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Verschiedene Softdrinks wie Cola, Pepsi, Fanta und Eistee in Flaschen und Dosen – Symbolbild für Zuckersteuer und Zuckergehalt in Getränken
Zuckerhaltige Softdrinks wie Cola, Fanta oder Eistee stehen im Fokus der Debatte um die Zuckersteuer in Österreich und Deutschland.
Zuckerhaltige Softdrinks wie Cola, Fanta oder Eistee stehen im Fokus der Debatte um die Zuckersteuer in Österreich und Deutschland.
monticello / Shutterstock.com

Zuckersteuer: Kommt jetzt die „Kracherl-Steuer“ in Österreich?

29.04.2026 um 15:40, Stefanie Hermann
min read
Deutschland startet mit der Zuckersteuer. In Österreich wächst der Druck. Experten streiten über Wirkung, Kosten und Nutzen der Abgabe.

Die Zuckersteuer nimmt Fahrt auf: Das deutsche Bundeskabinett hat den Weg für eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke geebnet. Im Zuge der aktuellen Budgetdebatte in Österreich rückt damit das Thema Zuckersteuer auch hierzulande wieder in den Fokus.

Zuckersteuer in Deutschland

Die Zuckersteuer in Deutschland soll Hersteller zu weniger Zucker in ihren Produkten bewegen und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten. Einnahmen könnten gezielt in die Finanzierung der Krankenkassen fließen. Hintergrund ist die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Expertenkommission hatte die Abgabe als Maßnahme zur Entlastung des Systems empfohlen.

Geplant ist eine gestaffelte Abgabe nach Zuckergehalt. Besonders stark gesüßte Produkte sollen höher besteuert werden. Die Einführung ist laut Berichten ab 2028 vorgesehen.

Schätzungen zufolge könnte die Maßnahme jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen. Gleichzeitig erwarten Experten Einsparungen im Gesundheitssystem zwischen 20 und 170 Millionen Euro pro Jahr.

Gesundheitsalarm: Kinder besonders betroffen

Die Diskussion um die Zuckersteuer wird auch durch aktuelle Gesundheitsdaten befeuert. Zuckerhaltige Getränke zählen zu den wichtigsten Zuckerquellen – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

  • 15 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Burschen trinken täglich Softdrinks.
  • 34 Prozent der Buben und 26 Prozent der Mädchen im Volksschulalter sind übergewichtig.
  • 16 Prozent der Buben und 8 Prozent der Mädchen gelten bereits als adipös.

Auch gesamtgesellschaftlich ist die Lage angespannt: 2025 lag der tägliche Zuckerkonsum über Getränke bei rund 22,8 Gramm pro Kopf. Die Folgen reichen von Diabetes bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Folgen betreffen nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Volkswirtschaft: Ungesunde Ernährung verursacht in Österreich jährlich Kosten von bis zu 12,2 Milliarden Euro.

Österreich im Vergleich: Mehr Zucker, keine Steuer

Ein aktueller Vergleich von foodwatch zeigt ein deutliches Bild: Viele Softdrinks enthalten in Österreich mehr Zucker als bei unseren Nachbarn – trotz identischer Marken. Betroffen sind bekannte Produkte wie Fanta, Pepsi oder Eistee. Die Unterschiede liegen teils bei mehreren Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

So enthält etwa Fanta in Österreich um 2,7 Gramm mehr Zucker pro 100 Milliliter als in Deutschland, bei Pepsi Cola liegt der Unterschied bei 2,4 Gramm. Auch bei Eistee und Milchmischgetränken zeigen sich deutliche Abweichungen.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass der Handlungsbedarf in Österreich besonders groß ist. Während in Deutschland nun endlich gehandelt wird, wird hierzulande nichts unternommen“, sagt Miriam Maurer von foodwatch Österreich. Es entspreche einer „gesundheitspolitischen Bankrotterklärung“, solange Österreich keine Maßnahmen setzt.

Wirkt die Zuckersteuer wirklich?

Ob eine Zuckersteuer tatsächlich wirkt, ist international umstritten. Befürworter verweisen auf mehr als 50 Länder weltweit, in denen entsprechende Abgaben bereits eingeführt wurden. Dort zeigen sich Effekte wie reduzierte Zuckergehalte in Getränken und verändertes Konsumverhalten.

Ziel der Maßnahme ist eine sogenannte Lenkungswirkung: Höhere Preise sollen den Konsum senken, während Hersteller ihre Rezepturen anpassen, um Steuern zu vermeiden.

Kritik an der Zuckersteuer

Kritik kommt hingegen vom forum. ernährung heute (f.eh). „Die Evidenz zeigt, dass eine Zuckersteuer weder die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas senkt, noch einen substanziellen Beitrag zur Gesundheitsförderung leistet“, gibt Geschäftsführerin Marlies Gruber zu bedenken.

Trotz Steuer sank die tägliche Kalorienaufnahme nur minimal um rund 21 Kilokalorien bei Erwachsenen, verweisen Kritiker auf Großbritannien. Das entspricht weniger als einem Prozent des Tagesbedarfs. Auch Erfahrungen aus anderen Ländern zeichnen ein gemischtes Bild: In Mexiko sank zwar der Zuckerkonsum, die Gesamtaufnahme an Kalorien blieb jedoch nahezu unverändert. In Dänemark zeigte die Steuer nur begrenzte Effekte auf das Konsumverhalten.

Was wirklich zählt: Ernährung und Lebensstil

Für Expertinnen wie Gruber liegt das Problem tiefer. „Eine Zuckersteuer ersetzt keine Ernährungsbildung und kein bewegungsfreundliches Umfeld“, so Gruber. Entscheidend sei nicht ein einzelner Nährstoff, sondern die gesamte Energieaufnahme.

Hinzu kommt: Softdrinks machen laut Studien nur etwa 3 bis 5 Prozent der täglichen Energieaufnahme aus. Entscheidend für Übergewicht ist daher vor allem die Kalorienbilanz – nicht ein einzelner Nährstoff.

Das f.eh fordert stattdessen:

  • gezielte Programme für Risikogruppen
  • bessere Ernährungsbildung
  • kleinere Portionsgrößen
  • Förderung von Bewegung

Ein übermäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke konzentriert sich zudem auf bestimmte Gruppen – etwa junge Männer zwischen 19 und 25 Jahren. Kritiker sehen daher pauschale Steuern als zu wenig zielgerichtet. Auch internationale Organisationen wie WHO oder OECD betonen, dass solche Maßnahmen langfristig wirksamer sein könnten als reine Steuerinstrumente.

Politischer Druck steigt – Entscheidung offen

Trotz der Kritik wächst mit der deutschen Entscheidung auch in Österreich der politische Druck. foodwatch fordert eine rasche Einführung einer „Kracherl-Steuer“, die sowohl Zucker als auch Süßstoffe umfasst. Konkrete politische Schritte gibt es derzeit jedoch nicht.

Eine Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2025 kommt allerdings zu dem Schluss, dass eine Zuckersteuer eine sinnvolle Maßnahme sein könnte.

„Eine Zuckersteuer wäre wirksam, evidenzbasiert und budgetrelevant“, betont Maurer. Ob Österreich diesen Weg einschlägt, bleibt offen.

FAQ: Zuckersteuer in Österreich und Deutschland

Was ist eine Zuckersteuer?

Eine Zuckersteuer ist eine Abgabe auf stark zuckergesüßte Getränke wie Cola oder Limonaden. Ziel ist es, den Zuckerkonsum zu senken und Hersteller zu gesünderen Rezepturen zu bewegen.

Wann kommt die Zuckersteuer in Deutschland?

Die Zuckersteuer in Deutschland ist laut aktuellen Plänen ab 2028 vorgesehen. Sie soll gestaffelt nach Zuckergehalt eingeführt werden.

Gibt es eine Zuckersteuer in Österreich?

Derzeit gibt es keine Zuckersteuer in Österreich. Die Diskussion wird jedoch intensiver, nachdem Deutschland konkrete Schritte gesetzt hat.

Wirkt eine Zuckersteuer wirklich?

Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse: Während der Zuckergehalt in Getränken sinkt, sind die Effekte auf Übergewicht und Gesundheit wissenschaftlich umstritten.

Warum wird eine Zuckersteuer gefordert?

Befürworter sehen in der Zuckersteuer ein wirksames Instrument, um den Konsum zu senken, die Gesundheit zu verbessern und gleichzeitig das Gesundheitssystem finanziell zu entlasten.

Quellen und weiterführende Informationen

foodwatch Österreich: Zuckersteuer-Vergleich

Presseaussendung zum Vergleich von Softdrinks in Österreich und Deutschland: Zur Aussendung 

foodwatch Petition zur „Kracherl-Steuer“

Forderung nach Einführung einer Steuer auf zuckergesüßte Getränke: Jetzt Petition ansehen 

forum. ernährung heute (f.eh): Kritik an Zuckersteuer

Stellungnahme zur Wirksamkeit und Kritik an der Zuckersteuer: Zur Analyse 

tagesschau.de: Zuckersteuer in Deutschland

Bericht über die geplante Einführung einer Zuckerabgabe: Zum Artikel 

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