Die große Zeugnis-Vergabe: Politiker im Noten-Check

Nicht nur für Schüler – auch für die Politik setzt es im Sommer Zeugnisse. Die Mitglieder von Regierung und Opposition haben bei unserer Zeugnisvergabe Noten von 2 bis 4 erzielt: Durchgekommen sind sie heuer alle irgendwie.

Weil Schulnoten allein den Leistungen nicht gerecht werden, hat sich der Weekend-Klassenvorstand bei den schriftlichen Beurteilungen besondere Mühe gegeben.

Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler: Note 2

Kein anderer Schüler nimmt den Unterricht so ernst wie Sebastian. Schon ein „Gut“ bedeutet für ihn eine Niederlage. Deshalb gibt es mit ihm auch oft Diskussionen über die Benotung, bei der dann doch noch der halbe Punkt zur Eins herausspringt. Großes Plus: seine Strebsamkeit. Daran muss er noch arbeiten: andere Meinungen zuzulassen.

Karl Nehammer (ÖVP), Innenminister: Note 3

Ein Schüler, der sich manchmal selbst im Weg steht: Karl braucht die Aufmerksamkeit der Kollegen und der Lehrer wie kaum ein zweiter. Bekommt er diese nicht, greift er notfalls zu Störaktionen. Die Leistungen sind okay. 

Gernot Blümel (ÖVP), Finanzminister: Note 3

Um ihn ist es im letzten Semester eher still geworden – gut so, die ruhigen Schüler sind oft die besten. Dennoch wünschen wir uns künftig wieder mehr Teilnahme am Unterricht.

Werner Kogler (Die Grünen), Kunst-, Kultur- und Sportminister: Note 3

Der Werner genießt in der Klasse viel Vertrauen, Motto: Er wird’s schon richten. Angesichts all der diplomatischen Bemühungen geht's mit seinen eigenen Leistungen leider bergab. Werner, reiß dich zusammen und steh‘ zu deiner Meinung!

Porträts der Minister Mückstein und Kocher I Bundeskanzleramt

Wolfgang Mückstein, Gesundheitsminister: Note 2

Auf diesen Neuen war die Klasse besonders gespannt: aufmüpfig, cooler Style, einer, der auch ohne viel Lernen gute Noten schreibt. Hat sich nach anfänglichen Reibereien gut in die Gemeinschaft integriert. Weiter so, nur bitte etwas konsistenter. 

Martin Kocher (parteilos), Arbeitsminister: Note 3

Ein typischer Spätstarter. Am Anfang des Schuljahres eher passiv, fällt ihm gegen Ende plötzlich ein, dass das Zeugnis droht. Zu seinem Glück konnte er den Stoff noch rechtzeitig aufholen. Martin, dranbleiben!

Karoline Edtstadler (ÖVP), Bundeskanzleramt/ Familie und Integration: Note 2

Von dieser ehrgeizigen Schülerin ist noch viel zu erwarten. Talent plus Ellenbogen: Karoline ist die geborene Anführerin. Manchmal könnte sie sich im Umgang mit Mitschülern und Lehrern kompromissbereiter zeigen.

Alma Zadić (Die Grünen),  Justizministerin: Note 3

Ob sie will oder nicht, Alma polarisiert und muss sich häufig gegen Angriffe in der Klasse oder von außen zur Wehr setzen. Das kostet Energie und Zeit, die ihr dann manchmal für die Vorbereitung auf den Stoff fehlt. Lass dich künftig nicht mehr so oft ablenken!

Alexander Schallenberg (parteilos), Außenminister: Note 3

Alexander muss man schon aufrufen, von allein zeigt er eher selten auf. Seine Kommunikation mit Mitschülern und Vorgesetzten ist stets angemessen.

Leonore Gewessler (Die Grünen), Infrastrukturministerin: Note 2

Stille Wasser sind tief: Was sich Leonore in den Kopf setzt, verfolgt sie mit erstaunlicher Beharrlichkeit. Wenn sie der aktuelle Stoff nicht fesselt, zieht sie sich zurück und heckt mit einem verträumten Lächeln neue Pläne aus.

Kabinett Kurz beim Regierungsantritt

Heinz Faßmann (parteilos), Bildungsminister: Note 3

Heinz hat es nicht leicht. Vom Habitus ist er der klassische Außenseiter: intelligent und fleißig, aber unbeholfen. Plötzlich im Mittelpunkt zu stehen, ist ihm unangenehm. Der Klasse tut er mit seiner besonnenen Art gut. Im nächsten Semester sollte Heinz öfter raus aus dem Elfenbeinturm! 

Margarete Schramböck (ÖVP), Wirtschaftsministerin: Note 3

Margarete ist in der Klasse sehr beliebt, weil sie ein Teamplayer ist. Ihre Hands-on Mentaliät kann allerdings dazu führen, dass sie die Matten im Turnsaal plötzlich ganz allein aufräumen muss. Tipp: Margarete, nicht jede/r muss dich mögen! Und  Nachhilfe nehmen in Digital!

Klaudia Tanner (ÖVP), Verteidigungsministerin: Note 2

Aus hartem Holz geschnitzt. Was in ihrem Inneren wirklich vorgeht, lässt sich schwer sagen, denn Emotionalität deutet sie als Schwäche. Von den Burschen wird sie als Kumpeltyp geschätzt, die Mädchen fürchten sie.

Elisabeth Köstinger (ÖVP), Landwirtschafts/Tourismusministerin: Note 2

Eine wie Elli wünscht sich jeder Lehrer in der Klasse: strebsam, ordentlich, immer bei der Sache. Sie gehört zu den Anführern (mit Sebastian, Gernot, Karoline) in der Klasse. Das bedeutet ihr sehr viel – manchmal sogar mehr als ihre Noten.

Susanne Raab (ÖVP), Bundeskanzleramt/ Familie, Jugend: Note 3

Bildet gemeinsam mit Elli und Karoline das Cheerleader-Team für Sebastian und fällt eher nicht mit feministischen Äußerungen auf. Wirkte zuletzt abwesend. 

Magnus Brunner (ÖVP), Verkehrs-Staatssekretär: Note 3

Magnus macht kein großes Aufheben um seine Person. Will er sich aber auf ein „Gut“ verbessern, muss er sich mehr reinhängen (und darf sich nicht immerzu von Leonore ablenken lassen).

Andrea Mayer (parteilos), Kultur-Staatssekretärin: Note 2

Gehört zu den konzentriertesten SchülerInnen der Klasse und ist stets perfekt vorbereitet. Wenn sie unterfordert ist, liest sie  auch einmal unter der Bank  (Andrea, bitte hol Dir die konfiszierten Bücher nach der Zeugnisvergabe ab).

Die Opposition

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, FPÖ-Chef Heribert Kickl I Parlament

Herbert Kickl, FPÖ: Note 4

Herbert, Herbert: Du machst es dir und allen anderen schwer. Statt seinen messerscharfen Verstand für die Lösung schulischer Aufgaben einzusetzen, teilt er lieber nach allen Seiten aus. Die Direktion musste schon des öfteren einschreiten. In Zukunft bitte weniger stören, mehr leisten!

Pamela Rendi-Wagner: Note 4

Am Anfang des Schuljahres saß Pam noch neben Peter D. einträchtig in der ersten Reihe. Dann muss etwas vorgefallen sein, denn es brach ein regelrechter Krieg zwischen den beiden aus. Als man sie auseinandersetzte, gingen sie im Schulhof aufeinander los. Pamela, wenn du so weitermachst, droht der Schulverweis (Peter, dir auch)!

Beate Meinl-Reisinger: Note 2

Beate sieht die Schule als Ideen-Plattform: Sie will überall mitreden, hat zu allem eine Meinung und möchte am liebsten jede/n von dieser überzeugen. Das ist manchmal anstrengend, aber meistens auch befruchtend.

Autor: Andrea Schröder, 15.07.2021