Russische Nahversorger: Neue Kunden wegen Putin

Eine Handvoll Läden versorgen hier ansässige russischstämmige Menschen mit Waren aus der Heimat. Der Krieg macht ihnen zu schaffen – und kurbelt gleichzeitig das Geschäft an.
Autor: Andrea Schröder, 07.07.2022 um 16:18 Uhr

Ukrainische Produkte blieben aus. Russische Schokolade geht zur Neige. Und steigende Transportkosten treiben die Preise in die Höhe: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine bringt die Händler unter Druck.

Von Belarus über Deutschland nach Wien

Wien.orf.at zitiert Natalya Abramova, die das Lebensmittelgeschäft Malvina im Vierten Wiener Bezirk betreibt: "Alles was mit Weizen und Getreide aus der Ukraine zu tun hatte, wie zum Beispiel Kekse, aber auch Sonnenblumenöl, kam auf einmal nicht mehr."  Jetzt habe man wieder alles vorrätig. Ein deutscher Händler, der die Produkte aus Weißrussland importiert, beliefert das kleine Lebensmittelgeschäft weiter.

Zu regelrechten Konfrontationen, Stichwort "Russen-Hass", ist es bisher nicht gekommen - allerdings wurde ein Fenster im Malvina von Unbekannten eingeschlagen. Die Inhaberin:  "Ich war schockiert aber es ist immerhin nichts gestohlen worden." Kein Wunder, dass es bereits Geschäfte gibt, die sich statt "Russischen Spezialitäten" nun lieber "Ostspezialitäten" auf die Fahne bzw. die Eingangstür schreiben. 

Anti-russische Ressentiments

In Deutschland wurden in den zehn Tagen nach Putins Überfall 318 strafrechtlich relevante Ereignisse registriert, bei denen es einen Zusammenhang mit dem Krieg gab: Beleidigungen, Bedrohungen - sowohl in den sozialen Medien als auch unmittelbare – und Sachbeschädigungen. Auch Frankreich berichtete von anti-russischem Vandalismus, etwa an einer russisch-orthodoxen Kirche in Paris und dem Kulturzentrum. In Österreich existieren keine offiziellen Zahlen. 

Spezialitäten

Zurück in Wien: Der Berioska-Lebensmittelladen in der Inneren Stadt bietet seinen Kunden unter anderem eine große Auswahl an Wodka. 

Kein Gejammer wegen Kaviar

Die Spirituose ist aufgrund der Sanktionen gegen Russland mit einem Importverbot belegt. Zu einem Engpass dürfte es aber nicht allzu schnell kommen, ist Wodka doch sehr lange haltbar und damit lagerfähig. Außerdem gibt es da ja noch die Konkurrenz aus Polen. Anders steht es beim Kaviar aus. Dennoch hat man bisher in Österreich noch nichts von einer "Kaviar-Krise" gehört. Das wäre wohl auch einfach zu dekadent.

Neue Kunden

Wirtschaftlich geht es den russischen Geschäften so gut wie lange nicht: Ukrainische Flüchtlinge haben für eine Verdoppelung der Kundschaft gesorgt. Natalya Abramova: "Die Essgewohnheiten ähneln sich. Viele sind noch nicht mit der österreichischen Küche vertraut und wollen Gewohntes essen."