König von Kitz: Arnold I.

Es war gleich im ersten Jahr nach dem Ende seiner Regentschaft als Gouverneur von Kalifornien. Arnold Schwarzenegger nahm die Hahnenkamm-Rennen – damals noch recht überraschend – in seinen randvollen Terminkalender auf. Society-Reporter aus aller Herren Länder dokumentierten da 2012 seine Ankunft in Tirol. Kein Schritt war zu klein, kein Tritt zu banal. Beispiel gefällig? „Arnie kaufte Schuhe – und streichelte Kuh“, lauteten die „Breaking News“ eines heimischen Medienunternehmens. Jede noch so kleine Regung wurde groß gespielt. Konnte ja wirklich keiner ahnen, dass Arnold gekommen war, um zu bleiben. „Sein „I’ll be back“ war aber nicht nur einfach so dahin gesagt, er hielt Wort - und dem Ski-Spektakel in Tirol die Treue. Nur einmal – 2015 – hat er seit damals ausgelassen.

Actionheld als Actionfan

Schwarzenegger als „King of Kitz“ auf dem Society-Thron verleiht dem Ski-Spektakel jedenfalls noch mehr Strahlkraft. Mit ihm ist auch abseits der Pisten das gewisse Etwas garantiert. Er selbst wird freilich nicht müde die Athleten in den Mittelpunkt zu rücken – insbesondere die Abfahrer haben es ihm so richtig angetan. „Ich freue mich sehr auf das Rennen, den wichtigsten und gefährlichsten Abfahrtslauf der Welt!“, unterstreicht der 74-Jährige in unzähligen Interviews die Bedeutung der Hahnenkammabfahrt. Dick eingepackt, zumeist hüllt der einstige ehemalige Bodybuilder seinen Körper in einen Lodenmantel, verfolgt er auf der VIP-Tribüne Läufer um Läufer. Langeweile kommt sicher keine auf, denn: „Die Streif ist wie ein Actionfilm, da bleibt es bis zum Schluss spannend!“ Zurück zur Strahlkraft: Die Bewunderung für Ski-Stars sei längst nicht nur auf die klassischen Ski-Nationen in Europa begrenzt. „Toni Sailer, Franz Klammer, der Herminator (Hermann Maier, Anm.) und so weiter – die kennt man auch in USA!“ Und trotzdem war es Arnie selbst, der 2013 Kitzbühel auch über dem großen Teich ins internationale Rampenlicht brachte. Damals erschien er nämlich erstmals ganz offen mit Heather Milligan an seiner Seite. Da bis dahin ja eigentlich nur (verwackelte) Paparazzi-Fotos von den beiden existiert hatten, war das Interesse am Hollywood-Paar riesig. Action pur! Nicht nur auf der Strecke.

Die Streif ist wie ein guter Actionfilm – da bleibt es bis zum Schluss spannend!

– Arnold Schwarzenegger, Stammgast der Hahnenkamm-Rennen

Helden vor den Vorhang

Genau das Gedränge im Partymarathon rund um die Strecke scheint ganz nach dem Geschmack von Schwarzenegger zu sein. Es erinnere ihn an so manche Filmpremiere, wo es rund um den roten Teppich ähnlich zugehe, macht er etwa beim traditionellen Fotoreigen bei der Weißwurstparty im Stanglwirt gute Miene zum dichten Gedränge. Da rücken sie ganz nahe heran an ihn – der Andreas Gabalier, der Alfons Schubeck, der Mario Adorf, und, und, und. Aber auch in diesen langen Partynächten vergisst Arnold nie auf die Hauptdarsteller. Zumindest die ehemaligen Ski-Gladiatoren, die da ja feiern dürfen und die da ja (fast) immer mit von der Partie sind, holt er regelmäßig vor den Vorhang. Zum 25-Jahr-Jubiläum der Wurstparty etwa stand für Arnie mit Blick auf die Ehrengäste Franz Klammer, Karl Schranz, Fritz Strobl, Benni Raich, Leonhard Stock, Hias Leitner und Stephan Eberharter fest: „Ihr seid für mich die Helden des Abends!”

Arnold Schwarzenegger beim Hahnenkammrennen

Geht nicht, gibt’s nicht

Wer Schwarzeneggers Umtriebigkeit in Kitzbühel so beobachtet, kommt fast zum Schluss er sei ein Einheimischer. „Einmal steirische Eiche, immer steirische Eiche!“, versichern freilich seine Freunde in der Steiermark und verzeihen ihm seine zahlreichen Seitensprünge nach Tirol. Schließlich ist man ja auch selbst in Kitzbühel aktiv und veranstaltet dort neuerdings am Hahnenkamm-Wochenende einen kleinen Steiermark-Empfang. Weißwurstparty im Stanglwirt, Kitz’n Glamour-Party im Take Five, Kitz-Night in Rosi Schipflingers Sonnberg Stuben, Promi-Rennen – genug ist genug, oder doch nicht? Als Schwarzenegger die Idee einer (zusätzlichen) Veranstaltung zu Gunsten seiner „Climate Initiative“ bekannt machte, stieß er zunächst auf völliges Unverständnis: „Die Leute haben mir gesagt, dass eine weitere Veranstaltung in Kitzbühel nicht funktionieren wird – dass es schon zu viele Partys gibt und wir keine weitere Benefizveranstaltung brauchen. Und heute sind wir völlig ausverkauft und sammeln ein Vermögen für eine großartige Sache.“ Sein Fazit: „Hört nicht auf die Pessimisten!“. Nur so macht man Unmögliches möglich. Die Abfahrer auf der Streif, die Slalomfahrer am Ganslernhang – und Arnie in diesem Fall auf dem Veranstaltungssektor. Bei der Auktion kamen übrigens Kunstwerke, Requisiten aus Schwarzenegger-Filmen, Schmuck und exklusive Aktivitäten unter den Hammer. Insgesamt sammelte Schwarzenegger, der „King of Kitz“, so stolze 900.000 Euro für den Klimaschutz …

Arnold Schwarzenegger gratuliert auf der Streif
Autor: Teresa Frank, 18.01.2022