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Sänger Josh
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Carina Antl

JOSH.: "Das hätten mir die Menschen nicht verziehen"

13.09.2023 um 10:38, Melanie Ogris
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Im Interview erzählt Sänger Josh von seinem neuen Album “Reparatur“, den Sonnen- und Schattenseiten des Erfolgs und verrät private Details.

Josh ist mehrfacher Amadeus-Preisträger und mittlerweile einer der bekanntesten Sänger im deutschsprachigen Raum. Am 22. September erscheint sein drittes Album unter dem Namen “Reparatur“. weekend.at hat mit ihm über sein neues Album und seine Überlastungsdepression gesprochen. Außerdem verrät er, wie viel Wirklichkeit aus seinem Leben in seinen Liedern steckt.

weekend: Dein neues Album “Reparatur“ erscheint am 22. September. Was darf man sich erwarten?

Josh: Es ist wieder ein typisches Josh.-Album mit ein bisschen mehr 80er-Sound. Manche Lieder sind etwas melancholisch, andere wieder fröhlich und mit etwas Schmäh. Die breite Masse kennt meistens nur die Radiohits, aber es waren auf den zwei vorherigen Alben auch ruhigere Lieder drauf. Und so ist es eigentlich wieder. Ich wollte gerade bei den Texten, die von der Thematik her schwerer sind, ein Gegenspiel erzeugen, indem ich eher fröhliche Akkorde verwendet habe.

weekend: Dein großer Durchbruch war 2018 mit “Cordula Grün“. Hast du dir damals gedacht, dass es ein Hit wird?

Josh: Nein, das ist so schwierig. Was man bei manchen Songs schon spüren kann, ist, dass sie irgendwas Besonderes haben. Wenn ich ein Geheimrezept für ein Lied hätte, das im ganzen deutschsprachigen Raum rauf und runter läuft, dann hätte ich es schon zehn Jahre früher geschrieben. Bei Cordula Grün habe ich mir gedacht: “Dieses Ding ist so deppert.“ Dass es ein Mainstream-Erfolg wird, hätte ich mir nie gedacht.

weekend: Was ist dein Lieblingslied von dir selbst und warum?

Josh: Es ist live oft einer der neuesten Songs, weil man dieses spezielle Feeling hat und die Musik einen noch total berührt. Derzeit spiele ich sehr gerne “Ich gehöre repariert“. Ich bin schon aufgeregt, was die Menschen dazu sagen, weil in dem Lied sehr viel von mir drinnen ist.

Es gab jemanden, der angefangen hat zu weinen. Ich dachte mir nur: „Wow, bitte nicht wegen mir!

Josh über Fantreffen

weekend: Du stehst ständig unter Druck abzuliefern und hattest bereits mit einer Überlastungsdepression zu kämpfen. Wie geht es dir mittlerweile?

Josh: Mir geht es gut, also in dem Sinne wie es Leuten geht, die psychisch gesund sind: an manchen Tagen nicht gut und an manchen gut. Die Tage, an denen ich nicht so glücklich bin, sind halt nicht wie zuvor viertes Kellergeschoss, sondern aushaltbar. Das ist ja schon mal was. Ich bin einmal die Woche in Gesprächstherapie, aber nehme mittlerweile keine Medikamente mehr.

Josh und Weekend Magazin-Redakteurin Melanie Ogris
Josh und Weekend Magazin-Redakteurin Melanie Ogris

weekend: Das heißt, du freust dich schon wieder auf die Bühne. Gibt es ein Ritual vor deinen Auftritten?

Josh: Ich versuche, mir einen schönen Tag zu machen und zu schauen, was mir guttut. Manchmal ist es schwierig, etwas zusätzlich einzubauen. Mit meinem Team mache ich viel Blödsinn – wir haben eine Playstation mit auf Tour und zocken manchmal. Am Konzerttag selbst versuche ich zur Ruhe zu kommen, das ist meine größte Challenge, aber inzwischen ein Ritual.

weekend: Mittlerweile hast du nicht nur über Cordula gesungen, sondern auch von Dorothea, Sophie und Martina. Welche Bedeutung haben die Namen für dich?

Josh: Es sind nicht reale Namen aus meinem Leben, das hätten mir die Menschen nicht verziehen. Aber, die Leute haben sich bisher alle wiedererkannt und wissen, dass sie gemeint sind. Es ist für mich ein schönes Stilmittel, Dinge beim Namen zu nennen. Ich schreibe die Songs wie einen Roman mit verschiedenen Figuren. “Martina“ habe ich schon vor drei Jahren geschrieben. Damals habe ich den Song nicht rausgebracht, weil ich mir dachte, dass es wieder so ein Namens-Lied ist wie Cordula Grün. Jetzt finde ich es ganz witzig.

Ich würde keine Biografie schreiben. Ich bin nicht Sebastian Kurz und komme in meinem Alter auf die Idee, dass die Welt meine Memoiren lesen will. Wenn ich sowas mache, dann vielleicht mit 70.

Josh über ein mögliches Buchprojekt

Persönliche Details

weekend: 2021 hast du dein Lied “Ring in der Hand“ veröffentlicht und damit deine Hochzeit bekannt gemacht. Viele Infos zu deiner Frau gibt es nicht. Wie würdest du sie beschreiben?

Josh: Sie ist ein wahnsinnig großherziger, liebevoller Mensch, die in einigen Dingen ganz anders ist als ich und in anderen sehr ähnlich. Sie möchte nicht in die Öffentlichkeit und ich respektiere das. Meine Frau kriegt auch die Schattenseiten davon mit und sieht, dass es mir an manchen Tagen nicht gut geht, weil wieder irgendjemand etwas Böses kommentiert hat. Manchmal, wenn wir unterwegs sind, müssen wir tricksen. Aber, sie ist ja keine geheime Person, die man verstecken muss – sie geht halt nur nicht vor die Kamera.

weekend: Du hast einige deiner Fans schon getroffen. Welche Momente haben sich bei dir eingeprägt?

Josh: Es gab jemanden, der angefangen hat zu weinen. Ich dachte mir nur: “Wow, bitte nicht wegen mir!“ Das Lustigste sind Meet & Greets, wo ein paar Leute um mich herumstehen und mich anschauen. Am Anfang dachte ich mir immer: „Wollt ihr was wissen oder was ist meine Aufgabe? Meine bloße Anwesenheit kann doch jetzt nichts Besonderes sein.“

weekend: Du machst nicht nur Musik, sondern auch den Podcast “Eins Komma Zwei Kamille“ mit Bernhard Speer. Gibt es weitere Projekte, die noch gern machen willst?

Josh: Ich würde gern mal einen Roman schreiben und vielleicht eine kleine Rolle in einem Theaterstück oder einen Film spielen. Derzeit liebe ich die Musik so sehr, dass ich nicht anderes machen will. Ich bin ja auch musikalischer Autor, also ich schreibe Songs für andere Künstler. Aber ich würde keine Biografie schreiben. Ich bin nicht Sebastian Kurz und komme in meinem Alter auf die Idee, dass die Welt meine Memoiren lesen will. Wenn ich sowas mache, dann vielleicht mit 70.

weekend: Würdest du lieber…

…für immer in Wien bleiben oder eine Zeit lang in Italien wohnen?

Josh: Eine Zeit lang in Italien wohnen.

…in die Zukunft blicken oder in die Vergangenheit zurück gehen?

Josh: Ich habe gerade gelernt im Hier und Jetzt zu leben und da bleibe ich auch.

…nie mehr Social Media nutzen oder nie mehr einen Film anschauen?

Josh: Nie mehr Social Media, ganz klar.

…all dein Geld verlieren oder alle Bilder, die du je gemacht hast?

Josh: Das Geld – die Bilder möchte ich nicht verlieren.

…mit Cordula tanzen oder mit Sophie ein Eis essen?

Josh: Cordula ist eine Puppe, dann esse ich lieber ein Eis.

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