Skoda legt sich fest: Verbrenner statt E-Autos
Der tschechische Automobilhersteller Skoda vollzieht eine drastische Kehrtwende in seiner Produktstrategie für das laufende Jahrzehnt. Wie das Management rund um CEO Klaus Zellmer offiziell bestätigt, wird die geplante Streichung des günstigen Elektroautos unterhalb des Fabia bei Skoda konsequent umgesetzt. Das Unternehmen verlässt das gemeinsame Konzernprojekt zur Entwicklung eines elektrischen Kleinstwagens und überlässt der Kernmarke Volkswagen mit dem kommenden Modell „ID Every1“ das margenschwache Einstiegssegment. Stattdessen setzt Skoda im Kampf um die 20.000-Euro-Grenze auf bewährte, hocheffiziente Verbrenner-Technologie und prüft sogar den Import eines asiatischen Billig-Crossovers.
Kein elektrischer Citigo-Erbe in diesem Jahrzehnt
Ursprünglich war Skoda tief in die Konzeptionierung eines elektrischen Nachfolgers für den nur 3,60 Meter kurzen Citigo involviert. Doch angesichts des gebremsten E-Auto-Marktes und extrem dünner Renditechancen im Kleinstwagensegment zog der Vorstand frühzeitig die Reißleine. Ein neues batterieelektrisches Einstiegsmodell wird es von Skoda vor 2030 definitiv nicht geben. Als günstigstes E-Fahrzeug der Marke fungiert ab dem Jahr 2026 das kleine E-SUV Epiq, dessen Basispreis mit rund 25.900 Euro jedoch deutlich über dem klassischen Budget für Stadtautos liegt.
Indischer 7.000-Euro-Crossover Kylaq als Rettungsanker?
Um die gewaltige Preislücke unterhalb des Fabia zu schließen, der in Europa bei rund 20.190 Euro startet, evaluieren die Produktplaner derzeit laut einem Bericht des Fachmagazins Autocar ein ungewöhnliches Szenario: den Import des Skoda Kylaq. Der knapp vier Meter lange, klassisch angetriebene Crossover basiert auf der kostengünstigen MQB-A0-Plattform der Volkswagen-Gruppe und läuft in Indien für umgerechnet unschlagbare 7.000 Euro vom Band. Skoda-Chef Klaus Zellmer sieht in der Kombination von preiswerten Komponenten aus globalen Quellen eine enorme geschäftliche Möglichkeit: „Mit der langsameren als erwarteten Wachstumsgeschwindigkeit von batterieelektrischen Fahrzeugen auf dem Markt befindet sich Skoda in einer besseren Lage, beim Fabia, Scala und Kamiq zu bleiben“, so CEO Klaus Zellmer gegenüber Autocar.
Aktuell wird geprüft, ob Design, Technologie und Verarbeitung des Kylaq mit vertretbarem finanziellem Aufwand angehoben werden können, um den europäischen Sicherheits- und Abgasstandards gerecht zu werden.
Fokus auf margenstarke Verbrenner-Modelle
Kritiker bezeichnen den vollständigen Rückzug aus dem Elektroauto-Einstiegssegment zwar als mangelnde Vision für eine nachhaltige urbane Mobilität, aus betriebswirtschaftlicher Sicht positioniert sich Skoda damit jedoch als pragmatischer Margenbringer innerhalb des deutschen Großkonzerns. Die volle Konzentration gilt in den kommenden Jahren der Pflege der etablierten Verbrenner-Modellreihen Fabia, Scala und Kamiq, die der Kundschaft weiterhin bezahlbare Mobilität mit bewährter Verbrennungstechnik garantieren sollen.