HC Strache: „Da steht man dann völlig alleine da“

Vor zwei Jahren hätten wir HC Strache wohl im Kanzleramt zum Interview getroffen, jetzt ist es der nicht ganz so glamouröse Liebenauer Hof in Graz, wo zuvor eine dem Ort entsprechende Pressekonferenz über die Bühne gegangen ist. Der Ex-Vizekanzler wirkt trotz der Kalamitäten der letzten Monate entspannt und optimistisch. Er ist zum Wahlkämpfen nach Graz gekommen, hofft bis zuletzt, dass sein Promifaktor die Murmetropole verzaubern und das Team Strache in den Gemeinderat katapultieren wird.

weekend: Herr Strache, Sie haben schwierige Jahre hinter sich. Wie geht es Ihnen?
HC Strache: Danke, gut. Ich habe eine wundervolle Familie und unglaublich tolle Kinder und dank der Familie auch den Rückhalt, den man braucht, um solch eine schwierige Situation zu überstehen.

weekend: Vor allem in der ersten Phase nach Ibiza dürfte es zwischen Ihnen und Ihrer Frau nicht ganz einfach gewesen sein …
HC Strache: Ich habe eine unglaublich tolle und großartige Frau, die in dieser Struktur der Familie letztlich auch der Rückhalt war.

weekend: Sie wurden kürzlich erstinstanzlich verurteilt und haben dagegen Berufung eingelegt. Wie viele Verfahren sind noch anhänglich?
HC Strache: Viele. Es hat viele verleumderische, anonyme Anzeigen gegeben. Das ist genau das Prinzip, das einmal kritisch zu hinterfragen ist. Ich hätte gerne, dass Menschen, die verleumden, ihren Namen nennen und ihr Gesicht zeigen müssen, damit man sie auch zur Rechenschaft und Verantwortung ziehen kann. Bei uns ist ein gewisser anonymer Vernaderungsmechanismus ausgebrochen.


weekend: Solche Verfahren sind bekanntlich teuer. Alleine die Anwaltskosten sind enorm. Wie finanzieren Sie das?
HC Strache: Das ist genau der Punkt. Man hat den Eindruck, dass man einen über viele Jahre hinweg erfolgreichen Oppositionschef, der es sogar in Regierungsverantwortung geschafft hat, abmontieren möchte. Nach dem Motto: „Das Imperium schlägt zurück.“ Und das geht dann bis hin zur existenziellen Vernichtung. Mein größter Fehler war mein Rücktritt als Parteichef. Da steht man dann völlig alleine da.

Mein größter Fehler war mein Rücktritt als Parteiobmann. – HC Strache bewältigt die Vergangenheit.

Heinz-Christian Strache

 

weekend: Wie wichtig ist es in diesem Zusammenhang, dass Ihre Frau einen Job hat und Geld verdient? Gerade im Hinblick auf anstehende Gerichtsverfahren …
HC Strache: Für die Anwaltskosten sorge ich selbst. Meine Frau hatte davor auch ein Einkommen, sie war Journalistin und erfolgreiche Moderatorin. Sie hat daher immer auch gut verdient.

weekend: Herbert Kickl war über Jahrzehnte ein Weggefährte. Wann hatten Sie zuletzt mit ihm Kontakt?
HC Strache: Der Kontakt wurde von seiner Seite sofort nach meinem Rücktritt abgebrochen. Das ist das Enttäuschendste gewesen und spricht nicht unbedingt für eine nachhaltige menschliche Qualität.

weekend: Mit Kickl ist ein Hardliner aus dem rechten Spektrum dem eher gemäßigten Norbert Hofer als Parteichef gefolgt. Welche der beiden Positionen liegt Ihnen näher?
HC Strache: (schmunzelt) Ich glaube, dass beide Persönlichkeiten in den 14 Jahren, in denen ich als Parteichef fungierte, gute Stellvertreter waren. Ich konnte als Overhead beide Seiten gut abdecken.

weekend: Was unterscheidet nun das Team Strache von der FPÖ oder der ÖVP? Warum soll man Sie wählen?
HC Strache: Naja, von der ÖVP ganz wesentlich. Was da zum Besten gegeben wird, ist reiner Schall und Rauch. Aber auch zur FPÖ gibt es deutliche Unterschiede. Beispielsweise in der Europapolitik. Ich sage ganz offen, wenn ich mir anschaue, was da an zentralistischer Förderung passiert, muss man ernsthaft über eine „Raus aus der EU-Bewegung“ nachdenken.

weekend: Wären Sie also für eine Volksabstimmung?
HC Strache: Ich denke ja. Aber das ist nicht nur eine Frage die EU betreffend, sondern es sollte mehr direkte Demokratie verbindlich in die Verfassung geschrieben werden.

weekend: Thema Corona. Empfehlen Sie die Impfung?
HC Strache: Ich bin kein Mediziner, deshalb kann ich auch keine Impfempfehlung aussprechen. Es darf aber keinesfalls einen Impfzwang geben. So etwas wollen wir nicht. Das hat es zum letzten Mal im Dritten Reich gegeben. Mit Zwang kommen wir hier nicht weiter.

Ich bin kein grundsätzlicher Impfgegner und habe mir auch selbst genügend impfungen zugemutet. – HC Strache zum Thema Corona-Impfung.

weekend: Haben Sie persönlich sich impfen lassen?
HC Strache: Nein.

weekend: Warum nicht?
HC Strache: Ich bin kein grundsätzlicher Impfgegner und habe mir auch selbst genügend Impfungen zugemutet. Ich bin nur deshalb zurückhaltend, weil es noch keine Langzeitstudien gibt.

weekend: Das Team Strache kommt nicht so richtig in die Gänge. Wie lange wollen Sie durchhalten?
HC Strache: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Es gibt keine einzige Partei, die in den letzten Jahren gegründet wurde, und aus dem Stand erfolgreich war. Das ist ein Prozess und diesen Prozess gehen wir stetig.

Autor: Robert Eichenauer, 23.09.2021