Wir brauchen Greta mehr denn je

Abgesehen von der Gruppe der notorischen Klimawandelleugner, die sich großteils mit jener der Coronaleugner deckt, dürfte nach dem Bericht des Weltklimarates so ziemlich jedem die Dimension der Gefahr klar geworden sein. Verheerende Waldbrände und Unwetterkatastrophen orchestrierten wie bestellt die schlechten Nachrichten. Es geht schon lange nicht mehr darum, dass es a bisserl wärmer wird, was ja eh so manche Ignoranten lässig finden, sondern um eine ernste Bedrohung unseres Planeten.

Und ja, natürlich finden sich auch auf diesem Gebiet ein paar windige Wissenschaftler, die meinen, der Mensch habe mit der Erderwärmung nichts zu tun. Warum manche Österreicher dazu neigen, lieber 5 Prozent Obskuranten zu vertrauen, als den anderen 95 Prozent der Wissenschaft, ist schwer zu begreifen. Vielleicht macht einen das zu etwas Besonderem. Meist sind das übrigens auch jene, die reflexartig mit dem Finger auf andere zeigen und sagen: ja, aber die Chinesen und die USA.

Stachel im Fleisch

Die durch diesen Bericht verursachte Schockstarre wird leider einmal mehr eine temporäre Erscheinung sein. Schon in wenige Wochen steigen wir – sofern es Corona erlaubt - in ein Flugzeug und jetten mal schnell für ein Wochenende nach New York. Und genau aus diesem Grund brauchen wir Menschen wie Greta Thunberg. Sie ist durch ihre Beharrlichkeit der Stachel in unserem Fleisch. Menschen wie sie halten uns permanent den Spiegel vor und appellieren an unser Gewissen: Ändere dein Verhalten, ändere deine Gewohnheiten und ändere deinen ökologischen Fußabdruck. Schon klar, diese bittere Pille schmeckt uns nicht und Greta wird daher auch in sozialen Medien mit Hass überzogen. Dabei bedeutet Veränderung nicht zwangsläufig Veränderung zum Schlechten. Und es bedeutet auch nicht, dass wir künftig auf jede Form von Bequemlichkeit verzichten müssen. Die Bequemlichkeit bekommt bloß ein anderes Gesicht.

Autor: Robert Eichenauer, 22.08.2021