Auf Putins Todeliste: Wer ist der nächste?

Wer in Russland einen hochrangigen Posten in der Energiebranche hat, lebt gefährlich: Leicht kommt man unter mysteriösen Umständen ums Leben.
Autor: Andrea Schröder, 20.09.2022 um 14:47 Uhr

Wie soll man den  Sturz aus einem Krankenhausfenster,  den Kunstfehler eines Schamanen oder einen nächtlichen Boots-Unfall ohne Zeugen anders bezeichnen als mysteriös? Drei offizielle Todesursachen russischer Wirtschaftsbosse von einem runden Dutzend, die seit Anfang des Jahres gestorben sind.

Riskanter Job: Gazprom-Manager 

Den Anfang macht im Jänner der Leiter der Transportabteilung der Gazprom, Leonid Shulman. Er wird tot in seinem Badezimmer aufgefunden: Selbstmord. 

Porträt

Putins Machenschaften

Was macht einen Posten bei Gazprom so gefährlich? Im Wirtschaftsmagazin "Capital" stellt Wirtschaftsexperte und Russland-Insider  Anders Aslund folgende Vermutung auf: "Putin finanziert viele seiner Operationen durch Gazprom und die Gazprombank. Die Führungskräfte, die dort arbeiten, wissen alles darüber." Und weiter:

Der Gas-Sektor ist der korrupteste in ganz Russland.

Die Manager könnten Informationen über russische Geheimdienst-Aktionen im Ausland verraten haben, so Aslund. Angeblich seien die Todeslisten mit den "Verrätern" Putin vorgelegt worden. Der Präsident habe die Liquidierung aller Personen  darauf angeordnet - die Namen seien ihm egal gewesen. 

Alte Rechnungen?

Das vorerst letzte der zwölf Todesopfer:  Iwan Peschorin, Geschäftsführer der  Gesellschaft, die für den Kreml  arktische Bodenschätze erschliessen soll. Er fiel russischen Medienberichten zufolge von seiner Privatyacht ins Meer.

Verfall der Sitten

Dass seit Jahresbeginn Leiche auf Leiche folgt, könnte Experten zufolge auch am Krieg gegen die Ukraine liegen: Eine dünne Schicht der Zivilisation wird abgetragen und Gewalt bricht sich ihre Bahn. Und dominiert nun auch das Milliarden-Business auf dem Energiesektor.