Eiskalt: Thür zerlegt Gerald Grosz in der ZIB2

Seinen Auftritt in der ZIB2 hat sich Bundespräsidentschaftskandidat Gerald Grosz wohl anders vorgestellt.
Autor: Patrick Deutsch, 16.09.2022 um 09:01 Uhr

Zum Auftakt der ZIB2-Interviewserie mit den Bundespräsidentschaftskandidaten stellte sich der streitbare Polit-Blogger den Fragen von Martin Thür. Schon die erste Frage des ORF-Moderators, ob er, wie oe24-Kollege Sebastian Bohrn-Mena in einem Einspieler sagt, ein Spaßkandidat sei, gefiel Grosz gar nicht. „Sie hätten durchaus Wegbegleiter und Freunde fragen können, wie sie mich charakterisieren, aber gut – man erkennt den Zweck und wendet sich ab“, kontert Grosz.

60.000 Euro von der Novomatic

Auf die Korruptionsfälle im BZÖ angesprochen, betonte Grosz, dass er in seiner politischen Laufbahn kein einziges Mal vor dem Staatsanwalt oder einem Richter stand. Dieser Umstand würde ihn von vielen Politikern unterscheiden. „Auf diese Unterscheidung bin ich stolz“, so Grosz. Er habe immer gemäß den Worten seines Mentors, Herbert Haupt, gehandelt und „niemals zugegriffen“.  Thür konfrontiert Grosz daraufhin mit einer Rechnung über 60.000 Euro, die der damalige BZÖ-Steiermark-Chef Grosz 2010, an einen Mittelsmann der Glücksspielfirma Novomatic geschickt hat. „Wie glaubwürdig kann denn jemand, der 60.000 Euro, Geld das von einem Glücksspielkonzern kam, erhalten hat, gegen käufliche Politik auftreten?“, fragt Thür.  Sichtlich überrascht gab Grosz an, zu dem Zeitpunkt nicht gewusst zu haben, dass die Novomatic hinter dem Druckkostenbeitrag stehen würde. Danach geht Grosz zum Gegenangriff über: „Wenn ich mir anschaue was alle anderen Parteien inklusive der ORF für Licht ins Dunkel von der Novomatic kassiert hat, dann waren meine 60.000 Euro Peanuts, Herr Thür.“ Interessantes Detail: Nur drei Monate bevor Grosz die Zahlung erhalten hat, wurde im Nationalrat, mit den Stimmen des BZÖ, dem Glücksspielgesetz zugestimmt.

„ORF mutiert zum Propagandainstrument“

Grosz reagierte auf die Interviewführung am Freitagvormittag mit einer Aussendung. Der ORF würde „zum Propagandainstrument Van der Bellens“ mutieren. „Die Strategie des ORF ist sonnenklar und für jeden Seher und Hörer ersichtlich: Der Amtsinhaber wird geschont, gehätschelt und gepflegt und dessen Herausforderer sollen ganz unverhohlen lächerlich gemacht, vorgeführt werden. Sei es das verunglückte Format „Im Zentrum“, wo Präsidentschaftskandidaten wie Schulkinder verhört wurden, oder nun die ZIB2, in der man eben nicht über die Wahl des Staatsoberhauptes diskutiert, sondern der Kandidat ganz gezielt kompromittiert werden soll. Der ORF ist nicht einmal mehr im Stande, objektive Wahlberichterstattung zu gewährleisten. Statt objektiv zu berichten, greift der Öffentlich-Rechtliche tendenziös in freie Wahlen ein“, so Grosz.