Macht Putin ernst? Amnesty in Sorge um Nawalny

Russland soll grausame Methoden anwenden, um Nawalnys Willen zu brechen.
Autor: Andrea Schröder, 19.09.2022 um 13:19 Uhr

"Zutiefst verstörend" nennt die Hilfsorganisation Amnesty International Nachrichten aus der Strafkolonie, in der Putin-Gegner Alexej Nawalny gefangen gehalten wird.

In seiner Heimat war der Abweichler wegen angeblichen Betrugs zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Wir haben zutiefst verstörende Informationen über Alexey Nawalnys zunehmend harsche Behandlung erhalten. Seine Gesundheit und sein Wohlergehen sind in großer Gefahr.

Außenaufnahme

Nawalny werde unter anderem der vertrauliche Austausch mit seinem Anwalt verweigert, was auch in Russland gegen geltendes Recht verstößt. Die Rede ist auch von schweren Strafen für angebliches Fehlverhalten und wiederholte Versuche, ihn von anderen Gefangenen zu isolieren. Sie dürfen ihn nicht einmal ansehen, geschweige denn mit ihm sprechen.

"Bösartiger Regelbrecher"

Unter Berufung auf die Anwälte Nawalnys berichtet Amnesty International, der 46-jährige sei bereits vier Mal in eine Isolationszelle gesperrt worden - unter anderem, weil ein Knopf an seinem Hemd nicht geschlossen war. Zudem sei ihm Familienbesuch versagt worden.

Er dürfe auch weder Päckchen noch Briefe empfangen und sei als „bösartiger Regelbrecher“ unter verschärfte Haftbedingungen gestellt worden.

Gefährliche Lage

Die Zustände in russischen Straflagern sollen jenen im US Gefängnis Quantanamo ähneln. Ist Nawalnys Schicksal womöglich mit dem Verlauf des Ukraine-Krieges verknüpft? Das befürchtet ein  Vertrauter des Inhaftiertes, Leonid Wolkow. Im "Spiegel" sagte er:

Wir haben große Sorge, dass sein Leben gefährdet ist.