Corona spaltet Land mehr als Migration

Die Bundespräsidentschaftswahl 2016 war erst der Anfang. Spätestens nach der Stichwahl sind Klagen über die starke politische Kluft in der Bevölkerung konstant lauter geworden.  Das Forschungsinstitut IMAS ist bereits damals der Frage nach dem geteilten Land auf den Grund gegangen. Ergebnis: knapp 40 Prozent der Bevölkerung stimmten dem Eindruck zu. Seitdem ist die Stimmung weiter gekippt.

Gräben werden tiefer

Die aktuellen Ergebnisse sind erschütternd. Mehr als die Hälfte sieht das Land politisch zutiefst gespalten. Corona hat den Trend nicht nur weiter befeuert. Die Pandemie hat völlig neue Gräben aufgehen lassen.

Neuer Spaltpilz Corona

Bislang waren die am stärksten wahrgenommene Bruchlinie Zuwanderung und Integration. Seit letztem Jahr hat das Thema nicht nur auf der politischen Bühne das Feld räumen müssen. Corona hat sich zum neuen Streitthema Nummer 1 aufgeschwungen. Mehr als drei Fünftel der rund 2.000 Befragten bestätigen Diskussionen zur Pandemie und ihren Maßnahmen. Ein Viertel glaubt, dass diese Differenzen auch nach der Krise nicht überwunden werden können. Die gute Nachricht: Die Hälfte sieht das anders.

Österreich ist orientierungslos

Ein weiterer besorgniserregender Befund der Studie: Zu den Brüchen kommt, dass klare Haltungen verloren gehen. Drei von fünf Österreichern sind sich nicht mehr sicher, was in der Politik, Wirtschaft und allgemeinen Lebensfragen richtig oder falsch ist. Wesentliche Fragen des Zusammenlebens können von breiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr klar beantwortet werden.

Über die Studie
Die Studie wurde vom Forschungsinstitut IMAS von Mai bis Juli 2021 durchgeführt. Persönlich befragt wurden 2.010 Personen, die statistisch repräsentativ für die österreichische Bevölkerung sind.

Autor: Stefanie Hermann, 05.08.2021