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Zapfsäulen mit grünen Benzindüsen an einer Tankstelle, daneben Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, er spricht über Maßnahmen gegen hohe Spritpreise in Österreich.
Wegen anhaltend hoher Spritpreise trotz fallender Rohölkosten lässt die Bundesregierung die Preisbildung an den Tankstellen prüfen.
Wegen anhaltend hoher Spritpreise trotz fallender Rohölkosten lässt die Bundesregierung die Preisbildung an den Tankstellen prüfen.
eyecon / iStock | HELMUT FOHRINGER / APA

Teures Tanken: Regierung greift bei Spritpreis ein

30.01.2026 um 07:56, Stefanie Hermann
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Trotz sinkender Ölpreise bleiben Spritkosten hoch. Die Regierung lässt prüfen, wo Rabatte versickern und welche Maßnahmen gegen teures Tanken folgen können.

Obwohl der Rohölpreis massiv fällt, bleiben die Spritpreise in Österreich auffallend stabil. Während der Brent-Preis 2025 um mehr als 30 Prozent gesunken ist, spüren Autofahrer an den Zapfsäulen kaum Entlastung. Die Bundesregierung reagiert jetzt und lässt die Preisketten prüfen. „Ziel ist eine klare, faktenbasierte Grundlage für weitere Schritte, wenn sie notwendig sind“, sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).

Österreich bleibt günstiger als EU – aber Lücke schrumpft

Eurosuper kostet in Österreich im Schnitt 17,7 Cent weniger als im EU-Durchschnitt, Diesel ist immerhin noch 5,7 Cent günstiger. Im Vergleich zu Deutschland liegt der Preisvorteil sogar bei 21 Cent pro Liter. Dennoch nimmt die Differenz ab. „Seit dem Jahr 2022 hat sich der Rohölpreis etwa halbiert, die Preise an der Zapfsäule sind aber nur um rund 30 Prozent gesunken“, erklärt Staatssekretärin Königsberger-Ludwig (SPÖ). Und sie warnt: „Wenn der Ölpreis sinkt, die Preise an der Zapfsäule aber nicht, dann stimmt etwas nicht.“

Kommission prüft Preisweitergabe

Die Preiskommission, seit 2025 in neuer Besetzung, untersucht nun im Auftrag der Regierung, warum sinkende Rohölpreise kaum an Konsumenten weitergegeben werden. In der Kommission sitzen Vertreter des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB), der Arbeiterkammer (AK), des Sozialministeriums, des Finanz- und des Umweltministeriums sowie der Landwirtschaftskammer. Die neue Zusammensetzung gilt seit der Reform 2025 und soll mehr Transparenz in die Preisüberwachung bringen. Neben der Kommission sind auch das Institut für Höhere Studien (IHS) und die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) beteiligt.

Bis Ende März 2026 soll eine Kurzstudie klären, wo entlang der Wertschöpfungskette die Preisnachlässe versickern. „Autofahrerinnen und Autofahrer müssen sich darauf verlassen können, dass sinkende Rohölpreise rasch an der Tankstelle ankommen“, betont Hattmannsdorfer.

Der Beschluss zur Sonderprüfung geht auf die Regierungsklausur im Jänner 2026 zurück. Damals verständigten sich ÖVP und Grüne auf ein Maßnahmenpaket gegen überhöhte Preise bei Energie und Treibstoffen.

Transparenz und Kontrolle

Das Wirtschaftsministerium verlängert die aktuell geltende Spritpreisverordnung um weitere drei Jahre. Die Regelung schreibt vor, dass Tankstellen Preiserhöhungen nur einmal täglich – um 12 Uhr mittags – durchführen dürfen, während Preissenkungen jederzeit erlaubt sind. Alle Preisänderungen müssen in die Preistransparenzdatenbank der E-Control eingetragen werden.

Die BWB sieht darin einen klaren Effekt: „Nachdem die Tankstellen die Preise meldeten, begannen die Preise an den Zapfsäulen zu sinken. Das beweist, dass Preistransparenz sich positiv auf die Spritpreise auswirkt“, so Generaldirektorin Natalie Harsdorf.

Bedeutung für Inflation und Konsument:innen

Treibstoffkosten machen 4,4 Prozent des Warenkorbs im Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) aus. Jede Preisänderung wirkt direkt auf die Inflation.

Wirtschaftsforscher sprechen in diesem Zusammenhang von einer „asymmetrischen Preisweitergabe“: Preiserhöhungen werden oft rasch und vollständig weitergegeben, Preissenkungen dagegen nur verzögert oder teilweise.

Bleiben die Ölpreise niedrig, aber der Sprit teuer, belastet das nicht nur Autofahrer, sondern auch Wirtschaft und Handel. Die Sonderprüfung soll Transparenz schaffen, Druck auf den Markt ausüben und langfristig für günstigere Preise an Österreichs Tankstellen sorgen.

Quellen und weiterführende Informationen

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