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Skirennläuferin Julia Scheib in rotem Rennanzug fährt beim olympischen Riesentorlauf in Cortina d’Ampezzo durch ein Tor auf schneebedeckter Piste.
JUlia Scheib liegt beim RTL der Damen bei den Olympischen Winterspielen 2026 nur auf Platz 11.
JUlia Scheib liegt beim RTL der Damen bei den Olympischen Winterspielen 2026 nur auf Platz 11.
APA-Images / AFP / STEFANO RELLANDINI

RTL der Frauen: Julia Scheib braucht kleines Wunder

15.02.2026 um 12:49, Anna Kirschbaum
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Julia Scheib liegt nach dem ersten Riesentorlauf-Durchgang in Cortina nur auf Rang elf. Für Edelmetall braucht sie einen perfekten zweiten Lauf.

Julia Scheib geht beim olympischen Riesentorlauf in Cortina d’Ampezzo mit Druck in den zweiten Durchgang. Nach dem ersten Lauf liegt die 27-jährige Steirerin auf Rang elf – 1,13 Sekunden hinter der führenden Italienerin Federica Brignone. Für die vierfache Saisonsiegerin im Riesentorlauf-Weltcup ist die Medaille für Österreich noch möglich, aber der Spielraum ist eng. „Es war jetzt keine perfekte Fahrt, dort und da ein paar Hackler gehabt“, analysiert Scheib nüchtern im Ziel.

RTL der Damen: Schwierige Bedingungen auf der Tofana

Die Strecke an der Tofana zeigte sich bei wechselndem Licht und glatter Oberfläche anspruchsvoll. Der Kurs war flach gesetzt, mit langen Gleitpassagen – ein Nachteil für Julia Scheib, die ihre Stärke im technisch drehenden Gelände hat. Beim letzten Übergang und vor allem am Zielsprung verliert sie Zeit. „Ich bin sehr gut reingekommen, dann ist mir ein kleiner Hakler passiert, der ein bisserl was gekostet hat“, sagt sie. Unten habe sie „zu viel Richtung gehabt“, was sie weitere Zehntel kostete.

Julia Scheib: Kritik an Funkspruch und Kurssetzung

Im Nachgang sorgt ein Funkspruch des ÖSV-Trainerteams für Diskussion. „Der Funkspruch da hat mir nicht geholfen“, meint Scheib, die von der Kommunikation zwischen den Toren irritiert war. Cheftrainer Roland Assinger gesteht ein: „Wir waren ein bisschen zu konservativ.“ Die wenig drehende Kurssetzung machte es für Scheib zudem schwer, ihr volles Potenzial auszuspielen. „Es ist wenig drinnen, wo ich vielleicht ganz meine Klasse ausspielen kann. Das soll keine Ausrede sein, ich hätte es einfach besser machen müssen“, so Scheib.

Scheibs Taktik für den Finaldurchgang

Für den zweiten Lauf will die Steirerin mehr Risiko nehmen und eine aktivere Linie wählen. „Ich hoffe im zweiten Durchgang auf eine drehendere Kurssetzung. Schauen wir, was noch möglich ist, Silber ist möglich“, sagt sie selbstbewusst. Der Plan: Tempo durch die Mittelsektion mitnehmen, die Wellen enger fahren und am Zielhang attackieren. Der Abstand zum Podest bleibt theoretisch aufholbar – wenn die Konkurrenz patzt.

Nach 1. Durchgang: Dominante Brignone, starkes Italien

An der Spitze fährt Federica Brignone in einer eigenen Liga. Die 35-jährige Italienerin, erst seit drei Wochen nach einer schweren Beinverletzung zurück im Weltcup, dominiert mit flüssiger Linie und hoher Präzision. Nach ihrem Olympia-Gold im Super-G greift sie nun nach der zweiten Goldmedaille. Dahinter folgt überraschend die Deutsche Lena Dürr (+0,34), vor Brignones Teamkollegin Sofia Goggia (+0,46). Das italienische Publikum feiert schon jetzt ausgelassen.

Team Österreich mit gemischtem Bild

Auch für die restlichen ÖSV-Läuferinnen verläuft der Auftakt solide, aber nicht spektakulär. Nina Astner landet bei ihrem Olympia-Debüt mit 1,24 Sekunden Rückstand im ersten Durchgang auf Platz 16 – ein Achtungserfolg. Stephanie Brunner reiht sich mit 1,74 Sekunden Rückstand weiter hinten ein, Lisa Hörhager verliert 3,24 Sekunden und scheidet damit aus dem Medaillenrennen aus.

Spannung vor dem zweiten Lauf

Um 13.30 Uhr fällt in Cortina die Entscheidung. Für Julia Scheib ist klar: Will sie eine Medaille, muss sie am Limit fahren. Der Hang verzeiht keine Unsicherheit – das Risiko muss kontrolliert, aber voll eingegangen werden. „Man muss alles ein bisserl am Anschlag treffen, das ist mir nicht so gut gelungen“, sagte sie nach Lauf eins. Jetzt braucht sie genau das: eine Fahrt am Anschlag, ohne Fehler, um das kleine Wunder noch möglich zu machen.

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