WM-Protest: Welche Konsequenzen drohen der Iran-Mannschaft?

Mit dem Schweigen bei der Hymne hat Irans Nationalmannschaft ein deutliches Zeichen gesetzt. Dem Team drohen harte Strafen.
Autor: Andrea Schröder, 24.11.2022 um 12:31 Uhr

Die Partie zwischen dem Iran und England sorgte bereits vor dem Anpfiff für Schlagzeilen. Englands Kapitän Harry Kane trug keine One Love-Binde, die iranische Nationalelf setzte dagegen ein klares politisches Zeichen.

Vier Spieler und begleitende Kinder

Symbole der Solidarität 

Während der iranischen Nationalhymne im  Khalifa-Stadions, blickte die Mannschaft ins Leere und blieb demonstrativ stumm. Mit dem Nicht-Singen der Hymne solidarisierten sie sich mit tausenden Menschen, die seit Wochen für Freiheit und gegen das Mullah-Regime demonstrieren.

Was die Kameras nicht zeigten: Noch vor dem Abspielen der Nationalhymne knieten die Spieler gemeinsam nieder - ein weiteres Signal an Khameni und Konsorten.

Dass es sich bei beiden Gesten wirklich um Protest handelte, hatte schon vor dem Spiel Kapitän Ehsan Hajsafi klar gemacht. „Wir müssen akzeptieren, dass die Situation in unserem Land nicht gut ist und dass unsere Leute unzufrieden ist“, sagte er bei einer Pressekonferenz. „Unsere Tore widmen wir diesen Menschen in Iran.“

"Ausländische Verräter"

Der stille Protest der iranischen Nationalelf wurde im iranischen Staatsfernseher nicht gezeigt: Kurz nach Beginn der Nationalhymne brach das Bild ab. Die staatliche Presse verschwieg den Vorfall ebenfalls.  Thema war ausschließlich die sportliche Niederlage der Mannschaft. Der Auftakt sei das Ergebnis „wochenlanger unfairer und beispielloser psychologischer Kriegsführung gegen die Mannschaft durch in- und ausländische Verräter".

Wie geht es weiter?

In der Vergangenheit sollen Sportler wegen Solidaritätsbekundungen bereits inhaftiert worden seien. Ali Karimi, iranische Fußballlegende, wurde in Abwesenheit wegen angeblicher Anstiftung zu Unruhen angeklagt, Karimis Villa in Teheran wurde von der Polizei beschlagnahmt. 

Ins Ausland

Möglich, dass einige Spieler angesichts solcher Gefahren nicht in ihr Heimatland zurückreisen werden. Zweifachtorschütze Mehdi Taremi vom FC Porto oder Sardar Azmoun (Bayer Leverkusen) sind  nicht auf einen Einsatz in der iranischen Fußballliga angewiesen. Für ihre Teamkameraden, die im Iran spielen, ist die Lage bedrohlicher: Die Regierung geht brutal gegen Regime-Kritiker vor. Mehr als 300 Demonstranten sind bei den Protesten im Iran bisher ums Leben gekomme, gegen mindestens 20 wurde die Todesstrafe verhängt.