Strom bleibt teuer

So billig wie vor der Krise wird Strom nicht mehr, zumindest nicht in ab­sehbarer Zeit. Das geht aus einer Analyse von Eco Austria hervor. Demnach dürften die Energiepreise noch über Jahre hoch bleiben. Wie viel an Mehrkosten auf Haushalte und Betriebe zukommen, lässt sich noch nicht mit Sicherheit abschätzen. Aber wenn sich die Preise im Großhandel so entwickeln, wie zurzeit erwarten, dann könnte Strom 2027 sogar doppelt so teuer sein wie vor Ausbruch der Coronakrise, so die Einschätzung von Eco Austria. Stromverbrauchern in Österreich drohen jedenfalls bereits heuer rund 3,16 Milliarden mehr an Kosten als 2020 – was schon in etwa einer Verdoppelung entspricht. Nächstes Jahr würden die Kosten noch einmal um 1,7 Milliarden anwachsen. In den folgenden Jahren würden sie zwar wieder sinken, aber das Niveau von 2022 nicht mehr unterschreiten. Davon geht auch die Österreichische Energieagentur (AEA) aus: Die aktuellen Entwicklungen auf den Großhandelsmärkten würden für das Frühjahr eine leichte Entspannung andeuten. Insgesamt würden sich die Großhandelspreise aber auf einem höheren Niveau einpendeln, als wir es zuletzt gewohnt waren. Beim Gaspreis prognostiziert Eco Austria mittelfristig eine Normalisierung. Allerdings könnten dauerhaft gestiegene Energiepreise die Inflation im Land weiter anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen – und zwar in beträchtlichem Ausmaß.

Unternehmen unter Druck

Schon jetzt leiden Unternehmen enorm. „Die dramatischen Preissteigerungen bei Strom und Gas treiben die Unternehmen an die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren und verlangen diesen schwierige Entscheidungen ab. Immerhin stellen die Energiekosten einen maßgeblichen Teil der Produktionskosten dar. Diese Kostensteigerungen hat kaum ein Betrieb einkalkuliert, geschweige denn können sie in dieser Höhe weitergegeben werden. Entweder man drosselt die Produktion, um weiterhin kostendeckend arbeiten und den Preis für die Kunden irgendwie halten zu können, oder man verteuert das Produkt um einen Energiekostenzuschlag, wobei das unterjährig nicht immer möglich ist“, beschreibt Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie der WKO Oberösterreich, die aktuell brisante Lage. Bestätigt wird diese jetzt auch durch eine aktuelle Umfrage des Energieinstituts der Wirtschaft (EIW) im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich. „Von Erhöhungen der gesamten Energiekosten von 300 Prozent und mehr ist da die Rede, Betriebe beklagen, dass sie Kostensteigerungen nicht mehr verkraften können“, so Frommwald. Übrigens sind die Strompreise nicht überall so explodiert wie in Österreich. Laut AEA kostete die Megawattstunde im Dezember in Deutschland 91 Euro, in Österreich satte 244 Euro.

Gaspreise als Treiber

Zentraler Treiber sind die Gaspreise im zunehmend globalisierten Gasgroßhandel, so die AEA. „Mehrere Faktoren wirken auf die Energiepreise“, so Michael Frostel, Sprecher der Energie AG. „Die wirtschaftliche Erholung in Asien erhöhte den dortigen Gasbedarf, zusätzlich kaufte Japan massiv Gas, Importe aus Norwegen und Russland wurden reduziert, in Deutschland war der Bedarf nach Gas zur Verstromung höher, weil das Jahr 2021 relativ windarm verlief. Im Herbst trieben vor allem die kühlen Temperaturen, Wetterprognosen eines kalten Winters, die geringe Wasserführung in Österreich und die geringe Verfügbarkeit der Atomkraftwerke in Frankreich die Preise deutlich nach oben.“ Trotzdem versucht man den Kunden Sicherheit zu geben: „Bestehenden Privatkunden können wir ihren Preis bei Strom und Gas bei Vertragsabschluss bis 1. Jänner 2023 garantieren – und somit im vierten Jahr in Folge“, so Frostel. Die Linz AG verkündete eine Preisgarantie zumindest bis 31. Mai 2022. „Die Stromtarife wurden seit zwölf Jahren nicht erhöht“, heißt es seitens des Unternehmens.

Autor: Jessica Hirthe, 21.02.2022