Ich bin, was ich bin
Alfons, wenn Du an „Zaza“ denkst – kommt zuerst das Leuchten oder die Verletzlichkeit?
Die Verletzlichkeit ist der Motor dieser Rolle, von vielen zwar geschätzt und geliebt, als Schmetterling aber von den meisten doch nicht ernst genommen, lebt Zaza in einem goldenen Käfig. Glanz und Glamour einer extrovertierten Frau sind ein wunderbarer Theatertrick, um die Hauptmessage dieses Stücks zu transportieren, nämlich Liebe. In Dutzende Lacher verpackt und durch wunderbare Melodien bis hin zum Welthit „Ich bin, was ich bin“ unterstützt, greift von Szene zu Szene die Botschaft immer stärker. Jeder Mensch hat das Recht, selbst zu entscheiden, wen er liebt und wie er liebt.
Du hast sie vor vielen Jahren zum ersten Mal verkörpert. Fühlt es sich heute so an, als würdest Du zu einer alten Freundin zu-
rückkehren – oder ist es eher ein Neubeginn?
Es ist ein Neubeginn mit jeder neuen Produktion, ich glaube, dass ich jetzt reifer bin auch als Schauspieler. Ich werde keine überzeichnete „Transe“ sein, sondern eine als Mutter fühlende Person, die mit einem Mann zusammenlebt und dessen Sohn als Mutter erzieht.
Zaza ist keine Figur, die man spielt und ablegt. Was berührt Dich an ihr so tief, dass sie Dich über all die Jahre begleitet hat?
Das immerwährende Problem vieler Menschen bis heute, dass es viele Varianten des Zusammenlebens gibt. Wenn sie nicht der „Norm“ entsprechen, von vielen jedoch abgelehnt werden.
Gab es Momente, in denen Zaza Dir etwas über Dich selbst erzählt hat, dass Du vorher gar nicht sehen wolltest?
Ja, denn Zaza ist ein Mann, aber er hat eine weiche und sehr empathische Seite, die auch ein Teil meines Lebens ist.
„Ich bin, was ich bin“ – dieser Satz ist purer Mut. Welche Bedeutung hat er in Deinem Leben bekommen, auch abseits der Bühne?
Ich habe mich jahrzehntelang selbst verstecken müssen, bis es mir an meinem 40. Geburtstag zu blöd wurde und ich mich bei einer Benefiz-Gala auf der Bühne outete und sagte: „Ich bin, was ich bin.“
Welche Seite an Dir hat Zaza wachgekitzelt, die Du früher lieber versteckt hast?
Dass es jedenfalls auch für eine in der Öffentlichkeit stehende Person möglich sein muss, Gefühle zu zeigen.
Wenn Du Dir von Zaza eine einzige Botschaft fürs Publikum wünschen könntest – welche Wahrheit sollte sie laut aussprechen?
Dass jeder Mensch ein 100%iges Selbstbestimmungsrecht hat.
Als Intendant triffst Du große Entscheidungen für ein großes Festival. Wie fühlt es sich an, als Darsteller wieder ganz bei Dir selbst anzukommen?
In meinen Kabarettprogrammen habe ich mich immer intensiv für gesellschaftspolitische Themen eingesetzt. Ich bin dem Burgenland sehr dankbar, dass ich mit dieser Produktion zeigen kann, dass Unterhaltung auch mit Haltung funktioniert.
Was hat Dich in den vergangenen Jahren stärker gemacht – und wie viel von dieser Stärke steckt 2026 in Deiner „Zaza“?
Ich habe in den vergangenen Jahren durch verschiedene Schicksalsschläge verstanden, dass das Leben endlich ist. Weiters stimmt der Spruch „Nur die schlimmen Erlebnisse machen einen stärker“. Zaza wird meine ganze Kraft fordern, weil ich auch Theaterleiter von zwei Spielstätten bin.
Wenn Du Zaza heute ein einziges Wort widmen könntest, ein Wort, das nur zwischen Euch beiden bleibt – welches wäre es?
Danke!