Josh.: "Ich war nicht bereit, jeden Tag berühmt zu sein"
Am 10. April meldet sich der Musiker Josh. mit seinem vierten Studioalbum "Wer singt dann Lieder für dich" zurück. Ab 23. Mai ist er dann gemeinsam mit Sänger RIAN auf Open-Air-Tournee durch Österreich. für weekend.at hat sich der gebürtige Liesinger Zeit genommen, um über seein neues Album zu sprechen.
Im April erscheint dein viertes Studioalbum „Wer singt dann Lieder für dich“. Für wen singst du denn deine Lieder?
Josh.: Ich singe für alle da draußen, die gerne zu den Konzerten kommen. Dafür mache ich es ja – nicht nur für mich allein. Wenn ich Songs schreibe, denke ich schon daran, sie auch zu veröffentlichen. Da steckt sehr viel von mir selbst drin.
Mit den Liedern „Vertikal“, „Sag ab“ und „Leise“ gibt es bereits einen Vorgeschmack. Was erwartet uns auf dem restlichen Album?
Josh.: Das Album ist insgesamt wieder einen Tick fröhlicher als das letzte, das in einer gesundheitlich schweren Zeit entstanden ist. Jetzt bin ich besser drauf und das hört man, auch wenn es natürlich traurige Stellen gibt. Musikalisch gibt es diesmal deutliche Country-Einflüsse. Ich stehe total auf diesen Nashville-Sound und bin ein riesiger Chris-Stapleton-Fan. Alles in allem ist es eine sehr handgemachte, organische Musik und meine ganz persönliche Interpretation des modernen Austropops.
Der Hit „Cordula Grün“ liegt nun fast acht Jahre zurück. Was würde der Josh von 2018 über den Josh von heute denken?
Josh.: Er würde sich total freuen. Denn als der Song damals erschienen ist, dachte ich mir nur: „Alter, verkack es jetzt bloß nicht!“ Und heute kommen mehr Leute zu den Konzerten als je zuvor. Was für jemanden wie mich, der so gerne live spielt, einfach die größte Ehre ist.
Leute mit wenig Selbstvertrauen tun wahnsinnig viel dafür, Applaus von außen zu bekommen.
2022 hast du erstmals offen über deine psychischen Probleme gesprochen. Wie gehst du heute mit Leistungsdruck und der Öffentlichkeit um?
Josh.: Eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, kann wie ein Brandbeschleuniger wirken, wenn es einem schlecht geht. Ich liebe die Musik, aber ich war nicht jeden Tag bereit, berühmt zu sein. In Phasen von Selbstzweifeln ist es hart, wenn ständig eine Kamera auf dich gerichtet ist. Die Gedanken in einer schweren Depression sind nicht rational – das habe ich zwar gecheckt, aber man kann trotzdem nichts dagegen tun. Man muss sich Hilfe holen. Heute gehe ich offen damit um, um zu zeigen: Es wird wieder besser. Das Leben verläuft in Wellen, das ist okay. Ich mache weiterhin Gesprächstherapie, weil man dadurch lernt, Warnsignale früher zu erkennen.
Glaubst du, dass dieser „Rausch“ auf der Bühne eine Art Berufsrisiko ist?
Josh.: Ja, das ist ein Gefühl, das sehr schwer zu beschreiben ist. Du kommst von so einem riesigen Konzert heim und dann räumst du den Tisch ab. Denn plötzlich dreht sich nicht mehr alles um dich, sondern alles geht normal weiter. Man kann oft nicht schlafen, weil da noch so viel Adrenalin ist. Ich habe so eine These: Das Rampenlicht zieht oft Leute an, die einen Hang zu gewissen Dingen haben. Man denkt, wer auf der Bühne steht, strotzt vor Selbstvertrauen, aber oft ist es umgekehrt. Leute mit wenig Selbstvertrauen tun wahnsinnig viel dafür, Applaus von außen zu kriegen, weil sie sich darüber definieren. Aber diesen Rausch kannst du auf Dauer nicht durchhalten.
Am 13. April startet deine Solo-Tour. Worauf freust du dich am meisten?
Josh.: Ich freue mich auf dieses Gefühl, mal wieder ganz alleine mit einer Gitarre auf der Bühne zu stehen und die Songs so zu spielen, wie sie geschrieben werden. Aber ich bin auch unfassbar nervös. Es ist alles ausverkauft, jetzt wird der Druck gleich noch größer (lacht).