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Dieter Meyrl / E+ / Getty images

So is(s)t Oberösterreich

11.02.2026 um 00:00, Friederike Ploechl
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Oberösterreich steht für Genuss mit Substanz. Zwischen Anbau, Verarbeitung und Veredelung zählt vor allem eines: ein klarer und respektvoller Umgang.

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Oberösterreich ist eine gefragte und ausgezeichnete Lebensmittelregion. Hier werden Rohstoffe erzeugt, verarbeitet und veredelt – mit Wissen, Disziplin und einem Anspruch, der nicht bei der Menge endet, sondern dort beginnt, wo Qualität messbar wird und spürbar bleibt. Wer Lebensmittel produziert, trägt Verantwortung. Wer hochwertige Lebensmittel produziert, trägt sie konsequent: für Boden und Wasser, für Pflanzen und Tiere, für Verarbeitung und Wertschöpfung – für das, was am Ende auf dem Tisch steht und für das Vertrauen, das man sich über Jahre erarbeitet.
 

WIRTSCHAFTSFAKTOR. Landwirtschaft ist mehr als Idylle – sie schafft Arbeitsplätze, gibt vielen Familien eine Perspektive und sichert Wertschöpfung in der Region.

Stärke durch Vielfalt.

Ackerbau und Grünland, Gemüse- und Obstkulturen, Rinderzucht und Milchwirtschaft, Mühlen, Bäckereien und Manufakturen – vieles greift ineinander. Diese Breite ist kein Nebeneffekt, sondern Teil der Stabilität: Sie verteilt Risiken, hält Kreisläufe in Gang und ermöglicht jene Verlässlichkeit, die man bei Lebensmitteln erwartet. Dazu kommt: Vielfalt bedeutet auch ein Stück Unabhängigkeit. Wer mehrere Standbeine hat, kann leichter Entscheidungen treffen und muss nicht jede Saison alles auf eine Karte setzen. Darum steckt im Ackerbau viel Arbeit, die im Hintergrund abläuft: Bearbeitung zum richtigen Zeitpunkt, Begrünungen zur Bodendeckung, Fruchtfolgen zur Stabi­lisierung sowie ein wohlüberlegtes Nährstoffmanagement. 
 

Qualität beginnt im Boden.

Oft sind es die unspektakulären Schritte, die am Ende den Unterschied (aus-)machen – weil sie den Boden tragfähig halten, Wasser besser speichern lassen und Extreme abfedern. Moderne Technik kann unterstützen, doch entscheidend bleibt die Sorgfalt in den Grundlagen: das genaue Hinschauen, das richtige Maß und die Konsequenz, auch wenn’s niemand sofort sieht. Wer hier präzise arbeitet, schafft die Voraussetzung dafür, dass aus Anbau tatsächlich Lebensmittel werden – verlässlich und hochwertig. Oberösterreichs Ackerbau ist nicht auf eine einzige Kultur festgelegt.  
 

SÜSSE VERFÜHRUNG. Gemeinsam durch die Regale ­gustieren – ein Familien-Ausflug in der Lebzelterei Kastner in Bad Leonfelden bleibt lange in Erinnerung.

Vom Korn zum Lebensmittel.

Unsere Mühlen und Mehlproduzen­t:innen sind Qualitätsmacher:innen. Sie sorgen dafür, dass aus Getreide ein verlässlicher Rohstoff wird, der in der Backstube stabile Ergebnisse ermöglicht. Mehl ist kein neutrales Zwischenprodukt, sondern ein Rohstoff mit Charakter – abhängig von Sorte, Jahrgang, Ausmahlung, Lagerung. Wer es ernst nimmt, arbeitet mit ­Analysen, Erfahrung und einem Gefühl für Schwankungen, die man nicht wegdiskutieren kann. Diese Kompetenz macht den Unterschied zwischen „Es geht schon irgendwie“ und jenem Ergebnis, das jeden Tag gleich gut sein soll. In unseren Bäckereien und Konditoreien entsteht Qualität durch Technik, Erfahrung und Disziplin. Es ist ein Arbeiten im Rhythmus – mit Zeit als Zutat und mit Abläufen, die sitzen müssen, bevor der ­erste Laib überhaupt in den Ofen kommt. Der Sauerteig braucht Aufmerksamkeit, Temperaturen müssen passen, und oft entscheidet bloß ein kleines Zeitfenster darüber, ob ­„Kruste und Krume“ wirklich gut schmecken. 
 

ERNTEZEIT. Nur wenn Zeitpunkt und Bedingungen passen, bleibt das Korn so, wie es die Weiterverarbeitung braucht.

Familienrezepte.

Brot oder Fein­gebäck, gehobene Konditorware oder Lebkuchen und derlei Spezialitäten – wo aus ausgewählten Rohstoffen ­Pralinen und andere Köstlichkeiten entstehen, geht es um Herkunft, um saubere Verarbeitung und um Rezepte, die nicht neu erfunden werden müssen, weil sie über die Jahre verfeinert wurden. Meist sind es fami­liengeführte Betriebe, die natürlich gewachsen sind, ohne ihren Kern zu verlieren und mit dem Selbstverständnis, dass Geschmack auch eine Form von Verantwortung ist, und dem Anspruch, der nicht am Verpackungsdesign endet, sondern mit der Geschichte der Rezeptur beginnt. 

Tradition trifft auf Handwerk.

Hier führt der Weg fast automatisch in die Welt der Manufakturen: zu kleinen und mittleren Häusern, die sich eine klare Handschrift bewahrt haben und teilweise seit mehreren Generationen diese Tradition ­pflegen. Gewürze werden fein abgestimmt, Teige dürfen reifen, Glasuren werden ruhig und exakt aufgetragen. Es ist eine Arbeit, die auf Erfahrung beruht und genau deshalb so verlässlich gelingt. Man erkennt sie an der Reduktion und an der Fähigkeit, Aromen nicht aufzublasen, ­sondern zu ordnen. Man schmeckt es, wenn Zutaten überlegt ausgewählt wurden, nicht beliebig und nicht austauschbar sind, sondern klar bestimmt in ihrer Wirkung. Das ist der Moment, in dem Handwerk zum Meisterwerk wird. 

GESCHMACK ZÄHLT. Sorten mit Charakter statt Einheitsware – gewachsen im Eferdinger Becken unter Bedingungen, die man nicht nachbauen kann.

Duft und Geschmack.

Wenn Gewürze nicht nur aromatisieren, sondern führen. Wenn die Süße nicht dominiert, sondern der Vielfalt Raum lässt. Wenn Texturen nicht zufällig entstehen, sondern bewusst gesetzt sind – mit einem Biss, der die Spannung hält, und einem Schmelz, der sich langsam und genussvoll auflöst. Bemerkenswert ist, wie oft sich in dieser Präzision auch Mut findet. Nicht der demonstrative Mut, der nach Innovation ruft, sondern neue Paarungen, feine Verschiebungen, ein anderer Zugang zur Balance. Ein Geschmack, der vertraut beginnt und ungewohnt endet. Eine Aromatik, die länger bleibt als erwartet. Deshalb sind ­diese Manufakturen so stark – weil hier große Meister:innen der kulinarischen Zünfte arbeiten, die Roh­stoffe ernst nehmen, ihr Handwerk beherrschen und sich trotzdem erlauben, weiterzudenken. 

REGIONAL NACHHALTIG. Tropische „White Tiger“- Garnelen aus Oberösterreich.

Strohblonde Felder.

Neben dem klassischen Getreide zeigt sich die Vielfalt besonders dort, wo der Acker nicht nur Grundnahrungsmittel liefert, sondern weitere Rohstoffe für ganz unterschiedliche Wege. So ist etwa Weizen nicht gleich Weizen: Es gibt Sorten, die auf Backqualität gezüchtet sind, andere wiederum, die stärker auf Stabilität oder Ertrag reagieren sollen. Auch Roggen bringt eine eigene Aromatik mit und verhält sich in der Verarbeitung anders als Weizen. Wer mit Roggen arbeitet, sollte Erfahrung mitbringen – dafür zahlt er mit Charakter zurück. ­Dinkel und andere Spezialgetreide ­stehen für eine feinere Körnung, für Nussigkeit und für eine Textur, die in Brot und Gebäck spürbar bleibt und sich entsprechend auch einer starken Nachfrage erfreuen kann. Und auch Gerste oder Hafer haben ihren festen Platz in der oberösterreichischen Getreide­kammer: als Grundlage für Flocken, oft auch als Baustein in Futtersorten und in der Kreislaufwirtschaft. 

Kornkammer Oberösterreich.

Was am Ende im Sackerl Mehl oder im Laib Brot landet, wird bereits am Feld mitentschieden – mit der bewussten Wahl dessen, was angebaut wird. Jede Kultur hat ihre ­eigenen Ansprüche und ihr eigenes Risikoprofil. Qualität entsteht, wenn diese Unterschiede ernst genommen werden: bei der Sortenwahl, in der Bestandsführung, im Timing der Arbeitsschritte, in der Ernte und in der Lagerung. Getreide ist eine tragende Säule – und zugleich eine Kultur, deren Güte weit vor ihrer Weiterverarbeitung festgelegt wird. Nach der Ernte muss sie konsequent gesichert werden: durch ­saubere Lagerung, passende Trocknung und Stabilität über Monate hinweg. Nur dann bleibt der Rohstoff verlässlich. Dann sind da noch jene Kulturen, die man oft erst am Endprodukt erkennt. Manchmal sind es Spezialitäten am Feldrand oder auf kleineren Flächen, Kräuter etwa, die nur dann überzeugen, wenn Ernte und Trocknung stimmen – weil Aroma ein empfind­liches Gut ist. Manchmal sind es Feldfrüchte, die in der Küche kaum auffallen, aber in der Lebensmittelproduktion entscheidend sind: als Mehl, als Grieß, als Stärke, als Flocken, als Basis für ­Veredelungen.

Gute Lebensmittel ent­stehen selten aus Zufall. Wetterlesen, Geduld und ein Gespür dafür, wann etwas wirklich passt. Nachhaltigkeit ist dabei eine tägliche Abfolge von Entscheidungen, die am Ende auch den Geschmack prägen. Ein Ort, an dem das besonders gut gelingt, ist das Eferdinger Becken. Wer durch diese flache, offene Landschaft fährt, sieht zuerst Felder, die sich übers Jahr verändern. Streifen und Rechtecke aus Grün und Braun bis hin zum sonnigen Gelb, wenn die Rapsfelder in voller Blüte stehen. Gemüseanbau hat hier eine lange Tradition – erste Erwähnungen reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück – und die Voraus­setzungen sind außergewöhnlich: Böden und Klima spielen perfekt zusammen, und daraus entsteht eine Vielfalt, die in Österreich selten ist. Rund 70 Gemüsearten werden geerntet: von Blatt- und Kohlgemüse bis zu Fruchtgemüse. Dahinter stehen vor allem kleine Familienbetriebe, die nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch die Landschaft prägen. In der Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl-Gemüse arbeiten 36  Betriebe zusammen. Der Schwerpunkt der Landl-Bauern sind die Erdäpfel. Auf ihren Feldern wachsen rund 60  Sorten – klassische gelbe Varianten ­ebenso wie seltene blau- und rotfleischige. Welche Sorten es dann tatsächlich in den Anbau schaffen, entscheidet nicht nur der Ertrag, sondern vor allem auch der Geschmack. Daher wird getestet, verglichen, ausgewählt. Auch der Weg der Ware bleibt nachvollziehbar bis zum Erntefeld. 
 

Exotisch wird heimisch.

Die Stärke einer Lebensmittel­region zeigt sich manchmal dort, wo man sie am wenigsten erwartet.Mitten im Oberösterreichischen, fern vom Meer, entsteht in einer Kreislaufanlage eine Delikatesse, die sonst fast automatisch mit Import verbunden ist. Die „Kremstal“-Garnelen stehen für einen Zugang, der zur Region passt: konsequent im An-spruch, hochwertige Lebensmittel auch dann regional zu denken, wenn das Produkt auf den ersten Blick vermeintlich nicht hierhergehört. Auf­gezogen werden die White-Tiger-­Garnelen in aufbereitetem tropisch warmem Salzwasser, das im Kreislauf geführt und über Biofilter gereinigt wird. Die Idee dahinter ist so schlicht wie überzeugend: Bedingungen schaffen, die konstant bleiben, Hygiene und Wasserqualität technisch so absichern, dass das System stabil läuft und man dadurch in der Aufzucht ohne Medikamente auskommt. Bemerkenswert ist auch, wie konsequent das Thema „Frische“ gelöst wird: Die Tiere werden erst auf Vorbestellung abgefischt; die Wege bleiben kurz und Abholung im Hofladen oder Versand sind genau darauf abgestimmt. So wird aus einem exotisch wirkenden Produkt eine oberösterreichische Antwort auf eine globale Frage: Wie kommt Genuss auf den Teller, ohne dass Herkunft und Verantwortung dabei verloren gehen?

Das Team von „KREMSTAL GARNELEN“. Günther Mörtenhuber, Andreas Fellner und Ulrich Weiss sind die Geschäftsführer.

Qualitätsanspruch.

Die Nutztierhaltung ist ein zentraler Pfeiler der heimischen Landwirtschaft.     Die Haltung von Rindern, Schweinen und Hühnern steht für Ver­sorgung und Wertschöpfung. Doch die Frage nach Qualität lässt sich hier nicht vom Stall trennen. Denn Qualität ist keine reine Verarbeitungs­frage, sondern sie beginnt bei Haltungsbedingungen, die die Tier­gesundheit und das ­Stressniveau nachweislich beeinflussen und damit unmittelbar auch die Eigenschaften des Endprodukts. In Oberösterreich gibt es Betriebe, die diesen Zusammenhang konsequent leben und ihren Tieren ausreichend Platz, strukturierte Bereiche, frische Luft, Tageslicht, Beschäftigungsmöglichkeiten und Auslauf bieten. Das gesetzte Ziel sind weniger Stress, robustere Tiere und ruhigere Abläufe. Je konsequenter ein Betrieb diese Faktoren integriert, desto höher ist die Qualität als Ergebnis. Nachhaltigkeit und Tierwohl enden nicht beim Füttern oder Stallklima, sondern umfassen den gesamten Weg. Eine Schlachtung ohne weite Transportstrecken ist dabei ein wesent­liches Kriterium. Kurze Wege ­reduzieren Belastung und Stress, erleichtern eine planbare, ruhigere Abwicklung und unter­stützen die regionalen Kreisläufe. Wir haben in Oberösterreich erfolgreiche Vor­zeige­betriebe, sodass tiergerechte Haltung und kurze Transporte nicht im Widerspruch zu funktionierenden Betrieben stehen müssen. 
 

ARTGERECHT. Dort, wo konsequent gedacht wird, entsteht eine Nutztierhaltung, die nachhaltiger ist und zugleich bessere Lebensmittel hervorbringt.

Der Faktor Zeit zählt.

Gerade bei Gurkerln und Kraut stellt der Gemüseanbau ein Arbeiten unter hohem Druck dar, weil Qualität am exakten Erntezeitpunkt hängt – und weil zwischen Feld und Verarbeitung nur wenig Zeit bleibt. Einlegegurkerl müssen dann geerntet werden, wenn Größe, Festigkeit und Biss passen. Was später im Glas so gleichmäßig wirkt, entsteht nicht durch Zufall, sondern durch eine straffe Abfolge: rasch vom Feld, sauber sortiert, zügig weiterverarbeitet. Jede Verzögerung nimmt dem Produkt jene Knackigkeit, die man bei Premiumware nicht diskutiert, sondern erwartet. Kraut scheint auf den ersten Blick unkompliziert, ist in Wahrheit aber ein Präzisionsrohstoff. Nur wenn die Krautköpfe gesund und fest sind und beim Schneiden sorgfältig gearbeitet wird, bleiben Struktur und Frische erhalten – das ist entscheidend, wenn daraus Sauerkraut werden soll. Denn Veredelung bedeutet hier nicht, etwas zu überdecken, sondern das Beste aus dem Gemüse herauszuholen: eine Säure, die trägt, ein Aroma, das klar bleibt und ein Biss, der stabil ist.

GURKERLFLIEGER. Im Eferdinger Becken beginnt der Weg des Gemüses vom Feld ins efko-Glas.

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