Was tun, wenn die Schwiegermutter zum Monster wird?

Im Film „Das Schwiegermonster“ macht die unverkennbare Jane Fonda ihrer Schwiegertochter, gespielt von Jennifer Lopez, das Leben schwer. Sie spinnt Intrigen, setzt Gerüchte in die Welt und schafft es fast, die Beziehung ihres Sohnes zu ruinieren. Ganz so extrem ist die Situation im realen Leben zwar meist nicht, doch es gibt sie: die konstanten Unstimmigkeiten zwischen den beiden wichtigsten Frauen im Leben eines Mannes.

Vorauseilender Ruf

„Mischt der Bauer Gift zur Butter, ist sie für die Schwiegermutter.“ Allgemein gesagt, haben es Schwiegermütter nicht leicht. Auch wenn alten Sprichwörtern wie diesen oder der Tatsache, dass es eine Kakteenart namens „Schwiegermuttersitz“ gibt, mit einem Augenzwinkern begegnet werden sollte, eilt ihnen ihr Ruf der bösen bissigen Frau voraus. Doch oft ist ein Mythos eben das, was er ist: ein Mythos. Denn für viele Familien sind Schwiegermütter unersetzbar und eine wahre Bereicherung. Und auch der Spross freut sich, wenn er Oma öfter zu Gesicht bekommt.

Partnerin und Schwiegermutter streiten um Sohn

Grenzen ziehen

Dann aber wiederum gibt es auch Schwiegermütter, die dazu beitragen, dass sich eben beschriebener Mythos so hartnäckig hält. Schließlich schätzen Experten, dass jede achte Beziehung wegen der Schwiegermutter in die Brüche geht. Kompliziert wird es nämlich, wenn „Schwiegermami“ zu sehr in das Privatleben drängt. ständig kritisiert oder auf Makel aufmerksam macht und sich überall einmischt. Dann hängt auf Dauer nicht nur der Haussegen schief, sondern auch das eigene Wohlbefinden leidet. Was also tun, wenn die Schwiegermutter zum kleinen Monster wird? „Ansprechen! Das gute alte Gespräch hat noch niemandem geschadet“, meint die Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl. Wichtig ist es, beim Gespräch klar und sachlich zu bleiben und sich nicht von den eigenen Emotionen leiten zu lassen. „Oft ist die Situation nachvollziehbar. Vielleicht ist der Mann bereits verstorben und die Mutter klammert deswegen so stark am Sohn“, erklärt die Expertin. Dann gilt es, Verständnis aufzubringen. Die eigenen Grenzen sollten dabei aber nicht vergessen werden. Meist lassen sich schnell Kompromisse finden.

Schwiegermutter streitet mit Schwiegertochter

Muttersöhnchen

Während sich Schwiegersöhne und -mütter oder Schwiegertöchter und -väter meist problemlos verstehen, kriselt es immer wieder zwischen Frauen. Wieso eigentlich? „Eine Mutter-Sohn-Beziehung ist eine ganz spezielle Verbindung und auch der Sohn spielt hier eine tragende Rolle. Oft hat er sich nämlich noch nicht von der eigenen Mutter losgelöst. Das bekommt dann auch die Partnerin zu spüren und leidet darunter“, sagt Schirl. Ist das der Fall, muss der Mann das Problem erkennen und aktiv zu seiner Freundin oder Ehefrau stehen. Die Mutter hingegen muss akzeptieren, dass der Sohn seine eigenen Wege geht. Das bedeutet nämlich nicht, dass er sie aus dem Leben streicht. Im Gegenteil, die Beziehung kann durch die neu gewonnene Autonomie noch mehr an Tiefe gewinnen.

Wechselspiel 

Hinter bösen Schwiegermüttern stehen oft auch böse Schwiegertöchter. In vielen Fällen ist es ein Wechselspiel. Deswegen der Tipp der Expertin: „Wenn ich merke, dass etwas nicht passt, sollte ich immer zuerst meinen eigenen Anteil in dieser Geschichte hinterfragen und nicht sofort die Schuld jemand anderem in die Schuhe schieben.“ Man kann sie lieben oder hassen, eines sollte aber immer getan werden: der Schwiegermutter Respekt zollen. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

Interview mit Psychotherapeutin Christa Schirl

weekend: Wieso kriselt es so oft zwischen Schwiegermüttern und -töchtern?

Schirl: Das kann viele Gründe haben. Manchmal beneidet die Schwiegermutter die Partnerin des Sohnes, weil sie etwas repräsentiert, das einem selbst verwehrt wurde. Neidgefühle werten die Schwiegertochter dann automatisch ab. Es kann aber auch sein, dass sich eine der beiden Frauen respektlos verhält. Dann entsteht eine konfliktbeladene Situation, die es zu entschärfen gilt.

weekend: Wie wichtig ist eine gute Beziehung zur Schwiegermutter?

Schirl: Das ist eine Geschmacksfrage, die jeder für sich selbst entscheiden muss. Man muss sie nicht lieben, schließlich ist man mit dem Mann und nicht mit seiner Mutter verheiratet. Schwiegereltern können aber eine große Bereicherung für die Familie sein, indem sie im Haushalt helfen oder auf die Kinder aufpassen. Es gibt sehr gute Beziehungen zwischen Schwiegertöchtern und -müttern. Oft verbindet ein gemeinsames Hobby. Wichtig ist ein respektvolles und höfliches Miteinander.

weekend: Oft kommt es zum Streit, sobald beide Parteien unter einem Dach leben. Was ist dann zu tun?

Schirl: ​​​​​​​Es sollte schon im Vorhinein abgeklärt werden, was einem persönlich wichtig ist. Kann ich mit einem gemeinsamen Wohnzimmer oder einer gemeinsamen Küche leben? Oder möchte ich alles getrennt? Kommunikation ist das A und O. Außerdem sollte man Probleme  nicht aufstauen lassen, sondern immer direkt ansprechen. Und sich ständig über die Wohnsituation austauschen!

Autor: Cornelia Scheucher, 07.10.2021