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Außenansicht des Volkswagenwerkes in Wolfsburg
Der Vorstand der Volkswagen AG plant drastische Kürzungen bei Modellen, Werken und Arbeitsplätzen weltweit.
Der Vorstand der Volkswagen AG plant drastische Kürzungen bei Modellen, Werken und Arbeitsplätzen weltweit.
Tobias Arhelger / Shutterstock.com

Marke vor Aus: So will sich VW retten

30.06.2026 um 15:58, Marcel Toifl
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Die Volkswagen AG steht vor einem historischen Konzernumbau zur Zukunftssicherung. Der geplante Rettungsplan sieht massive Einschnitte beim Personal vor.

Die Volkswagen AG steht vor einer weitreichenden strategischen Neuausrichtung, um der drohenden Unrentabilität in den kommenden Jahren entgegenzuwirken. Wie aus internen Kreisen und übereinstimmenden Medienberichten hervorgeht, arbeitet der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume an einem umfassenden Restrukturierungsprogramm. Ziel des sogenannten Rettungsplans ist es, die Kostenstruktur des Automobilherstellers drastisch zu senken und die operative Umsatzrendite bis zum Jahr 2030 auf neun Prozent zu steigern.

Der Aufsichtsrat des deutschen Autoriesen soll voraussichtlich am 9. Juli 2026 über das tiefgreifende Maßnahmenpaket abstimmen. In internen Papieren wird die aktuelle wirtschaftliche Lage der Kernmarke als potenziell existenzbedrohend eingestuft, sofern keine sofortigen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Massiver Stellenabbau und Werksschließungen im Raum

Der heikelste Kernbereich des neuen Sparkurses betrifft die Beschäftigten des Konzerns. Entgegen ersten vorsichtigen Schätzungen von rund 50.000 Arbeitsplätzen greifen die internen Szenarien weitaus tiefer: In Planungsrunden wird laut Manager Magazin von einem potenziellen Abbau von 100.000 bis zu 140.000 Arbeitsplätzen weltweit gesprochen. Allein in der Technischen Entwicklung könnten bis zu 15.000 Stellen wegfallen. Zudem soll die Zahl der Führungspositionen im Management global von 21.500 auf 16.000 reduziert werden.

Parallel dazu stehen vier deutsche Produktionsstandorte unter erheblichem Druck: Die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könnten in kommenden Planungsrunden bei der Vergabe neuer Fahrzeugmodelle leer ausgehen. Der Vorstand begründe dies mit massiven Überkapazitäten auf dem europäischen Markt, die sich auf mehr als 500.000 Fahrzeuge belaufen.

Reduktion der Modellpalette und neue Kooperationen

Neben dem Personalbereich greift das Sparprogramm direkt in das Produktportfolio ein. Vorgesehen ist laut BILD eine Halbierung der angebotenen Modellpalette, während die Anzahl der Ausstattungsvarianten sogar um bis zu 75 Prozent schrumpfen soll. Damit orientiert sich Volkswagen am Vorbild asiatischer Mitbewerber, um die Komplexität und die Kosten in der Fertigung zu minimieren.

Strategische Veränderungen stehen auch bei den Tochtermarken an: Die Marke Seat soll ab 2030 keine neuen Modelle mehr einführen, während die wachsende Tochtermarke Cupra weitergeführt wird. Um kurzfristig Liquidität zu generieren, prüft der Konzern zudem den Verkauf von Randbeteiligungen aus dem über 2.000 Gesellschaften umfassenden Portfolio, darunter Ducati und Europcar, woraus Erlöse von 10 bis 15 Milliarden Euro erwartet werden.

Ende der Milliarden-Allianz mit Bosch beim autonomes Fahren

Ein weiterer Baustein der Restrukturierung betrifft kostspielige Technologiekooperationen. Volkswagen wird die 2022 mit dem Zulieferer Bosch gegründete „Automated Driving Alliance“ für autonomes Fahren vorzeitig beenden. Trotz Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro blieb die Softwareentwicklung hinter den Erwartungen und der Konkurrenz zurück.

Stattdessen plant die Softwaretochter Cariad, fertige Fahrassistenzsysteme direkt vom Markt einzukaufen. Eine vertragliche Absicherung mit einem neuen externen Technologiepartner wird bis Ende September 2026 angestrebt. Finanziell abgefedert werden die Software-Rückschläge teilweise durch den geplanten Teilverkauf der Batteriesparte Everllence an Bain Capital, der rund 7,4 Milliarden Euro in die Kassen spülen soll.

Politischer Widerstand und chinesische Alternativen

Die Pläne stoßen bei Gewerkschaften und dem Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Stimmrechte hält und ein Vetorecht besitzt, auf Widerstand. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies betont, dass Werksschließungen keine einfache Lösung seien. Um die Auslastung der deutschen Fabriken zu stabilisieren, bringt Lies jedoch eine unkonventionelle Option ins Spiel: Die Produktion von Modellen chinesischer Kooperationspartner in deutschen VW-Werken.

An der Börse spiegeln sich die Unsicherheiten über die Umsetzbarkeit der Pläne deutlich wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notiert aktuell im DAX auf einem Tiefstand von rund 71 Euro, da Investoren langwierige Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern befürchten.

Angesichts massiver Überkapazitäten in Europa forciert die Volkswagen AG einen harten Sanierungskurs, der neben Werksschließungen und dem Aus von Technologie-Allianzen auch einen historischen Arbeitsplatzabbau vorsieht.

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