Skandal um "Falter": Entblößte Susanne Thier am Cover

Ist der "Falter" von allen guten Geistern verlassen? Zahlreiche Beschwerden rufen den Presserat auf den Plan. Es geht um das Titelbild, eine Fotomontage.
Autor: Andrea Schröder, 22.12.2021 um 11:46 Uhr

Da ging wohl der Satire-Gaul mit der "Falter"-Redaktion und ihrem Chef-Aufdecke Florian Klenk durch: Die aktuelle Ausgabe ziert eine Fotomontage von Sebastian Kurz, Susanne Thier, Alexander Schallenberg und Herbert Kickl als Heilige Familie. Die Vorlage lieferte ein Gemälde von 1616. Mit dem Cover bewirbt das Wiener Wochenenmagazin seinen bereits traditionellen Wochenrückblick "Best of böse". 

Der Presserat schreibt dazu am Vormittag: 

Update: Seit gestern sind bei uns mehrere Beschwerden anlässlich des diesjährigen 'Best of Böse'-Covers im Falter eingelangt. Der zuständige Senat 1 wird sich in seiner nächsten Sitzung im Jänner 2022 damit befassen. 

Dass der Falter mit dem Cover damit die Grenzen des guten Geschmacks überschritten hat, finden nicht etwa nur Gegner des im linken politischen Spektrum angesiedelten Magazins. Armin Wolf ("ich als FALTER-Fan") etwa kritisiert das Machwerk: "Ich bin als FALTER-Fan wirklich erstaunt, dass es in der Redaktion nicht genügend Leute gibt, die bei sowas sagen: „Das kann nicht euer Ernst sein. Wir machen hier keine Maturazeitung aus den 1980ern.“

Gläubige sind entsetzt

Von Geschmacksfragen abgesehen, fühlen sich viele Menschen von der Abbildung in ihren religiösen Gefühlen verletzt. 

Im Fokus der Kontroverse ist die Darstellung der Lebensgefährtin von Sebastian Kurz, Susanne Thier, als stillende Mutter Maria ihres im Dezember geborenen Sohnes Konstantin als Jesus. Das geht gar nicht, ist auch ORF-Journalist Hanno Settele überzeugt. 

Im Januar nimmt sich der Presserat des Falls an. Der Falter hat bereits 2016 gegen den "Ehrenkodex für die österreichische Presse" verstoßen. Das Titelbild bezog sich damals sich auf die sexuellen Übergriffe von Männergruppen in der Silvesternacht in Köln. Die Instrumente, einen solchen Verstoß zu ahnden, sind freilich nicht gerade scharfe Schwerter: Das Magazin wurde lediglich  aufgefordert, die Entscheidung freiwillig im Falter zu veröffentlichen.

Was darf Satire?

Jene Stimmen, die angesichts des aktuellen Covers auf die Kunstfreiheit plädieren, sind in den sozialen Medien jedenfalls in der Minderheit.