Norbert Hofer: Noch einmal gegen Van der Bellen?

Im ersten Teil des großen Interviews mit FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer haben wir über Corona und Kurz gesprochen. Was uns jetzt brennend interessiert: Wie sieht es innerhalb der FPÖ aus?

weekend: Viel wurde über den Konflikt Kickl-Hofer geschrieben. Ist der jetzt beigelegt?
Norbert Hofer:
Es hat eine Diskussion zur Frage der Masken im Parlament gegeben. Als [dritter] Nationalratspräsident kann ich natürlich nicht sagen, die Hausordnung sei nicht einzuhalten.

weekend: FPÖ war immer dann besonders erfolgreich, wenn es eine Solospitze gegeben hat. Kann die Doppelspitze auf Dauer funktionieren?
Norbert Hofer:
Diese Doppelspitze ist eigentlich herbei geschrieben. Es gibt einen Bundesparteiobmann und einen Klubobmann. Das hat es bei uns immer wieder mal gegeben. Ich räume ein, dass es sich momentan nach außen etwas anderes darstellt, weil der Klubobmann eine sehr schillernde Person ist. Wir hatten auch früher schon einen Bundesobmann Strache und einen Klubobmann Rosenkranz.

Ich räume ein, dass es sich momentan nach außen etwas anderes darstellt, weil der Klubobmann eine sehr schillernde Person ist.

Kickls Schärfe findet Gehör

Norbert Hofer hört Herbert Kickl auf der Bank der Nationalratsabgeordneten zu.

weekend: Rosenkranz trat aber bei weitem nicht so in Erscheinung wie Herbert Kickl …
Norbert Hofer:
Ja, das stimmt schon. Ich bin aber dankbar, dass es jemanden bei uns gibt, der in einer Schärfe auftritt, die Gehör findet. Da hat sich halt in der Diskussion rund um die Beendigung der letzten Regierung und dem Innenministerium viel aufgebaut.

Rache ist keine politische Kategorie.

weekend: Sind da bei Herbert Kickl Rachegefühle im Spiel? Deshalb das so vehemente „Kurz muss weg“?
Norbert Hofer:
Rache ist keine politische Kategorie. Die NEOS und die SPÖ stimmen bei Misstrauensanträgen meistens mit, das heißt ja auch nichts anderes als „Kurz muss weg“. Ich habe aber meinen eigenen Stil und bin nicht bereit, mich für die Politik zu verbiegen.

Herbert Kickl trägt eine blaue Maske mit der Aufschrift "Kurz muss weg"

Straches Zukunft in der FPÖ

weekend: Weil Sie Strache erwähnt haben. Der fühlt sich nach der Ausstrahlung anderer Sequenzen des Ibiza-Videos rehabilitiert. Damit würde ja einer Rückkehr in die FPÖ nichts mehr im Wege stehen …
Norbert Hofer: Ich habe nicht vor, Parteiobleute anderer Parteien in die FPÖ aufzunehmen. Es geht außerdem nicht nur um das Ibiza-Video, sondern auch um andere Dinge wie die Spesenaffäre. Die FPÖ ist da geschädigte Partei. Er kann nicht versuchen, als Trittbrettfahrer bei der FPÖ mitzufahren.

 

Neues Duell mit Van der Bellen?

weekend: Zu Ihrer persönlichen Zukunft. Sie haben immer gesagt, Sie treten gegen Van der Bellen nicht mehr an. Bleibt es dabei
Norbert Hofer:
Da hat sich die Situation etwas verändert. Die SPÖ hat angekündigt, keinen Kandidaten ins Rennen zu schicken und auch die ÖVP scheint in diese Richtung zu tendieren. Zuerst muss ich aber für mich die Entscheidung treffen. So ein Wahlkampf ist ja keine Kleinigkeit und betrifft die ganze Familie.

weekend: Wie zufrieden sind Sie generell mit dem Bundespräsidenten?
Norbert Hofer:
Wenn man die Schönheit der Verfassung lobt, dann muss man auch das Wort erheben, wenn sie gebrochen wird. Das hat er nicht getan. Ich hätte das getan.

Warten auf die "Bombe" im Mai

weekend: Sie haben angekündigt, dass Sie im Mai eine Bombe platzen lassen. Was wird das sein?
Norbert Hofer
: Ich lasse gar nichts platzen. Der Flurfunk im Parlament verdichtet sich, dass im Mai was kommen soll. Darauf warten wir jetzt alle gespannt.

weekend: Sie haben kürzlich Ihren 50er gefeiert. Welche Gedanken gehen einem da durch den Kopf?
Norbert Hofer:
Eigentlich bin ich jemand, der die Dinge sehr locker nimmt. Aber an dem Morgen als ich 50 geworden bin, habe ich viel nachgedacht. Ich glaube das geht jedem so. Vielleicht auch deshalb, weil es keine Feier gab und ich um 22.15 Uhr mit einem Glas Milch schlafen gegangen bin. Kürzertreten werde ich nicht. Das politische Leben ist schon sehr spannend, wenn man mal drinnen ist. Den 60er werde ich aber definitiv anders feiern …

Das Interview führten Robert Eichenauer und Stefanie Hermann.

>>> Lesen Sie im ersten Teil des großen Interviews mit dem FPÖ-Chef, was Hofer über Strache denkt, wie es um seine Beziehung zu Herbert Kickl bestellt ist und ob er noch einmal für das Amt des Bundespräsidenten kandieren würde.

Autor: Stefanie Hermann, 05.05.2021