Impfgegner = Putinversteher = E-Auto-Verweigerer = LGBTIQ-Hasser

In Österreich findet eine radikale konservative Konterrevolution statt. Brauchen wir mehr Toleranz gegenüber den Intoleranten?
17.06.2022 um 11:14 Uhr

Auf den ersten Blick könnte man meinen, diese vier Begriffe stehen so gar nicht in Beziehung zueinander. Objektiv betrachtet tun sie das auch nicht. Durchforstet man jedoch die Foren von Zeitungen oder auch Social Media, kommt man schnell zum Schluss, dass es zwischen diesen völlig unterschiedlichen Themenfeldern eine ziemlich große Schnittmenge gibt. Was ist es, was den Impfgegner zum Putinversteher zum E-Auto-Verweigerer und in weiterer Folge zum LGBTIQ-Hasser werden lässt? Ist es einfach diese ewige Besserwisserei, dieses „Wir sind gegen den Mainstream“ und glauben nicht, was uns erzählt wird? Unter Mainstream fallen mittlerweile übrigens nicht mehr nur Medien und Politik, sondern seit Corona auch die Wissenschaft. Eine bedenkliche Entwicklung.

Gegen die offene Gesellschaft

Dahinter verbirgt sich aber noch mehr. Wir haben es wohl mit einer Art Rückbesinnung auf einen radikalen Konservativismus zu tun. Die viel gepriesene offene Gesellschaft geht den Proponenten dieser Gruppe schlicht auf die Nerven, sie fühlen sich bedroht und ziehen innere und auch äußere Schranken auf. Mit anderen Worten: Die Konterrevolution ist voll im Gange. Das wirklich Gefährliche daran ist, dass damit auch eine Ablehnung der Demokratie, die als Grundübel der offenen Gesellschaft gesehen wird, einhergeht. Besiegt man die Demokratie, besiegt man die offene Gesellschaft. Und damit all die woken Bewegungen und die Forderung nach Toleranz.

Die Wut ist groß

Nun, man kann diese Menschen als verzopfte Idioten abtun, als ewig Gestrige, die in unserer modernen Gesellschaft auf der Verliererstraße fahren. Man darf aber keinesfalls die Wucht dieser verloreneren Menschen unterschätzen. Bei den Corona-Demos haben wir einen ersten Vorgeschmack davon bekommen, wie groß die Wut in diesen Kreisen schon ist. Vielleicht sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle Menschen woke sind, nicht alle Greta Thunberg großartig finden und nicht alle mit ihren Kindern Geschlechterdiskussionen führen wollen. Auch wenn es verdammt schwer ist, den Intoleranten mit Toleranz zu begegnen.