SOS Mitmensch: Sachslehner "durch und durch verlogen"

Die ÖVP-Generalsekretärin kommt aktuell nicht zur Ruhe. Der heftigen Kritik nach ihrem Auftritt in der ORF-Sendung „Im Zentrum“, folgt scharfe Kritik an ihrem Staatsbürgerschafts-Tweet.
Autor: Patrick Deutsch, 17.05.2022 um 09:25 Uhr

Nur einen Tag nach ihrem missglückten Auftritt bei „Im Zentrum“ produziert Sachslehner die nächsten Negativschlagzeilen. In einem Tweet  warnte sie vor einer „Entwertung der Staatsbürgerschaft“, diese müsse man „sich verdienen, eine gelungene Integration ist dafür die wichtigste Voraussetzung“, so die ÖVP-Generalsekretärin. Grund für den Tweet war die Forderung von SPÖ und Arbeiterkammer den Zugang zur Staatsbürgerschaft zu erleichtern.

Twitter tobt

Die Reaktionen auf Twitter ließen nicht lange auf sich warten. Ein User stellt etwa die Frage, ob es auch eine Entwertung der Staatsbürgerschaft war, als Sachslehners Mutter – die aus Polen stammt – die Staatsbürgerschaft erhielt. Auch die ehemalige Chefin der Wiener Grünen, Birgit Hebein, kritisierte die Wortmeldung der ÖVP-Generalsekretärin. „Ist Ihnen bewusst, was Sie mit dieser überheblichen Aussage bei Betroffenen anrichten, selbst bei jenen, die die Staatsbürgerschaft erhalten haben, ob sie jetzt als Mensch die Staatsbürgerschaft wohl "abwerten", selbst weniger Wert sind, wie sich Kinder es "verdienen" sollen?“, so Hebein.

Aufruf von SOS-Mitmensch

Auch von der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch kam prompt Kritik. Sie rief Sachslehner in einer Aussendung dazu auf, „ihren Entwertungsdiskurs gegenüber hier lebenden Menschen umgehend zu stoppen“. Die Forderung nach fairen Einbürgerungsbedingungen mit einer „Entwertung der Staatsbürgerschaft“ zu vergleichen, sei „ewiggestrige Spaltungs- und Abwertungsrhetorik“. Noch deutlicher wird SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak: Die Wortmeldung von Sachslehner sei  „durch und durch verlogen“, so Pollak, denn Österreich sei Schlusslicht in Europa bei der Vergabe von Staatsbürgerschaften und das sei, laut dem SOS Mitmensch-Sprecher, ein stetig wachsendes Problem für unsere Demokratie.

Wenn Sachslehner die Vergabe der österreichischen Staatsbürgerschaft an hier geborene Kinder als „Entwertung“ bezeichnet, dann ist das nicht nur ein Angriff auf Kinder, sondern auch auf unsere Demokratie. Denn das Vergeben von Staatsbürgerschaften ist das Lebenselixier unserer Demokratie. Ohne diesem Vorgang würde es kein Wahlvolk und keine Demokratie mehr geben – SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak