzehntelfinal-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 übt Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann scharfe Kritik am DFB.

Nach der Niederlage Deutschlands im Elfmeterschießen gegen Paraguay im Sechzehntelfinale hat sich der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit deutlicher Kritik zu Wort gemeldet. Der 61-Jährige, der das DFB-Team im Jahr 2006 zum „Sommermärchen“ führte, zeichnet ein düsteres Bild vom aktuellen Zustand der Nationalmannschaft.

Die DFB-Elf musste sich der Auswahl aus Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen geschlagen geben, nachdem es unserem Nachbarn 120 Minuten nicht gelungen war, die sportliche Entscheidung herbeizuführen. Für Deutschland ist es nach den Turnieren in Russland (2018) und Katar (2022) der nächste schwere Rückschlag bei einer Weltmeisterschaft.

„Verheerend und eine Blamage“: Klinsmanns Analyse

Im Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender ESPN fand Jürgen Klinsmann klare Worte für das Auftreten der Mannschaft. Er vergleicht die Situation direkt mit den vergangenen sportlichen Enttäuschungen: „Es ist ein sehr trauriger Tag für uns alle in Deutschland, das haben wir nicht erwartet. Die Art und Weise, wie wir ausgeschieden sind, ist niederschmetternd, eine Peinlichkeit. Es ist genau so schrecklich wie in Katar vor vier und Russland vor acht Jahren.“

Besonders die spielerische Leistung auf dem Rasen sowie die mangelnde Durchsetzungskraft im entscheidenden Moment bemängelt der Weltmeister von 1990. Seiner Ansicht nach habe sich das Team im Laufe des Spiels zu passiv präsentiert: „Die Art und Weise, wie wir heute Abend ausgeschieden sind, ist verheerend, ist eine Blamage, ist etwas, womit niemand, wirklich niemand gerechnet hat. Die Mannschaft war nicht darauf vorbereitet, die Kontrolle in den 120 Minuten zu übernehmen. Sie hatten zu wenig Energie, waren nicht entschieden und aggressiv genug, um den Kampf gegen ein sehr starkes Team aus Paraguay anzunehmen.“

Ein besonderes Rätsel bleibt für den ehemaligen Stürmer zudem das Verhalten im finalen Showdown vom Punkt: „Am Ende schien es, als wären sie nicht einmal auf das Elfmeterschießen vorbereitet, was irrwitzig ist. Wir lieben Elfmeterschießen normalerweise!“

Die kollektive Verantwortung im Fokus

Für die Aufarbeitung des sportlichen Debakels sieht der Fußballexperte die gesamte Organisation in der Pflicht. Anstatt die Schuld bei einzelnen Akteuren oder isoliert beim Trainerstab zu suchen, fordert Klinsmann eine fundamentale Strukturdebatte beim Deutschen Fußball-Bund (DFB): „Die Verantwortung liegt bei allen – vom Trainerstab über den Verband bis hin zu jedem einzelnen Spieler, der in diesen 26-Mann-Kader berufen wurde. Jeder hat seinen Teil zu diesem Desaster beigetragen. Die Mannschaft hat definitiv ihr Gesicht verloren.“

Um aus dem sportlichen Tief herauszufinden, in welches das Land nun gestürzt sei, verlangt der 61-Jährige tiefgreifende Konsequenzen auf allen Funktionsebenen: „Alles, von oben bis unten, muss hinterfragt und diskutiert werden. Natürlich wird es Konsequenzen geben, was auch immer diese Konsequenzen sein mögen.“

Rückendeckung für Julian Nagelsmann durch Rudi Völler

Trotz der harschen Kritik von außen stellt sich die sportliche Leitung des Verbandes vorerst schützend vor Bundestrainer Julian Nagelsmann. DFB-Sportdirektor Rudi Völler äußerte sich kurz nach dem Abpfiff defensiv, signalisierte jedoch Vertrauen in die Fähigkeiten des aktuellen Trainers: „Ich bin nicht der DFB alleine. Jeder weiß, wie ich zu Julian stehe. Er ist immer noch ein absoluter Top-Trainer. Ich bin überzeugt, dass er wahrscheinlich der richtige ist, weiterzumachen. Er ist ein Kämpfer. Mehr kann und will ich nicht dazu sagen im Moment. Wir setzen uns noch einmal zusammen in den nächsten ein, zwei Tagen und dann wird man sehen. Für mich ist er die richtige Person am richtigen Ort.“

Wie die personelle und strukturelle Zukunft des deutschen Fußballs nach diesem erneuten Rückschlag auf internationaler Bühne konkret aussehen wird, sollen die internen Analysen der kommenden Tage zeigen.

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