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Robert Eichenauer
Montage Chris Zenz

Die bösen Impf- und Leistungsverweigerer

01.01.2022 um 11:29, Robert Eichenauer
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Unsere Leistungsgesellschaft stößt an ihre Grenzen. Die Corona-Demos offenbaren dies schonungslos.

Ein Freund, erfolgreich und gebildet, begründete seine Impfverweigerung folgendermaßen: „Ich habe gar nichts gegen die Impfung, aber ich will mir von denen nichts mehr aufzwingen lassen.“ Mit „denen“ sind wohl die Eliten, die Obrigkeit gemeint, jene, die für das System stehen. Man mag diesen Satz für infantil, unverantwortlich, vielleicht sogar bösartig halten, aber genau dieser Satz spiegelt den Kern der Corona-Demos wider.

Null Bock auf das System

Ein Teil der Impfverweigerer will dieses System, was immer das eigentlich sein mag, fallen sehen. Sie haben gar keine Lust darauf, den Vor-Corona-Zustand wiederherzustellen, sie hatten nämlich schon immer null Bock auf dieses System. Die Impfung ist nur der Auslöser. Schon lange vorher grollte ein Rumoren durch unsere Gesellschaft. Auch wir „Systemlinge“ spürten es, wenn wir verzweifelt nach ehrgeizigen, karrieregeilen jungen Leuten Ausschau hielten und immer seltener fündig wurden.

Revolution ohne Gegenentwurf

Frustriert klagen wir die Generation der Faulenzer an, monieren die geringe Leistungsbereitschaft, fragen blauäugig nach den Gründen. Dabei ist es so einfach. Sie wollen dieses Leben der alten, weißen Männer und Frauen nicht leben. Sie wollen etwas anderes. Wir haben es mit einer Revolution ohne Gegenentwurf zu tun. Man weiß vorerst nur, was man nicht mehr will, hat genug vom Leistungsgedanken, von Kalendersprüchen wie „Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut“. Es geht vielen nämlich nicht gut. Damit ist nicht das Materielle gemeint. Nein, es sind die durchaus gut Situierten, die nicht mehr wollen. Sie hassen die Eintönigkeit ihres Daseins, das Arbeiten um des Arbeitens willen.

Breite Diskussion notwendig

Denn um den schnöden Mammon geht es nicht. Keiner von diesen Menschen muss Hunger leiden oder um seine Existenz bangen. Nein, es geht um Sinn. Um nichts weniger als den Sinn des Lebens. Und genau diesen Sinn finden viele im bestehenden System nicht. Wir können diese gar nicht so kleine Gruppe weiterhin als Spinner abtun, sie marginalisieren, in ein Eck mit Rechtsextremen und Verlierern stellen. Das Problem wird sich dadurch nicht lösen. Auch dann nicht, wenn Corona besiegt ist. Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine breite Diskussion darüber, wie wir leben wollen. Wohlstand allein ist offensichtlich nicht sinnstiftend genug.

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