Norbert Hofer: "Schweden hat viel richtig gemacht"

Wir treffen FPÖ-Parteiobmann Norbert Hofer Ende April in seinem Büro in der Parlamentsdirektion. Erst vor wenigen Tagen hat der Dritte Nationalratspräsident die erste Corona-Impfung erhalten.

weekend: Sie wurden kürzlich mit Pfizer geimpft. Hatten Sie Beschwerden?
Norbert Hofer: Am ersten Tag war ich etwas müde, aber das kann auch andere Gründe gehabt haben. Am nächsten Tag war ich schon um 7 Uhr morgens am Streetstepper. Also keine Nebenwirkungen.

weekend: Hätten Sie mit AstraZeneca ein weniger gutes Gefühl gehabt?
Norbert Hofer: Nein, hätte ich nicht. Offenbar treten Probleme eher bei jungen Frauen auf und in diese Kategorie falle ich in doppeltem Sinne nicht. Grundsätzlich bin ich allerdings dafür, dass man sich den Impfstoff aussuchen kann – wie in Serbien.

weekend: Würden Sie Menschen empfehlen, sich impfen zu lassen?
Norbert Hofer: Das mache ich grundsätzlich nicht. Das sollte nur ein Arzt tun und kein Politiker. Egal ob es um Corona oder eine andere Impfung geht.

 

Wir empfehlen nicht, sich nicht impfen zu lassen.

Die FPÖ und ihre gespaltene Haltung zu Corona

weekend: Ihre Partei empfiehlt ja eher das Gegenteil. Zumindest zeigen das Umfragen, wonach sich rund 50 Prozent der freiheitlichen Wählerschaft nicht impfen lassen wollen …
Norbert Hofer:
Meine persönliche Erfahrung ist eine andere. Bei den Gesprächen, die ich führe, habe ich das Gefühl, dass die FPÖ im Schnitt der Gesamtbevölkerung liegt. Wenn die Umfragen etwas anderes sagen, nehme ich das zur Kenntnis. Wir empfehlen nicht, sich nicht impfen zu lassen. Es muss aber die freie Entscheidung jedes einzelnen bleiben.

weekend: Ist durch den schweren Corona-Verlauf bei Manfred Haimbuchner ein anderes Stimmungsbild in der FPÖ entstanden?
Norbert Hofer: Das glaube ich nicht. Ja, Corona ist gefährlich, aber die getroffenen Maßnahmen sind es auch. Da wurde oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Auch die nun geplanten Maßnahmen bei der Öffnung der Gastronomie sind überzogen.

weekend: Herbert Kickl hat eine deutlich prononciertere Meinung zum Thema Corona. Er trat ja auch bei diversen Corona-Demos auf. Können Sie diese Linie nachvollziehen?
Norbert Hofer:
Natürlich. Es geht darum, dass viele Grund- und Freiheitsrechte beschnitten wurden. In einem Ausmaß, das man sich vor zwei Jahren noch nicht vorstellen hätte können. Und wenn der Klubobmann sagt, dass er sich nicht impfen lassen will, dann ist das seine persönliche Entscheidung.

 

Herbert Kickl trägt eine blaue Maske mit der Aufschrift "Kurz muss weg"

Kickl: "Kurz muss weg!"

weekend: Beim Wiener Landesparteitag hat Kickl eine Maske mit der Aufschrift „Kurz muss weg“ getragen. Ist das eines Klubobmanns einer Parlamentspartei würdig?
Norbert Hofer:
Ich kann mich erinnern, dass bei Schwarz-Blau skandiert wurde: Schüssel, Haider an die Wand …

weekend: … aber nicht vom Klubobmann einer Parlamentspartei …
Norbert Hofer:
Eine Oppositionspartei darf aber sagen, dass sie sich eine andere Regierung wünscht.

weekend: Das klingt nicht, als ob Sie sich eine nochmalige Koalition mit Sebastian Kurz vorstellen könnten?
Norbert Hofer: Schwer. Vor allem aufgrund der Dinge, die in den letzten Wochen und Monaten passiert sind … dieser schludrige Umgang mit der Verfassung und dem Rechtsstaat. Aber es hängt natürlich zunächst ohnehin vom Wahlergebnis ab.

Dass die Bürger falsch entscheiden – das gibt es nicht.

Was die FPÖ heute anders machen würde

weekend: Was war der schwerste Fehler, den die FPÖ in der Regierung mit Kurz gemacht hat – jenseits von Ibiza?
Norbert Hofer: Dass wir nicht auf die Umsetzung unseres Modells der direkten Demokratie bestanden haben. Das würde unter meiner Obmannschaft nicht mehr passieren. Ich würde in keine Regierung gehen, in der das nicht außer Streit gestellt ist.

weekend: Damit laufen Sie allerdings Gefahr, lange Zeit in keine Regierung zu kommen. Oder glauben Sie, dass sich eine der beiden Volksparteien da bewegen wird?
Norbert Hofer: Man muss Grundsätze haben. Die ÖVP hat ja damals im Wahlkampf ohnehin sehr viele Positionen von uns übernommen – von der Zuwanderung bis hin zur direkten Demokratie. Bei letzterer ist sie halt umgefallen. Das Argument war, dass dann Medien oder die Gewerkschaft mit einer Kampagne Entscheidungen beeinflussen könnten und die Bürger dann „falsch“ entscheiden. Dass die Bürger falsch entscheiden – das gibt es nicht.

 

Die ÖVP hat viele Positionen von uns übernommen – von der Zuwanderung bis hin zur direkten Demokratie.

"Schweden hat viel richtig gemacht"

weekend: Der Kanzler sagt, Österreich sei bisher hervorragend durch die Krise gekommen. Stimmen Sie dem zu?
Norbert Hofer: Nein, in keiner Weise. Diese Regierung ist inhaltlich abgetreten. Da dreht sich alles nur noch im Kreis. Es gab eine Pressekonferenz, in der ein Comeback-Plan angekündigt wurde. Dort ist beschlossen worden, dass man Inhalte ausarbeiten werde. Dann wurde ein Comeback-Team eingerichtet. Wenn Moses Teil eines solchen Comeback-Teams gewesen wäre, dann wäre sein Volk noch heute in Ägypten.

weekend: Es sind fast alle Länder den gleichen Weg durch die Krise gegangen. Schweden ist eine Ausnahme. Hätten Sie in Regierungsverantwortung den schwedischen Weg gewählt?
Norbert Hofer: Die Schweden haben viel richtig gemacht. Mit einer Ausnahme: Sie haben zu Beginn der Krise die Altenheime zu wenig geschützt. Das war ein schwerer Fehler und deshalb gab es am Anfang der Krise auch sehr viele Todesfälle.

Das Interview führten Robert Eichenauer und Stefanie Hermann.

>>> Lesen Sie im zweiten Teil des großen Interviews mit dem FPÖ-Chef, was Hofer über Strache denkt, wie es um seine Beziehung zu Herbert Kickl bestellt ist und ob er noch einmal für das Amt des Bundespräsidenten kandieren würde.

Autor: Robert Eichenauer, 01.05.2021