Nach heftiger Kritik: Benjamin Karl zieht klare Konsequenz
Benjamin Karl hat turbulente Monate hinter sich. Nach seinem zweiten Olympiasieg wollte der 40-Jährige dem Snowboardsport zunächst den Rücken kehren und im Radsport durchstarten. Doch die erhofften Möglichkeiten bei Profiteams blieben aus. Nun steht Karl wieder auf dem Snowboard und spricht offen über seine gescheiterten Radpläne, Kritik aus dem eigenen Team und eine persönliche Lehre aus den vergangenen Monaten.
Radkarriere endet früher als geplant
Nach Olympia 2026 hatte Karl große Pläne abseits des Schnees. Der Niederösterreicher wollte im Radsport Fuß fassen und hoffte auf Möglichkeiten bei professionellen Teams. Diese Optionen zerschlugen sich allerdings schneller als erwartet.
Im Gespräch mit den „Niederösterreichischen Nachrichten“ erklärt Karl, dass ihm irgendwann klar geworden sei, dass er im Radsport ganz unten beginnen müsste. Mit 40 Jahren fehle ihm dafür schlicht die notwendige Zeit. Seine Karriere als Profisportler wollte er dennoch nicht beenden.
Deshalb folgte die Rückkehr zu jener Sportart, in der Karl seit Jahren zur Weltspitze gehört. Mitte September steigt der zweifache Olympiasieger in Landgraaf wieder ins Training mit dem ÖSV-Team ein.
Karl zieht persönliche Lehre
Die vergangenen Monate hätten ihm zudem gezeigt, wie wenig selbstverständlich die Unterstützung sei, die er über viele Jahre vom Verband, seinen Sponsoren und seiner Familie erhalten habe. Diese habe er möglicherweise nicht immer ausreichend wertgeschätzt.
Auch seine viel diskutierten Podcast-Aussagen über seine Ehe mit Nina Karl beschäftigen ihn weiterhin. Seine damaligen Äußerungen sorgten für heftige Reaktionen und Kritik.
Heute würde er manches anders formulieren. Besonders leid tue ihm, dass seine Frau in die öffentliche Diskussion hineingezogen worden sei. Für Karl steht deshalb eine Konsequenz fest: Über sein Privatleben will er künftig öffentlich nicht mehr sprechen.
Kritik aus dem ÖSV-Team
Für zusätzliche Unruhe sorgten zuletzt Aussagen seiner langjährigen Teamkollegen Andreas Prommegger und Alexander Payer. Beide hatten Karls Rückkehr kritisch kommentiert und unter anderem Fragen zu seinen Ansichten und zur Stimmung innerhalb des Teams aufgeworfen.
Karl zeigt sich davon wenig überrascht. Alpin-Snowboard sei zwar eine Einzelsportart, gleichzeitig verbringe man während einer Saison rund 150 Tage gemeinsam in einer Teamstruktur. Dass dabei unterschiedliche Charaktere, Meinungen und Interessen aufeinandertreffen, sei völlig normal.
Bereits zuvor hatte Karl betont, dass er wisse, wo er bei seinen Kollegen stehe. Dass Prommegger und Payer nicht zu seinen größten Unterstützern zählen, sei ihm schon vor deren öffentlichen Aussagen bewusst gewesen.
Comeback soll mehrere Jahre dauern
Seine Rückkehr soll jedenfalls kein kurzfristiges Abenteuer werden. Karl plant nach eigenen Angaben mit einem Zeitraum von vier Jahren. Ein Comeback nur für eine Saison wäre ihm zu wenig gewesen.
Der 40-Jährige sieht sich weiterhin körperlich in der Lage, auf höchstem Niveau anzutreten. Gerade im Alpin-Snowboard spiele neben Kraft und Geschwindigkeit auch Erfahrung und Gefühl eine große Rolle, Eigenschaften, die mit zunehmendem Alter nicht zwangsläufig schwächer würden.