Emma Felbermayr: Österreichs Talent kämpft um den F1-Academy-Titel
- Audi entdeckt Felbermayr
- Ein Regentag in Wales wird zum Schlüssel
- McNish von Felbermayr überzeugt
- Motorsport liegt bei Felbermayr in der Familie
- Vom Kart direkt auf die große Bühne der Formel 1
- Audi erkennt ihr Potenzial
- Felbermayrs Premiere im Formel-1-Auto
- Die andere Emma Felbermayr
- Balance zwischen Rennsport und Studium
- Sebastian Vettel als großes Vorbild
- Frau im Motorsport: „Nicht auf die Vorurteile hören“
- Wie weit kann Emma Felbermayr kommen?
Sie ist 19 Jahre alt, fährt für Audi und mischt im Titelkampf der F1 Academy mit. Während Österreich seit Jahren auf den nächsten großen Namen im internationalen Formelsport wartet, arbeitet sich eine junge Oberösterreicherin immer weiter nach oben: Emma Felbermayr zählt zu den spannendsten Rennsporttalenten des Landes.
Emma Felbermayr
27. Jänner 2007
Wels
Rodin Motorsport
F1 Academy
#5
Audi Driver Development Programme
Sebastian Vettel
Audi entdeckt Felbermayr
2026 hat sie den nächsten großen Schritt gemacht. Nach ihrem Debütjahr in der F1 Academy fährt Felbermayr mittlerweile in den Farben von Audi, gehört zum Driver Development Programme des Formel 1 Teams und liegt aktuell auf dem zweiten Platz der Meisterschaft. Siege in Shanghai und Silverstone zeigen, dass sie längst nicht mehr nur mitfährt. Doch der Sprung ins Förderprogramm eines Formel 1 Werksteams passiert nicht allein wegen guter Rundenzeiten. Audi sucht Fahrer, die langfristig das Potenzial für höhere Aufgaben mitbringen. Einer der Männer, die darüber entscheiden, ist Allan McNish.
Der Schotte weiß selbst, wie weit der Weg an die Spitze ist. McNish fuhr in der Formel 1 für Toyota, war Testfahrer für McLaren, Benetton und Renault und feierte seine größten Erfolge im Langstreckensport. Dreimal gewann er die 24 Stunden von Le Mans, 2013 wurde er Langstrecken Weltmeister. Vor allem mit Audi ist seine Karriere eng verbunden: Seit 2000 gehört McNish zur Motorsportgeschichte der Marke.
Heute sitzt der 56-Jährige auf der anderen Seite. Als Racing Director verantwortet er beim Audi Revolut F1 Team unter anderem Rennbetrieb, Strategie und Fahrermanagement. Gleichzeitig leitet er das Audi Driver Development Programme. Seine Aufgabe ist damit auch, jene Talente zu finden und zu entwickeln, denen Audi den nächsten Schritt zutraut.
Bei Emma Felbermayr war es eine Szene abseits der Strecke, die McNish vollends von der jungen Oberösterreicherin überzeugte.
Motorsport liegt bei Felbermayr in der Familie
Dass Emma Felbermayr überhaupt im Rennwagen gelandet ist, ist angesichts ihrer Familiengeschichte wenig überraschend.
Ihr Großvater Horst Felbermayr senior und ihr Vater Horst Felbermayr junior sind selbst Rennfahrer. Beide sind sogar gemeinsam bei den legendären 24 Stunden von Le Mans gestartet. Emma beginnt mit sieben Jahren im Kart. Ihr Großvater spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Zunächst bekommt ihr Bruder von ihm ein Kart, dann beginnt auch Emma zu fahren. „Er ist der Grund, warum ich angefangen habe“, erzählt sie 2025 der F1 Academy.
Mit 13 Jahren steigt sie in den internationalen Kartsport ein. 2021 wird sie Zweite im ADAC Ladies Cup, wenig später fährt sie unter anderem in der Deutschen Kart Meisterschaft sowie bei Welt- und Europameisterschaften. Und dann geht auf einmal alles ziemlich schnell.
Vom Kart direkt auf die große Bühne der Formel 1
2025 wagt Felbermayr einen gewaltigen Sprung. Nach Jahren im Kart wechselt sie praktisch direkt in den Formelsport. Gerade einmal zwei Formel-4-Rennen absolviert sie, ehe sie ihr erstes Wochenende in der F1 Academy bestreitet.
„Es war nicht einfach“, blickt sie später zurück. Sie habe Fehler gemacht, diese aber auch machen müssen, um daraus zu lernen. In ihrer Premierensaison gelingt Felbermayr im Juni 2025 in Montreal der erste große Erfolg: Sie gewinnt erstmals ein Rennen der F1 Academy. Am Ende des Jahres steht Rang zehn in der Gesamtwertung.
2026 folgt der nächste Schritt. Audi übernimmt sie in sein Nachwuchsprogramm, Felbermayr startet weiterhin für Rodin Motorsport und trägt nun die Farben des neuen Formel 1 Werksteams.
Audi erkennt ihr Potenzial
Dass Felbermayr im Audi sitzt, ist keine reine Marketingentscheidung.
„Mit Talent allein wird man niemals gewinnen. Mit harter Arbeit allein ebenfalls nicht“, sagt Mentor McNish. Talent müsse durch Arbeit ausgeschöpft werden. Wer sich nur darauf verlasse, komme seiner Einschätzung nach vielleicht bis in die Formel 3. „Weiter nicht.“
Bei Felbermayr sieht der ehemalige Formel-1-Pilot genau diese Kombination. Ihre Leistungen und ihre Entwicklung im ersten Jahr hätten das Team überzeugt, betont auch Audi-Teamchef Jonathan Wheatley vor Saisonbeginn.
Felbermayr selbst spürt den Unterschied, auch jenen, den das neue Team macht. „Die Aufmerksamkeit, die ich jetzt bei Audi habe im Vergleich zum letzten Jahr mit Sauber, ist nochmal größer“, sagt sie.
Felbermayrs Premiere im Formel-1-Auto
Wie nah sie inzwischen an der Königsklasse ist, zeigt sich auch abseits ihrer eigenen Rennen.
Bei Audi darf Felbermayr erstmals in einem aktuellen Formel-1-Auto Platz nehmen und bei für das Team Boxenstop-Übungen mitmachen.
„Es ist nochmal viel größer, wenn man drinnen sitzt“, erzählt sie gegenüber weekend. Allein das Lenkrad mit seinen zahlreichen Knöpfen sei eine andere Welt. Auch Pedale und Bremse fühlen sich völlig anders an.
Fünf oder sechs Boxenstopps absolviert sie bei der Übung: „Das war einfach voll cool.“ Noch wichtiger sind für sie aber die Einblicke hinter die Kulissen. Felbermayr sitzt bei Audi in Meetings und hört während eines freien Trainings den Funk zwischen Ingenieur und Fahrer mit.
Sie will verstehen, was erfahrene Piloten von ihrem Auto verlangen, wie sie Veränderungen wahrnehmen und welches Feedback sie ihren Ingenieuren geben. „Da kann man nie auslernen.“
Die andere Emma Felbermayr
Felbermayrs Haltung und Disziplin zeigen sich nicht nur in der Hartnäckigkeit, mit der sich in der einer der am am härtesten umkämpften Sportarten der Welt behauptet. Daneben darf man nicht vergessen, dass die Oberösterreicherin noch nicht einmal zwanzig ist. Erste Erfolge im Motorsport feiert sie bereits mit 17 Jahren – während sie eigentlich noch die Schulbank drückt.
Rückblick: Miami 2025. Beim F1 Academy Wochenende startet Felbermayr im ersten Rennen von der Reverse Grid Pole und behauptet zunächst die Führung. Nach einer Safety Car Phase gerät sie unter Druck von Doriane Pin. In Runde fünf verbremst sich Felbermayr, fällt zurück und beschädigt schließlich ihr Auto so stark, dass sie mit der schwarz-orangenen Flagge an die Box beordert wird. Aus der möglichen Spitzenplatzierung wird ein Ausfall.
McNish lässt sie zunächst einige Stunden in Ruhe. Als er später am Samstagabend wieder in die Box kommt, sitzt Felbermayr vor einem iPad. „Ich dachte zuerst, sie würde sich ihre Renndaten ansehen. Das hätte wahrscheinlich jeder Fahrer gemacht“, erinnert sich McNish. Doch Felbermayr analysiert keine Daten.
„Sie machte ihre Hausaufgaben für eine Prüfung, die am Dienstag in der Schule anstand“, erzählt McNish. Für ihn ist dieser Moment bezeichnend für ihre Art zu arbeiten: strukturiert, fokussiert und mit einem klaren Blick auf das, was als Nächstes ansteht.
Balance zwischen Rennsport, Rampenlicht und Studium
Inzwischen hat Felbermayr die Matura hinter sich. „Ich studiere jetzt nebenher, aber finde dafür fast keine Zeit. Also immer nur am Flughafen, im Flieger und so weiter.“ Ihr Wirtschaftsfernstudium sieht sie dennoch als Ausgleich, als „Balance zwischen Rennfahren und noch was anderem nebenher“.
Mit dem sportlichen Aufstieg wächst auch die Aufmerksamkeit an ihrer Person. "Im Kartsport hast du fast keine Medienpräsenz. Auch wenn du gut bist, das Interesse ist einfach noch nicht da“, sagt Felbermayr. Selbst die Formel 4 sei in dieser Hinsicht noch eine andere Welt. Mit der F1 Academy ändert sich das schlagartig. Plötzlich fährt sie an Formel-1-Wochenenden, die Anfragen werden mehr, die Öffentlichkeit größer. Medien, Sponsoren und Fans schauen plötzlich genauer hin. Dazu kommen Termine abseits der Strecke, Auftritte für Audi und immer mehr Verpflichtungen rund um die Rennen. Der Beruf Rennfahrerin besteht für sie damit längst nicht mehr nur aus Training, Qualifying und Rennen. In die neue Rolle habe sie sich erst „ein bisschen reinleben“ müssen.
Inzwischen habe sie vor allem gelernt, sich davon nicht vom eigentlichen Job abbringen zu lassen. „Vielleicht das Außenherum ausblenden, weil da lässt man sich nur ablenken und man soll sich trotzdem aufs Fahren konzentrieren“, beschreibt sie eine der Lektionen ihrer bisherigen Karriere.
Gleichzeitig weiß Felbermayr die neue Aufmerksamkeit aber auch zu nutzen. Die große Bühne der F1 Academy bringt Sichtbarkeit und damit etwas, das im Nachwuchsmotorsport entscheidend ist: Sponsoren. „Das merke ich schon extrem, dass einfach auch mehr Anfragen kommen für Sponsorings“, bestätigt sie. Für Fahrer sei das enorm wichtig, „weil jeder weiß, wie teuer Motorsport ist und immer teurer wird, wenn es weiter hochgeht“.
Wenn es hart wird, einfach weitermachen.
Frau im Motorsport: „Nicht auf die Vorurteile hören“
Als Frau ist Felbermayr weiterhin Teil einer Minderheit im Motorsport. Fahrerinnen müssen noch immer stark gegen Vorurteile kämpfen, bestätigt McNish.
Felbermayr selbst geht mit dem Thema ziemlich pragmatisch um. Jungen Mädchen, die Rennfahrerin werden wollen, rät sie: „Nicht auf die Vorurteile hören.“ Motorsport sei für jeden hart, unabhängig vom Geschlecht. „Wenn der Mann nicht liefert, wird er genauso rausgeschmissen“, sagt sie schulterzuckend. Ihr Rat ist entsprechend simpel: „Wenn es hart wird, einfach weitermachen.“
Auch körperlich sieht sie keine unüberwindbare Grenze. Sie müsse zwar stärker am Oberkörper arbeiten, das sei aber auch nur eine Frage des Durchhaltens. „Durchs Training kann man das Level schon erreichen", ist sie überzeugt.
Wie weit kann Emma Felbermayr kommen?
Das ist wahrscheinlich die Frage, die über allem steht. Felbermayr selbst – auch hier wieder ganz rationale Pragmatikerin – vermeidet große Ansagen.
„Ich sage nicht, dass ich definitiv in die Formel 1 komme“, sagt sie. Dafür sei der Weg schlicht zu weit. Sie denke lieber von Saison zu Saison. Die F1 Academy betrachtet sie trotzdem ausdrücklich nur als Zwischenstation. Das unmittelbare Ziel ist wesentlich konkreter. „Dieses Jahr ist es, die F1 Academy zu gewinnen, und danach schaut man weiter, welche Türen sich öffnen und welche Möglichkeiten ich habe.“
Der nächste Schritt auf diesem Weg ist offen. Dass Audi ihn genau beobachtet, steht hingegen fest.
Und vielleicht ist es am Ende tatsächlich jene Szene im verregneten Wales, die Emma Felbermayr besser beschreibt als jede Rundenzeit: schnell genug, um aufzufallen. Strukturiert genug, damit Allan McNish genauer hinsieht. Und ehrgeizig genug, um herausfinden zu wollen, wie weit dieser Weg noch führt.