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Meet & speak
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Sag, was du willst

20.02.2026 um 00:00, Magdalena M. Fuchs
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Smart kommunizieren. Kommunikation begleitet uns in allen Lebenslagen. Und trotzdem ist es gerade sie, an der es so oft hakt.

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Viele Eltern kennen die Situation, abends am Küchentisch zu sitzen und viel Organisato­risches zu besprechen – aber wenig wirklich Persönliches auszutauschen. Dabei sind gerade diese kleinen Momente entscheidend. Eine Untersuchung an der Donau-Universität Krems hatte über hundert Studierende befragt, die sich neben Job und Familie weiterbildeten. Das überraschende Ergebnis: Die Partnerschaften litten nicht unter der zusätzlichen Belastung, sondern profitierten sogar davon. Paare berichteten, dass die gemeinsame Kommunikation lebendiger geworden sei, weil neue Impulse in die Beziehung flossen. Weiterbildung sozusagen als Paar­therapie? Nicht ganz – aber sie zeigt, dass Austausch über Neues und In­spiration von außen das Familien­klima bereichern können. Ein praktischer Tipp: Bewusst Zeiten schaffen, in denen keine organisatorischen Fragen im Vordergrund stehen, sondern Erlebnisse, Gedanken oder Gefühle. Selbst zehn Minuten am Abend können bereits einen Unterschied machen.
 

brücken bauen. Durch aufmerksames Zuhören entsteht das Gefühl von Nähe. Blickkontakt, eine offene Haltung und eine ruhige Stimme unterstützen nonverbal, dass wir uns verstanden fühlen.

Anerkennung aussprechen.

In der Paarbeziehung dreht sich vieles um das Thema „Balance“. Wer macht den Abwasch, wer bringt die Kinder ins Bett, wer verdient wie viel Geld, wohin fährt man auf Urlaub? Oft wird erwartet, dass nur eine 50:50-Aufteilung zu echter Fairness führt. Doch eine große Online-Befragung des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) mit über 1.500 Teilnehmenden zeigt ein differenzierteres Bild: Über 90 Prozent der Befragten wünschen sich zwar eine faire Arbeitsteilung im Haushalt, doch nur 80 Prozent empfinden ihre aktuelle Situation tatsächlich als gerecht. Und trotzdem gaben fast 90 Prozent an, insgesamt zufrieden mit der Aufteilung zu sein. Das klingt paradox, macht aber deutlich: Es geht nicht nur um Mathematik, sondern um Wahrnehmung, Wertschätzung und Ausgleich. Wer das Gefühl hat, gesehen und anerkannt zu werden, ist eher bereit, auch mal mehr zu übernehmen. Kommunikation heißt hier also nicht, stur die Minuten zu zählen, sondern offen über Erwartungen und Bedürfnisse zu sprechen.
 

Kommunikation entlastet.

Stress ist Gift für Beziehungen – das spüren Paare sofort. Eine Studie der Universität Wien, die Alltagsstress mit der Qualität der Partnerschaft verknüpfte, belegt: Je höher das Stresslevel, ­desto schlechter wurde die Beziehung bewertet. Besonders interessant: Der Einfluss war messbar von Tag zu Tag. Wer montags besonders unter Druck stand, bewertete abends seine Partnerschaft negativer. Die gute Nachricht: Kommunikation wirkt wie ein Puffer. Das bewusste Ansprechen von Ge­fühlen – etwa „Ich bin heute total erschöpft und brauche Ruhe“ – ent­lastet beide Seiten. Statt in Schweigen oder Gereiztheit zu verharren, schafft das Benennen von Emotionen Transparenz. So lässt sich Stress nicht vermeiden, aber sein destruktiver Einfluss auf die Beziehung abfedern.
 

zu wort kommen. Unterbrechen und sofort widersprechen, zerstört Vertrauen. Besser ist es, unser Gegenüber die Gedanken fertig ausformulieren zu lassen.

Zuhören als Königsdisziplin.

Sprechen lernen wir früh – aber Zuhören ist die eigentliche Kunst. Der Psychologe Carl Rogers beschrieb schon vor Jahrzehnten, wie mächtig „aktives Zu­hören“ sein kann: echtes Interesse, Nachfragen, Zusammenfassen, das Achten auf Zwischentöne. Eine ak­tuelle Untersuchung der Psychologin Margarete Imhof (Universität Mainz) bestätigt das: Zuhören ist kein passiver Prozess, sondern erfordert Konzen­tration auf Worte, Tonfall, Mimik und Pausen. Wer so zuhört, verbessert das Verständnis – und steigert nachweislich die Zufriedenheit im Gespräch. Im Alltag bedeutet das, nicht während des Gesprächs schon die Antwort im Kopf zu formulieren, sondern sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren, ausreden zu lassen und Empathie zu zeigen. Besonders in Partnerschaften und Familiengesprächen kann das ­wahre Wunder bewirken. Plötzlich fühlt man sich gehört, verstanden und ernst genommen.
 

Überforderung vermeiden. Ständig erreichbar zu sein, ist anstrengend. Bei Meetings das Handy auf lautlos zu stellen, kann Ablenkungen minimieren, außerdem hilft es, Prioritäten offen zu kommunizieren und sich mit einem Zeitplan zu organisieren.

Effiziente Meetings.

Auch im Arbeitsumfeld hängt viel von guter Kommunikation ab – und da hapert es besonders oft. Wer kennt sie nicht, die endlosen Meetings ohne klares Ziel, in denen viel geredet, aber wenig entschieden wird. Laut einer deutschen Untersuchung gelten zwei Drittel der für Meetings aufgewendeten Zeit als überflüssig. Im Schnitt verbringen Beschäftigte wöchentlich 3,2 Stunden in Besprechungen, die keinerlei Mehrwert bringen. Noch drastischer ist eine Umfrage der Job-Plattform Stepstone. Hier gaben 5.800 Befragte an, im Schnitt 8,7 Stunden pro Woche mit ineffizienten Tätigkeiten wie über­flüssigen Meetings, E-Mail-Fluten oder redundanten Aufgaben zu verschwenden. Das entspricht mehr als einem Arbeitstag, und zwar jede Woche. Kommunikation neu denken bedeutet im Beruf daher ganz konkret, klare Strukturen zu schaffen. Vor jedem Meeting sollte ein Ziel definiert sein, das Protokoll kurz und knackig und die Teilnehmendenzahl begrenzt gehalten werden. Und manchmal ist die effizienteste Kommunikation schlicht: eine kurze Nachricht oder 
ein direktes Zweiergespräch statt der ­großen Runde.
 

Aneinander vorbeireden.

Alle wollen reden, doch kaum jemand hört wirklich zu. Dahinter steckt auch eine gesellschaftliche Prägung. Reden gilt als aktiv und durchsetzungsstark, Zuhören dagegen als passiv. Wer laut ist, hat das Wort, und scheinbar auch die Macht. Warum also zuhören und damit die vermeintlich schwächere Rolle einnehmen? Besonders in Streitgesprächen reden wir deshalb oft aneinander vorbei. Selbst wenn wir schweigen, feilen wir meist schon an unserem nächsten Konter, statt aufmerksam beim Gegenüber zu bleiben. Und auch in guter Absicht  hören wir häufig nicht richtig hin. Ein Beispiel liefert der „Closeness Communication Bias“, erforscht an der University of Chicago: Gerade Menschen, die uns nahestehen, hören wir unaufmerksamer zu, weil wir glauben, ohnehin zu wissen, was sie denken oder sagen werden.
 

Gefühle mitteilen. Ob im Berufsleben oder in den eigenen vier Wänden: Wenn wir uns jemandem anvertrauen und uns dabei gehört und verstanden fühlen, wird die Last oft gleich viel leichter.

Zuhören lernen.

Gute und effiziente Kommunikation kann man lernen. Sein Gegenüber bewusst wahrzunehmen, stärkt die Gemeinschaft und ob privat oder beruflich, das Wohlbefinden wird gesteigert, wenn wir unseren Mitmenschen aktiv zuhören. Am Ende läuft alles auf eine einfache, aber anspruchsvolle Haltung hinaus: den Mut, ehrlich zu sagen, was man braucht und gleichzeitig die Fähigkeit, wirklich zuzuhören. So entsteht mehr Nähe in Beziehungen, mehr Zufriedenheit im Job und weniger Stress im Alltag. Denn wer klar kommuniziert und aufmerksam zuhört, legt den Grundstein für Verständnis, Nähe und Erfolg – egal, ob am Küchentisch, in der Partnerschaft oder im Konferenzraum. 

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