Dick Pic: Penisbilder auf Kanzleramtsseite geben Rätsel auf

Jugendstaatssekretärin Plakolm wirbt auf einer Kanzleramtsseite mit Penis-Bildern für die Einführung des "Dick Pic-Paragrafen".
Autor: Stefanie Hermann, 25.11.2022 um 09:02 Uhr

46 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 36 Jahren haben schon mindestens einmal ein Penisbild (umgangsprachlich Dick Pic genannt) bekommen. 89 Prozent von ihnen wurden die Bilder ungefragt zugesendet. Fast 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind von sexueller Gewalt im Internet betroffen. Auch hier beginnt es oft mit ungefragten Bildern.

Straffreier Raum

Das Problem: In Österreich ist derzeit lediglich das Weiterleiten von Dick Pics an Dritte und die Veröffentlichung strafbar, nicht aber das ungefragte Versenden an sich. Wer das nicht möchte und sich davon belästigt fühlt, kann aktuell nur vor Zivilgericht auf Unterlassung klagen. Das ungefragte Zuschicken von Penisbildern  an sich ist nicht strafbar. Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) will das ändern. "Belästigung bleibt Belästigung, egal wo sie passiert. Das Internet darf keine rechtsfreie Zone sein, was im echten Leben strafbar ist, muss auch im digitalen Raum Konsequenzen", so die Staatsekretärin anlässlich des internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. "Belästigung und Gewalt gehen Hand in Hand – bekämpfen wir das eine, bekämpfen wir auch das andere."

Der Dick Pic-Paragraf

Auf der eigens ins Leben gerufenen Seite ungefragt.at informiert das Kanzleramt zu den Details. Beispielhaft werden dort entsprechende Penisbilder gezeigt. Künftig soll das ungefragte Zusenden solcher unter den Straftatbestand der sexuellen Belästigung fallen. Dafür plant Plakolm das Zufügen eines eigenen Absatzs ins Strafgesetzbuch. Er soll §218 StGB, der sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen betrifft, nach deutschem Vorbild ergänzen. Mit dem "Dick Pic-Paragraf" soll das ungefragte Erhalten solcher damit Bilder künftig der Vergangenheit angehören. Unter Strafe gestellt wird das Übermitteln von "pornografischen Inhalte an eine andere Person im Wege der Telekommunikation, ohne von dieser hierzu aufgefordert worden zu sein".

Die Details zum Paragrafen, darunter verpixelte Penis-Bilder.

Das Strafmaß für Penisbilder

Geahndet wird das Vergehen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätze. Ein strengeres Strafmaß soll zum Greifen kommen, wenn es sich um Kinder handelt: Bei der Zusendung an unter 14-Jährige soll bis zu ein Jahr Haft drohen, außer der Täter selbst ist nicht mehr als vier Jahre älter. Die Anzeige soll online möglich sein, die Kosten der Ausforschung auf den Täter entfallen.