Nach Teilmobilmachung ergreifen Russen die Flucht

In Russland werden demnächst 300.000 Reservisten eingezogen, um sie an die Front in der Ukraine zu schicken. Doch die Kriegsbegeisterung hält sich merkbar in Grenzen.
Autor: Gert Damberger, 21.09.2022 um 13:06 Uhr

Knapp sieben Monate nach Beginn des Ukrainekrieges hat Russland eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte angeordnet. Kremlchef Wladimir Putin teilte dies der Nation heute morgen in einer TV-Ansprache mit – quasi als Frühstücksfernsehen. Teilmobilisierung bedeutet laut Verteidigungsminister Sergej Shoigu, dass man 300.000 Reservisten mit „Kampferfahrung“ einziehen werde. Diese würden den gleichen Status und die gleiche Bezahlung bekommen wie Vertragssoldaten. Außerdem würden sie vor dem Fronteinsatz noch einmal militärisch geschult. Reservisten, die nur mal die Grundausbildung genossen hätten, werde man nicht einziehen und Studenten auch nicht, beruhigte der General mit dem Bulldoggengesicht.

Flieger nach Istanbul ausgebucht

Besonders gut wirkten seine Beschwichtigungen anscheinend nicht. Denn sofort nach der Bekanntmachung der Teilmobilisierung stieg die Nachfrage nach Auslandsflügen sprunghaft an, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Reuters beruft sich wiederum auf eine Auswertung der Zugriffe auf „Aviasales“, der beliebtesten russischen Buchungsseite. Die Direktflüge von Moskau nach Istanbul und Jerewan (Armenien) waren sofort ausgebucht, ebenso die Flüge nach Istanbul mit Zwischenstopps. Auch Verbindungen in die Georgische Hauptstadt Tiflis waren nicht mehr zu haben und der Preis für den günstigsten Flug von Russland nach Dubai stieg auf umgerechnet 5.000 Euro.