Medwedew droht diskret mit der Atomkeule

Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat erneut den Einsatz von Nuklearwaffen ins Spiel gebracht. Russland habe das Recht, sich "mit allen Mitteln" zu verteidigen.

Autor: Gert Damberger, 27.09.2022 um 14:26 Uhr

"Ich muss Sie noch einmal daran erinnern: Russland hat das Recht, Atomwaffen einzusetzen, wenn es nötig ist", schrieb Dmitri Medwedew, ehemaliger Präsident der Russischen Föderation und Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates, heute auf der Plattform Telegram. Dieser Fall würde eintreten, wenn Russland direkt angegriffen werde – dass zu „Russland“ auch die frisch annektierten Gebiete in der Ukraine zählen würden, hat Medwedew schon in der Vorwoche klar ausgesprochen.

Die USA warnen Russland

Die USA hatten Russland daraufhin vor "katastrophalen Folgen" im Fall eines Einsatzes von Atomwaffen gewarnt. Russland sei auch gewarnt worden, dass die USA und ihre Verbündeten entschlossen reagieren würden. Die Konsequenzen wären "außerordentlich" und "real", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, Montagabend (Ortszeit) dem Sender CNN. "Wir haben den Russen nicht den Hauch eines Zweifels gelassen", sagte Price. Die US-Regierung meine es ernst.

Ein realistisches Szenario

Militärexperten halten den Einsatz von „taktischen Atomwaffen“ durch Russland für denkbar – zum Beispiel, um die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Taktische Atomwaffen oder „Gefechtsfeldwaffen“ haben eine verminderte Sprengkraft und können in einer bestimmten Region eingesetzt werden, ohne dass es zu großflächigen Verwüstungen kommt. Die Sprengkraft liegt zwischen 0,3 und 100 Kilotonnen. Zum Vergleich: die Hiroshima-Bombe hat eine Stärke von 15 Kilotonnen gehabt. Die USA haben rund 230 „kleine“ Atomsprengköpfe in ihrem Arsenal, Russland dürfte nach westlichen Schätzungen etwa 2.000 besitzen.