Austria – Beitar Jerusalem: „Fuck You Palestine“-Rufe mitten in Wien
Inhalt
- Austria Wien vs. Beitar Jerusalem: Schon vor dem Match Alarmbereitschaft
- Beitar Jerusalem: Warum der Klub und seine Fans so problematisch sind
- Beitar-Fans: Rassismus seit dem 7. Oktober stärker
- Beitar Jerusalem: Rechtsextremer Minister bei den Ultras
- FIFA bestrafte israelischen Fußballverband wegen Diskriminierung
- Conference League: Protest gegen Beitar Jerusalem in Wien
- Beitar-Fans in Wien: „Fuck You Palestine“-Rufe vor Austria-Match
- Austria – Beitar Jerusalem: Kritik, gespielt wurde trotzdem
- Austria Wien – Beitar Jerusalem: Die wichtigsten Match-Fakten
Noch bevor beim Conference-League-Spiel zwischen Austria Wien und Beitar Jerusalem der Ball rollte, sorgten Szenen auf Wiens Straßen für Aufregung. Auf Instagram kursieren Videos, die eine größere Gruppe von Beitar-Anhängern bei einem Marsch durch Wien zeigen. Dabei ist zu hören, wie „Fuck You Palestine“ skandiert wird.
Die Aufnahmen treffen auf eine ohnehin aufgeheizte Debatte. Denn mit Beitar Jerusalem kam ein Klub nach Wien, dessen Fanszene seit Jahren wegen antiarabischem Rassismus und rechtsextremen Tendenzen für Kontroversen sorgt.
Austria Wien vs. Beitar Jerusalem: Schon vor dem Match Alarmbereitschaft
Dass Austria – Beitar Jerusalem kein gewöhnliches Europacup-Spiel werden würde, war bereits im Vorfeld klar. Die Wiener Polizei rechnete mit einem „erhöhten Gefährdungspotenzial“ und bereitete einen größeren Einsatz vor.
Sowohl rund um die Generali Arena als auch im Wiener Stadtgebiet wurden sichtbare und nicht sichtbare Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Besonderes Augenmerk galt dabei den Fangruppen und deren Anreise.
Ein wesentlicher Hintergrund für die Brisanz war die seit Jahren dokumentierte Vorgeschichte von Teilen der Beitar-Jerusalem-Fanszene.
Beitar Jerusalem: Warum der Klub und seine Fans so problematisch sind
Besonders im Mittelpunkt steht die 2005 gegründete Ultra-Gruppierung „La Familia“. Sie sorgte in der Vergangenheit wiederholt mit rassistischen und antiarabischen Ausfällen für Schlagzeilen.
Der deutsche Sportjournalist Ronny Blaschke, der sich intensiv mit Fußball und Politik in Israel beschäftigt, bezeichnet „La Familia“ als ein wichtiges Netzwerk für Rechte und Rechtsextreme in Israel.
Aus Teilen der Beitar-Fanszene wurden über Jahre hinweg Parolen wie „Tod den Arabern“ und „Wir hassen alle Araber“ dokumentiert.
Besonders drastisch zeigte sich der Konflikt im Jahr 2013. Nachdem Beitar zwei muslimische Spieler verpflichtet hatte, kam es zu massiven Protesten aus Teilen der eigenen Anhängerschaft. In dieser Zeit wurden bei einem Brandanschlag Klub-Büros schwer beschädigt.
Gleichzeitig vertritt Beitar Jerusalem offiziell einen völlig anderen Anspruch. Auf seiner Website bekennt sich der Verein zu Respekt, Inklusion und Gleichheit, unabhängig von Religion, Herkunft oder Geschlecht. Der Klub ging in der Vergangenheit zudem mit Strafen und Stadionverboten gegen einzelne Fans vor.
Beitar-Fans: Rassismus seit dem 7. Oktober stärker
Nach dem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Genozid im Gazastreifen hat sich die Situation laut Blaschke auch in den israelischen Fußballstadien weiter verschärft.
„Beitar-Fans haben immer schon den Rassismus in die Stadien getragen, aber seit dem 7. Oktober hat das nochmal stärker zugenommen, vor allem in Spielen gegen Bnei Sachnin“, sagt Blaschke.
Der Sportjournalist geht noch weiter: Seiner Einschätzung nach habe der Rassismus nicht nur deutlich zugenommen, sondern werde inzwischen auch stärker akzeptiert als früher.
Besonders brisant sind Begegnungen mit Bnei Sachnin, einem stark arabisch geprägten Klub im israelischen Fußball. Gerade bei diesen Spielen kam es wiederholt zu antiarabischen und rassistischen Ausfällen.
Beitar Jerusalem: Rechtsextremer Minister bei den Ultras
Für zusätzliche politische Brisanz sorgt die Verbindung von Teilen der Fanszene zur äußersten politischen Rechten Israels.
Ein prominentes Beispiel ist Itamar Ben-Gvir, Israels rechtsextremer Minister für Nationale Sicherheit und selbst Beitar-Fan. Seit dem 7. Oktober wurde er häufiger im Umfeld von Beitar-Spielen gesehen.
Bei einem Spiel in Ashdod nahe dem Gazastreifen wurde Ben-Gvir von Ultras umringt und umarmt. Anschließend stimmten Fans unter anderem das Lied „Wir hassen alle Araber“ an.
Bei Teilen der Beitar-Fanszene verschwimmen damit seit Jahren die Grenzen zwischen Fußball, Nationalismus und rechtsextremer Politik.
FIFA bestrafte israelischen Fußballverband wegen Diskriminierung
Die Problematik beschäftigte schließlich auch die FIFA.
Im März 2026 stellte die Disziplinarkommission des Weltverbandes Verstöße des Israelischen Fußballverbandes (IFA) gegen Anti-Diskriminierungsbestimmungen fest.
Die IFA musste unter anderem eine Geldstrafe von 150.000 Schweizer Franken bezahlen.
Im Verfahren spielte auch der Umgang mit dem seit Jahren dokumentierten rassistischen Verhalten im Umfeld von Beitar Jerusalem eine Rolle. Es wurde festgehalten, dass der israelische Verband keine ausreichenden wirksamen Schritte gegen „anhaltendes und gut dokumentiertes rassistisches Verhalten“ bei Beitar gesetzt hatte.
Ausgangspunkt der FIFA-Untersuchung war ein Antrag des Palästinensischen Fußballverbandes (PFA).
Damit steht nicht nur das Verhalten einzelner Fans zur Debatte. Die Sanktion wirft auch die Frage auf, wieso der israelische Fußballverband nicht konsequenter gegen jahrelang dokumentierten Rassismus vorgeht?
Conference League: Protest gegen Beitar Jerusalem in Wien
Vor diesem Hintergrund sorgte das Gastspiel von Beitar Jerusalem in Wien bereits vor dem Anpfiff für Protest.
Für Donnerstag um 17 Uhr war am Reumannplatz in Wien-Favoriten eine propalästinensische Kundgebung angekündigt. Die Veranstalter protestierten gegen die Teilnahme von Beitar Jerusalem an der UEFA Conference League.
Die Wiener Polizei bereitete entsprechende Sicherheitsmaßnahmen vor. Fangruppen und Versammlungsteilnehmer sollten voneinander getrennt werden.
Beitar-Fans in Wien: „Fuck You Palestine“-Rufe vor Austria-Match
Noch vor dem Austria-Match gegen Beitar Jerusalem sorgten schließlich Aufnahmen auf Instagram für zusätzliche Aufregung.
Die Videos zeigen eine größere Gruppe von Beitar-Fans bei einem Marsch durch die Wiener Straßen. Dabei ist der Sprechchor „Fuck You Palestine“ zu hören.
Wenige Stunden vor einem Spiel, bei dem die Polizei bereits von einem erhöhten Gefährdungspotenzial ausging und eine propalästinensische Kundgebung angekündigt war, tauchten damit erneut Aufnahmen mit einer gegen Palästina gerichteten Parole auf.
Austria – Beitar Jerusalem: Kritik, gespielt wurde trotzdem
In sozialen Medien wurde Kritik daran geäußert, dass Beitar Jerusalem trotz der zahlreichen Kontroversen und der rassistischen Vorgeschichte von Teilen seiner Fanszene in Wien antreten konnte.
Das Conference-League-Spiel zwischen Austria Wien und Beitar Jerusalem fand dennoch wie geplant statt.
Die Ereignisse rund um Austria Wien vs. Beitar Jerusalem werfen damit eine grundsätzliche Frage auf: Welche Verantwortung tragen Klub, Verband und internationale Fußballorganisationen, wenn rassistische Ausfälle aus einer Fanszene über Jahre hinweg immer wieder dokumentiert werden? Zusätzliche Brisanz erhält diese Frage vor dem Hintergrund des Genozids in Gaza.
Austria Wien – Beitar Jerusalem: Die wichtigsten Match-Fakten
- Spiel: FK Austria Wien – Beitar Jerusalem
- Bewerb: UEFA Conference League
- Austragungsort: Generali Arena, Wien-Favoriten
- Anpfiff: Donnerstag, 20.30 Uhr
- Sicherheitslage: Wiener Polizei rechnete mit einem erhöhten Gefährdungspotenzial
- Kundgebung: Propalästinensischer Protest ab 17 Uhr am Reumannplatz