EXPO-Desaster: Dubai-Nachspiel im Parlament

Die mit 1. März zu Ende gegangene Beteiligung Österreichs an der Weltausstellung in Dubai löst ein politisches Donnerwetter aus. Eine Nachbetrachtung.
Autor: Gerhard Gall, 01.03.2022 um 10:19 Uhr

Zur Ausstellungseröffnung im Oktober vorigen Jahres hat sich die Österreich-Werbung medial für „einen mutigen Auftritt“ bei der EXPO in Dubai noch abfeiern lassen. Was Tourismusfunktionäre- und Politiker damals als Mut einschätzten und schönredeten, erscheint mittlerweile vielen Kritikern als völlige Themenverfehlung.

Fragwürdiger Werbeauftritt

Der von Wirtschaftsministerium und Wirtschaftskammer bezahlte Pavillon besteht aus 38 unterschiedlich hohen Kegeln aus Stahlbeton-Fertigteilen. Außen fleckig-weiß gestrichen, innen mit Lehm verputzt. Das Bauwerk, das aus der Vogelperspektive wie eine vorsintflutliche Raketenabschussbasis ausschaut, hat 17 Millionen Euro gekostet.

Austria makes (non)sense

Das Bauwerk musste sich bei der Weltausstellung mit 191 anderen Länderpavillons messen. Die Wettbewerbsdevise hieß zwar „Austria makes sense“, der Pavillon ist jedoch aberwitzigerweise als Hommage an die arabische Bautradition angelegt worden. In einem Stil, der eine breite öffentliche Wahrnehmbarkeit von Haus aus verhindert, weil er am Ausstellungsort alltäglich anmutet. Irgend einen sinnvollen Österreich-Bezug. der dem Millionenpublikum eine Urlaubsreise in unser Land auch nur ansatzweise hätte schmackhaft machen können, sucht man vergebens. Österreich wird nämlich nur durch in den Lehm der Wände geritzte Piktogramme – primitive Strichzeichnungen unter Höhlenmenschen-Niveau – dargestellt.

„Millionengrab“

Für die sich stark mehrenden Kritiker dieser – wie es heißt – „touristischen und werbetechnischen Niederlage“ ist das Konzept im Endeffekt eine vertane Chance und ein sinnloses Millionengrab. Die Rechtfertigung für das Fehlen jeglicher erkennbarer Darstellung der Sehenswürdigkeiten oder anderer touristischer Vorzüge unseres Landes verschlägt ohnedies jedem Touristiker mit Hausverstand die Worte: „Eine Expo ist ein Ort der Reizüberflutung mit vielen Filmen, die mehr oder weniger touristische Klischees bedienen und das jeweils präsentierte Land verherrlichen. Wir wollten einen Kontrapunkt setzen und einen Ruhepol schaffen, an dem sich die Besucher erholen können. Dadurch soll Österreich den Menschen langfristig angenehm in Erinnerung bleiben“, meinte einer der Verantwortlichen während der Ausstellung in einem Interview.

„Geschwafel“

„Dass ein derart abgehobenes Geschwafel auch nur einen einzigen Touristen mehr in unser Land bringt, darf getrost ausgeschlossen werden. Und dass Touristik-Profis ein derart sinnbefreites Unterfangen abgesegnet haben, ist für mich mehr als befremdend und eine vorsätzliche Steuergeldvernichtung“, wettert FP-Bundestourismussprecher Gerald Hauser Richtung Wirtschaftsministerin Schramböck. Ein politisches Nachspiel ist jedenfalls vorprogrammiert. Der Tiroler hat mittlerweile entsprechende parlamentarische Anfragen eingebracht, die eine Reihe für die Verantwortlichen höchst unangenehme Fragen aufwerfen.