Harald Vodosek wird neuer Bundesheer-Chef
- Harald Vodosek wird neuer Generalstabschef
- Sechs Offiziere wollten Bundesheer-Chef werden
- Vom Einjährig-Freiwilligen an die Spitze des Heeres
- Rüstungsdirektor soll Milliarden-Aufrüstung vorantreiben
- Vodosek setzt auf Drohnen, Digitalisierung und KI
- Vodosek: „Moderne und starke Zukunft“
An der Spitze des Österreichischen Bundesheeres kommt es zur Wachablöse: Harald Vodosek wird neuer Generalstabschef und damit ranghöchster Offizier des Landes. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat sich für den bisherigen Rüstungsdirektor entschieden. Vodosek folgt auf Rudolf Striedinger, der Ende September in den Ruhestand tritt.
Harald Vodosek wird neuer Generalstabschef
„Mit Generalleutnant Vodosek übernimmt ein hochqualifizierter und erfahrener Offizier die Führung des Österreichischen Bundesheeres“, erklärt Tanner zu ihrer Entscheidung. Harald Vodosek kenne das Heer aus unterschiedlichsten Funktionen und verfüge über umfassende Erfahrung in den Bereichen Einsatz, Führung, Personal und Beschaffung.
Die Entscheidung fällt in einer für das Bundesheer entscheidenden Phase. Mit dem milliardenschweren „Aufbauplan 2032+“ soll die militärische Landesverteidigung gestärkt und das Heer umfassend modernisiert werden. Genau dabei hat Vodosek bereits bisher eine zentrale Rolle gespielt.
Sechs Offiziere wollten Bundesheer-Chef werden
Um den höchsten militärischen Posten haben sich insgesamt sechs Offiziere beworben. Die Bewerbungsfrist ist am 22. April ausgelaufen. Drei Kandidaten sind Medienberichten zufolge von der zuständigen Kommission als „in höchstem Ausmaß“ geeignet eingestuft worden: Harald Vodosek, Bruno Günter Hofbauer und Karl Schmidseder.
Verteidigungsministerin Tanner hat mit allen sechs Bewerbern persönliche Gespräche geführt. „Die Qualität und die Expertise der Kandidaten zeigen, dass das Bundesheer über hervorragende Führungspersönlichkeiten verfügt“, erklärt sie.
Als einer der Favoriten hat lange der bisherige stellvertretende Generalstabschef und Planungschef Bruno Hofbauer gegolten. Medien berichten allerdings von einem zuletzt belasteten Verhältnis zwischen Hofbauer und Tanner. Als möglicher Hintergrund wird die Finanzierung des „Aufbauplans 2032+“ genannt. Eine offizielle Bestätigung, dass dies für die Personalentscheidung ausschlaggebend gewesen ist, gibt es nicht.
Vom Einjährig-Freiwilligen an die Spitze des Heeres
Harald Vodosek kennt das Bundesheer seit mehr als vier Jahrzehnten. 1982 ist er als Einjährig-Freiwilliger eingerückt und hat anschließend die Theresianische Militärakademie absolviert. Nach mehreren Jahren beim Landwehrstammregiment 34 und an der Militärakademie hat er den 14. Generalstabskurs abgeschlossen.
Seine weitere Karriere hat ihn unter anderem zum Logistikchef der 9. Panzergrenadierbrigade und in die Rüstungsplanung des Verteidigungsministeriums geführt. Vodosek hat Österreich außerdem in der Militärvertretung in Brüssel vertreten und mehrere Funktionen im Verteidigungsministerium übernommen.
Eine besonders prominente Station seiner Laufbahn ist das Jagdkommando, das Vodosek als Kommandant geführt hat.
Rüstungsdirektor soll Milliarden-Aufrüstung vorantreiben
Zuletzt hat sich Vodosek vor allem mit der Modernisierung des Bundesheeres beschäftigt. 2021 ist er mit der Führung der Direktion 5 – Beschaffung beauftragt worden. Seit 2025 ist er deren Leiter und zugleich Nationaler Rüstungsdirektor.
Damit verantwortet er maßgeblich zahlreiche Beschaffungs- und Modernisierungsvorhaben. Diese Erfahrung dürfte für seine neue Aufgabe besondere Bedeutung bekommen. In den kommenden Jahren stehen wesentliche Schritte des „Aufbauplans 2032+“ an.
Vodosek kündigt bereits an, diesen Kurs fortzusetzen. „Angesichts der sicherheitspolitischen Herausforderungen und der aktuellen Lage in Europa werde ich weiter einen besonderen Schwerpunkt darauf legen, den ‚Aufbauplan 2032+‘ konsequent weiterzuverfolgen und umzusetzen“, erklärt der Generalleutnant.
Vodosek setzt auf Drohnen, Digitalisierung und KI
Neben klassischer Ausrüstung rückt Harald Vodosek auch die technologische Modernisierung des Bundesheeres in den Mittelpunkt. Befehle und Lagebilder sollen künftig nahezu in Echtzeit zwischen den Kommanden ausgetauscht werden.
Auch Künstliche Intelligenz spielt dabei bereits eine Rolle. „Wir kaufen keine KI“, hat Vodosek dazu in einem früheren Interview betont. Stattdessen sollen KI-gestützte Anwendungen dabei helfen, große Datenmengen auszuwerten, Bedrohungen schneller zu erkennen und militärische Entscheidungsprozesse zu unterstützen.
Einen besonders großen Umbruch erwartet Vodosek bei Drohnen und unbemannten Systemen. Das Bundesheer setzt solche Systeme bereits seit rund zehn Jahren ein und arbeitet an größeren Modellen mit längerer Flugdauer und höherer Nutzlast.
Vodosek: „Moderne und starke Zukunft“
Der neue Bundesheer-Chef selbst spricht von einer großen Verantwortung. „Gemeinsam mit der Ressortführung und dem Generalstab werde ich alle Anstrengungen unternehmen, um das Bundesheer im Sinne der ‚Mission Vorwärts‘ weiter in eine moderne und starke Zukunft zu führen“, erklärt Vodosek.
Sein Ziel sei es, „die militärische Landesverteidigung nachhaltig zu stärken und das Österreichische Bundesheer bestmöglich für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen“.
Bevor Harald Vodosek die militärische Führung endgültig übernimmt, folgt noch der formelle Schritt: Bundespräsident Alexander Van der Bellen muss den neuen Generalstabschef ernennen. Tanner hat den Bundespräsidenten bereits über ihre Auswahl informiert.