Eine Stadt, zwei Welten: Erst Krawall-Demo, dann Gänsehaut

"Großartig. Stille und Präsenz sind lauter als Schreie und Getöse." "Schön in dieser Stadt zu sein." "Wien setzt ein stilles, aber unübersehbares Zeichen". Unter dem Hashtag #yeswecare teilen Menschen ihre Eindrücke vom Lichtermeer, einer Gedenkveranstaltung am Wiener Ring.  Laut Polizeiangaben haben sich mehr als 30.000 Teilnehmer auf der Straße und auf den Gehsteigen versammelt.

Der Ring schließt sich

Sonntag, 18:45 Uhr: Die Menschen haben Kerzen, Lampen oder Lichterketten mitgebracht, viele schalten die Taschenlampe ihrer Handys ein. Freundesgruppen, Familien mit Kindern, aber ebenso zahlreiche ältere TeilnehmerInnen sorgen für eine lückenlose Menschenkette. So gut wie alle tragen Maske. Die Polizei hat den Ring für den Verkehr gesperrt, zögerlich betreten erst einige, dann immer mehr Menschen die Fahrbahn.

Einer der #lichtermeer-Organisatoren, AHS-Lehrer Daniel Landau.

Foto: ©Florian Wieser/ APA

Um Punkt 19 Uhr wird die Menschenmenge zunächst immer ruhiger, bis auch die letzten TeilnehmerInnen ihre Gespräche einstellen und ihre Kerzen und Handys in die Höhe halten. Die Stille wird nur vom Läuten der Glocken vieler Wiener Kirchen unterbrochen.

Perfekte Welle

Nach etwa fünf Minuten kommt langsam wieder Bewegung in die Versammlung. Ein Geräusch rollt wie eine Welle heran: Es ist der Applaus und Jubel der Teilnehmer, der sich den gesamten Ring entlang fortsetzt. Nach einigen Minuten des Beifalls löst sich die Menge auf. Die Polizei, die das Geschehen auch mit kreisenden Helikoptern überwacht, muss zu keiner Zeit eingreifen.

Eskalation bei Impfgegner-Demo

Tags zuvor war die Situation in Wien dagegen außer Kontrolle geraten.  Die angekündigten Veranstaltungen von Gegnern der Coronamaßnahmen  hatten als Kundgebungen begonnen, unter anderem hatte die Impfgegner-Partei MFG dazu aufgerufen.  Etwa 2.000 Menschen waren zum Schwarzenbergplatz gekommen,  bis sich Teilnehmer unangekündigt den Weg durch die Innenstadt bahnten. Auch Sperren wurden durchbrochen.  Es gab sieben Festnahmen, über 100 Anzeigen und einen verletzten Polizisten.

Autor: Andrea Schröder, 20.12.2021