Auf der großen Leinwand: Filmstar Kitzbühel

Die besondere Verbindung zwischen der Filmindustrie und dem Ski-Zirkus in Kitzbühel ist wohl zum großen Teil auf Toni Sailer zurückzuführen. Der „Blitz aus Kitz“ zählt mit seinen drei olympischen Goldmedaillen, sieben Weltmeistertiteln und zahlreichen Siegen in Einzelrennen – sowohl in technischen, als auch in Speed-Disziplinen – zu den erfolgreichsten Skirennläufern aller Zeiten. 1956 holte er sich bei den Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel den Sieg in der Abfahrt, im Slalom und in der Kombination. Und mit der Aufmerksamkeit, die Sailer durch seine herausragenden Leistungen im Skisport zu Teil wurde, kamen auch Filmangebote herein. So wurde aus dem Skistar ein Filmstar. Sein Schauspieldebüt feierte er mit „Ein Stück vom Himmel“, 1958 war er dann in „Der schwarze Blitz“ in der Rolle des Skifahrers Michael Kirchner zu sehen. Viele weitere Filmauftritte folgen. Für Kitzbühel ist Sailer bis heute ein wichtiges Aushängeschild, der seine Heimat auf die große Leinwand brachte.

Robert Redford beim Dreh von „Schussfahrt“

Internationale Berühmtheit

Auch international ist man von den spektakulären Skirennen in Kitzbühel fasziniert. So dreht sich in „Schussfahrt“ mit Robert Redford aus dem Jahr 1969 alles um die Streif. Redford, der zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannt war, mimt den US-amerikanischen Skirennläufer David Chappellet, der um jeden Preis die olympische Goldmedaille auf der Streif holen will. Bereits im Ziel erkennt er jedoch, wie vergänglich Ruhm ist. Neben den üblichen Dramen und Liebesgeschichten sticht der Film vor allem durch seine atemberaubenden Aufnahmen der Rennstrecke hervor: Sie wurden von Redfords Stuntman Jay Joe Jalbert gedreht, während er selbst mit der Kamera die Strecke fuhr. Noch heute begeistert der Film die Welt des Wintersports.

Das Hahnenkamm-Rennen ist weltweit als die größte Skibühne bekannt. Die Streif ist kein manikürtes Football-Feld, sie ist eine Freiluftarena. Ein Jahresprojekt für den Kitzbüheler Skiclub.

Daron Rahlves, ehemaliger Skirennfahrer und Hahnenkamm-Abfahrtssieger

Aksel Lund Svindal Dokumentation

Reale Schicksale

Neben den Geschichten aus der Filmindustrie sind es vor allem die wahren Begebenheiten, die den Mythos Kitzbühel nähren. So spielte die Streif eine bedeutende Rolle in der Karriere des norwegischen Skirennfahrers Aksel Lund Svindal und damit auch in seinem Dokumentarfilm „Aksel“, der 2021 in die Kinos kam. Im Laufe seiner Karriere zog sich der „King of Speed“ immer wieder schwere Verletzungen zu, die ihn zu monatelangen Pausen zwangen. Ein besonders traumatisches Erlebnis hatte er beim Hahnenkamm-Rennen 2016. Nach dem Sprung von der Hausbergkante stürzte er und riss sich das Kreuzband. „Kitzbühel hat seinen Mythos aus einem guten Grund“, warnte Svindal in einem Interview. „Die Strecke ist verdammt schwierig.“ Die Dokumentation dreht sich jedoch vor allem um seine unglaublichen Comebacks, die ihm nach derart schweren Verletzungen niemand mehr zutraute. Svindal bewies große mentale Stärke und Ehrgeiz, wofür er 2018 mit einer olympischen Goldmedaille belohnt wurde. Dieser Triumph machte ihn zum ältesten Goldmedaillengewinner in der Geschichte des alpinen Skisports.

Streif – One Hell of a Ride

One Hell of a Ride

Svindal war 2014 außerdem Teil des Skiteams, das im Dokumentarfilm „Streif – One Hell of a Ride“ Einblicke in die Hintergründe des legendären Rennens lieferte. Gemeinsam mit den Speed-Stars Erik Guay, Hannes Reichelt, Yuri Danilochkin und Max Franz zeigte er, wie sich die Rennfahrer auf das gefährlichste Rennen der Welt vorbereiten. Sie teilten die Sorgen, Ängste und Erwartungen, mit denen die Athleten vor dem Rennen umgehen mussten. Und auch die beiden Erzähler der Dokumentation, Hahnenkamm-Rekordsieger Didier Cuche aus der Schweiz und der US-amerikanische Rennfahrer Daron Rahlves, sprachen ganz offen über ihre Erlebnisse rund um das spektakuläre Rennenerlebnis in Kitzbühel. „Streif ist der absolute Stress, da stehst du mit dem Rücken zur Wand. Und wenn ich mit dem Rücken an der Wand stand, dann habe ich eigentlich immer das Beste aus mir herausgeholt,“ erzählte Cuche. „Das Hahnenkamm-Rennen ist weltweit als die größte Skibühne bekannt. Die Streif ist kein manikürtes Football-Feld, sie ist eine Freiluftarena. Ein Jahresprojekt für den Kitzbüheler Skiclub,“ so Rahlves in der Doku. 

Die Faszination bleibt

Eine Strecke von 3.312 Metern, ein Gefälle von bis zu 85 Prozent – um das zu meistern, bedarf es einer unglaublichen psychischen sowie physischen Stärke. Ein Sieg bedeutet Unsterblichkeit, ein Fehler kann schreckliche Folgen haben. Seit den 1930ern messen sich bei den Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel die Besten der Besten. Und so lange diese Rennen bestehen, die Massen vor Ort und vor den Fernsehern zu Hause begeistern, so lange wird es wohl auch die Filmindustrie dazu animieren, die Geschichten der Athleten und der Streif zu erzählen.

Autor: Teresa Frank, 18.01.2022