Alles wird teurer: Wo soll das noch hinführen?

Nicht nur an den Tankstellen herrscht Alarmstimmung: Die Inflation schlägt in Österreich derzeit härter zu als in den zehn Jahren davor. Das sagt die Expertin.
Autor: Andrea Schröder, 27.10.2021 um 15:30 Uhr

Die Preise kennen nur mehr eine Richtung: nach oben. Mit 3,3 Prozent Inflationsrate war die Teuerung im September 2021 so hoch wie zuletzt 2011. Die stärksten Preistreiber: Energie und Treibstoff. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen fragen, wohin diese Entwicklung noch führen wird. 

"Weniger stark teuer"

Eine, die profunde Prognosen zur Inflation geben kann, ist Heike Lehner, Finanzökonomin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin  des Wirtschaftinstituts "Agenda Austria". Ihr Fazit: Viel schlimmer wird es mit den Preisen wohl nicht mehr – aber auch nicht so gut, wie es einmal war.  

 

Porträt der Expertin mit langen brünetten Haaren

Die Meinungen darüber, ob die Inflation weiter ansteigen wird, gehen auseinander. Wie sehen Sie das?

Niedrige Inflationsraten bedeuten nicht, dass das Leben billiger wird. Es bedeutet nur, dass es weniger stark teurer wird. Erwartet wird, dass die Inflation Ende des Jahres ihren Höhepunkt erreicht und sich dann wieder reduziert. Hier muss allerdings gesagt sein, dass die Inflationsraten seit der Krise oftmals zu niedrig vorhergesagt wurden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, wo die zukünftige Inflation meistens überschätzt wurde. Deswegen halte ich es für durchaus möglich, dass die Inflation auch in den kommenden Monaten höher als erwartet ausfallen wird.

Müssen wir uns etwa an hohe Benzin- und Energiepreise gewöhnen?

Es wird wieder zu einem Abflachen der Teuerungsrate kommen, obwohl ich vermute, dass sie nicht so niedrig wird wie davor. Hier gibt es verschiedene Gründe: Zum einen gehe ich nicht davon aus, dass Probleme wie zum Beispiel der Chipmangel schnell genug gelöst werden wird. Die Probleme in diesem Bereich wurden bereits unterschätzt und die Knappheit wird sich wohl auch noch in den kommenden Jahren stärker niederschlagen.

Zusätzlich kommen die Maßnahmen für den Klimawandel: Produkte des täglichen Lebens werden durch die CO2-Bepreisung teurer, und das wird sich auch in der Inflationsrate zeigen.

Sie sprechen an anderer Stelle von der „Sparbuchnation Österreich“ und mangelnder Aktienkultur. Wie würde es sich auf die Preise auswirken, wenn mehr Menschen an der Börse investieren würden?

Das viele Geld der Zentralbanken der letzten Jahre zeigt sich vor allem in den steigenden Vermögenspreisen. Österreicher können durch die mangelnde Aktienkultur nicht ausreichend an diesen Entwicklungen teilhaben. Am Sparbuch sind die Zinsen nicht hoch genug, um die Inflation wieder wett zu machen. Das bedeutet, dass man vor allem sicher Geld verliert. Jeder, der über seinen Notgroschen hinaus Geld übrig hat, sollte sein Geld informiert anlegen.

Hier braucht es aber vor allem Finanzbildung. Denn die Forderung sollte nicht sein, dass jeder all sein Geld blindlings in riskante Investitionen steckt. Sondern dass die Bevölkerung informiert Investitionsentscheidungen treffen kann.

Wir erleben die stärkste Preissteigerung seit 2011. Was musste alles zusammenkommen, damit dieses Ergebnis herauskommt?

Dass die Inflation nach der Coronakrise höher sein wird, war zu erwarten. Das ist zum einen die erhöhte Nachfrage, weil die angestauten Ersparnisse der Bevölkerung nun wieder ausgegeben werden können. Zum anderen kommen auch Verknappungen hinzu: Lieferengpässe oder der akute Chipmangel sind nur zwei der Gründe. Außerdem ist klar, dass auch das viele Geld der EZB, das sie in der Krise in den Markt gepumpt hat, ihr Ventil findet. Nicht zu vergessen: Im Vorjahr kollabierten die Ölpreise, weshalb diesjährige Vergleiche mit dem Vorjahr die Preissteigerung besonders dramatisch ausfallen lässt.

Entwicklung Mikrowarenkorb und Verbraucherpreise September 2020 bis 2021