22-Jähriger trinkt Kratom-Tee: Kurz darauf steht sein Herz zweimal still
- Mitbewohner findet 22-Jährigen ohne Puls
- Kratom-Tee rückt nach Reanimation in den Fokus
- Extrem hoher Mitragynin-Wert im Blut
- Herzschlag fällt auf nur 25 bis 30 Schläge pro Minute
- Ärzte warnen vor schweren Folgen von Kratom
Ein 22-jähriger Mann ist nach dem Konsum von Kratom-Tee in seiner Wohnung zusammengebrochen und musste reanimiert werden. Der ansonsten gesunde Mann erlitt gleich zweimal einen Herzstillstand. Innsbrucker Ärzte halten eine Vergiftung mit dem Kratom-Wirkstoff Mitragynin für die wahrscheinlichste Ursache.
Mitbewohner findet 22-Jährigen ohne Puls
Der junge Mann brach plötzlich in seiner Wohnung zusammen. Sein Mitbewohner fand ihn bewusstlos und krampfend vor. Weil er keinen Puls feststellen konnte, begann er sofort mit der Reanimation.
Ein Notarzt bestätigte den Herzstillstand. Nach rund vier Minuten Herzdruckmassage und der Gabe von Adrenalin kehrte der Kreislauf zurück. Doch kurz darauf kam es zu einem zweiten Herzstillstand. Erst nach einer weiteren intensiven Reanimation stabilisierte sich der Kreislauf erneut.
Kratom-Tee rückt nach Reanimation in den Fokus
Der 22-Jährige wurde intubiert und unter Einsatz einer mechanischen Herzdruckmassage an die Innsbrucker Universitätsklinik gebracht. Dort suchten die Ärzte nach der Ursache für den lebensbedrohlichen Zustand.
Umfangreiche Untersuchungen ergaben keine schwere Grunderkrankung. Auch die ersten toxikologischen Tests lieferten zunächst keine Erklärung. Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Antidepressiva wurden nicht nachgewiesen. Auch auf Amphetamine, Kokain und Opiate verliefen die Untersuchungen negativ. Nachgewiesenes Fentanyl war laut Bericht während der Reanimation vom Notarzt verabreicht worden.
Dann berichtete der Patient, zuvor Kratom-Tee konsumiert zu haben.
Extrem hoher Mitragynin-Wert im Blut
Daraufhin ließen die Ärzte gezielt nach Mitragynin suchen, einem der wichtigsten Wirkstoffe der Kratom-Pflanze. Die Untersuchung ergab eine Konzentration von 500 Mikrogramm Mitragynin pro Liter Blutplasma.
Zum Vergleich verwiesen die Mediziner auf eine internationale Analyse von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom. Dort habe die durchschnittliche Mitragynin-Konzentration bei 398 Mikrogramm pro Liter gelegen. Mitragynin wird bei toxikologischen Standarduntersuchungen normalerweise nicht routinemäßig erfasst.
Herzschlag fällt auf nur 25 bis 30 Schläge pro Minute
Auch nach der erfolgreichen Reanimation war die Gefahr nicht vorbei. Der Herzschlag des Patienten verlangsamte sich wiederholt dramatisch auf nur noch 25 bis 30 Schläge pro Minute. Die Ärzte mussten d einen Herzschrittmacher einsetzen.
Vorübergehend traten zudem leichte neurologische Beeinträchtigungen auf. Der Zustand des jungen Mannes besserte sich jedoch. Nach zwei Wochen konnte er laut Fallbericht ohne weitere Folgeschäden aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Ärzte warnen vor schweren Folgen von Kratom
Kratom stammt vom südostasiatischen Baum Mitragyna speciosa. Zu seinen wichtigsten Wirkstoffen gehören Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin. Während Kratom in geringeren Mengen stimulierend wirken kann, treten bei höheren Mengen zunehmend sedierende und opioidähnliche Wirkungen auf.
Die Innsbrucker Ärzte sprechen von dem ersten dokumentierten Herzstillstand in Österreich im Zusammenhang mit einer isolierten Kratomvergiftung. Ihr Fazit fällt deutlich aus: Der Konsum kann schwere und potenziell tödliche Nebenwirkungen verursachen.