WHO: Corona-Ursprung wahrscheinlich in Wuhan-Labor

Vor kurzem noch als „höchst unwahrscheinlich“ dementiert, rudern Experten der Weltgesundheitsbehörde (WHO) jetzt zurück. Der Chefermittler des Untersuchungsteam, Peter Bem Embarek hält es für möglich, dass sich ein Forscher im Labor durch eine Fledermaus infiziert haben könnte. „Ein Mitarbeiter, der sich im Feld durch Probenahmen infiziert hat, fällt unter eine der wahrscheinlichen Hypothesen“, sagt er im dänischen TV. Feld bedeutet in diesem Fall die Forschung an Fledermäusen in einem Labor.

Zwischenwirt, den es nie gab

Neben der Labor-Theorie und menschlichem Versagen galt bis jetzt offiziell die sogenannte „Zoonose“ als am wahrscheinlichsten. Darunter versteht man die Übertragung eines Erregers von Tieren auf den Menschen. Der bis heute noch nicht identifizierte Zwischenwirt, der den Sprung von der Fledermaus auf den Menschen ermöglicht hat, wurde lange Zeit im Umkreis des Wildtiermarkts in Wuhan gesucht. Die Route über den unbekannten Träger wird im offiziellen Bericht der WHO-Expertengruppe als wahrscheinlichster Ursprung genannt. Welches Tier dafür in Frage kommt, kann der Bericht nicht klären. Möglicherweise konnte man den gesuchten Zwischenwirt nicht finden, weil er nicht exisiert.

Politische Zensur?

Warum hält man solange an der Zwischenwirt-These fest? Die Ursachenforschung ist politisch heikel. Immer wieder haben Forscher beklagt, nicht über den Zugang zu sämtlichen Daten zu bekommen. China fürchtet etwaige Imageschäden, Handelspartner – allen voran die USA – daraus möglichweise entstehende Schadensersatzforderungen. Präsident Joe Biden hat wiederholt Bedenken geäußert, der WHO-Bericht könnte gewissen Erkenntnisse verschweigen. Forschungsleiter Embek bestätigt, dass die Politik in den Untersuchungen konstant eine Rolle gespielt hat. Peking dementiert jegliche Einmischung und verweist auf die chinesische Kooperation in der Untersuchung.

Autor: Stefanie Hermann, 19.08.2021