Ministerrücktritte: Nehammers Geheimplan

Die Außenwirkung, die die Regierungsumbildung erzeugte, war für Bundeskanzler Karl Nehammer und die Volkspartei desaströs. Intern könnte die Initiative für die Ministerinnen-Abgänge aber durchaus von Nehammer selbst gekommen sein. ÖVP-Insider sprechen sogar von einem möglichen Geheimplan.

Kalkulierte Aktion?

Obwohl vor Parteitagen üblicherweise eitel Wonne herrscht, könnte es die Intention des ÖVP-Chefs in spe gewesen sein, sich noch von den letzten Überresten des System-Kurz zu befreien. Mit den neuen Ministern und Staatssekretären hat er sich auch das Wohlwollen der wiedererstarkten Bünde und Landesorganisationen gesichert und hat den verbliebenen Kurz-Anhängern den letzten Wind aus den Segeln genommen. Mit einem guten Wahlergebnis am Parteitag, könnte Nehammer Graz als neuer, strahlender Held der Volkspartei verlassen.

Bundeskanzler Karl Nehammer

Ins eigene Fleisch geschnitten

Gegen diese Theorie spricht natürlich die schlechte Optik nach Außen, die den Oppositionsparteien Munition gegen die Regierung geliefert hat. Auch die Rufe nach Neuwahlen, die die ÖVP keinesfalls will, wurden dadurch nicht nur lauter, sondern auch häufiger. Die aktuell schlechten Umfragewerte der ÖVP wurden durch die Rücktritte auch nicht unbedingt besser. Unnötig wäre ein solcher „Geheimplan“ aber vor allem deshalb, weil Sebastian Kurz in einem Interview mit der „Krone“, eine Rückkehr in die Politik ohnehin „für immer“ ausgeschlossen hat – für Nehammer bestand aus dieser Richtung also keine Gefahr mehr.

Autor: Patrick Deutsch, 12.05.2022